Triklines Kristallsystem

(c) Rob Lavinsky, iRocks.com – CC-BY-SA-3.0
Dünntafeliger Inesit aus der Wessels Mine, Hotazel, Kalahari Manganfeld, Nordkap, Südafrika
Anorthit

Das trikline Kristallsystem gehört zu den sieben Kristallsystemen in der Kristallographie. Es umfasst alle Punktgruppen, die keine Drehachse besitzen.

Das Wort triklin bedeutet dreifach geneigt (von altgriechisch τρία tria „drei“ und κλίνειν klinein „neigen“, „beugen“). Dieser Begriff bezieht sich darauf, dass im triklinen Gittersystem alle drei Achsen jeweils mit einem Winkel ungleich 90° gegeneinander geneigt sein können. Das trikline Kristallsystem wird auch als anorthisches (d. h. nicht orthogonales) Kristallsystem bezeichnet und sein Gittersystem daher mit „a“ abgekürzt („t“ hingegen steht für tetragonal).

Gittersystem

Das trikline Gittersystem hat die Holoedrie . Durch die Symmetrieelemente gibt es keine Bedingungen für die Gitterachsen, daher gilt:

Die Gittervektoren werden so gewählt, dass gilt:

c < a < b

und die Winkel α und β stumpfwinklig sind, γ dagegen spitzwinklig ist.

Bravaisgitter

Primitives triklines Bravaisgitter: aP

Im Triklinen gibt es eigentlich nur das primitive Bravaisgitter. Trotzdem kommen in der Literatur verschiedene zentrierte Gitter vor.

Punktgruppen und ihre physikalischen Eigenschaften

Das trikline Kristallsystem umfasst die Punktgruppen und . Sie gehören zur triklinen Kristallfamilie und können mit dem triklinen Gittersystem beschrieben werden.

Im triklinen Kristallsystem gibt es in jeder der beiden Punktgruppen genau eine Raumgruppe:

  • P1 (Nr. 1)Vorlage:Raumgruppe/1 in der Punktgruppe 1
  • P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 in der Punktgruppe 1.
Punktgruppe (Kristallklasse)Physikalische Eigenschaften[Anm. 1]Beispiele
Nr.Kristall­systemNameSchoenflies-SymbolInternationales Symbol
(Hermann-Mauguin)
Laue­klasseZugehörige
Raum­gruppen (Nr.)
Enantio­morphieOptische AktivitätPyro­elektrizitätPiezo­elektrizität; SHG-Effekt
VollKurz
1triklintriklin-pedialC11111+++ [uvw]+Abelsonit
Axinit
2triklin-pinakoidalCi (S2)112Albit
Anorthit
  1. Bei den Angaben zu den physikalischen Eigenschaften bedeutet:
    “ aufgrund der Symmetrie verboten
    +“ erlaubt.
    Über die Größenordnung der optischen Aktivität, Pyro- und Piezoelektrizität sowie des SHG-Effekts kann rein aufgrund der Symmetrie keine Aussage getroffen werden. Man kann aber davon ausgehen, dass stets eine zumindest schwache Ausprägung der Eigenschaft vorhanden ist.
    Für die Pyroelektrizität ist, sofern vorhanden, auch die Richtung des pyroelektrischen Vektors angegeben.

Weitere triklin kristallisierende chemische Stoffe siehe Kategorie:Triklines Kristallsystem

Kristallformen

Kristallformen des triklinen Kristallsystems am Beispiel von Chalkanthit, Kyanit, Axinit, Rhodonit und Albit.

Siehe auch

  • Trikline Anisotropie

Literatur

  • Hans-Joachim Bautsch, Will Kleber, Joachim Bohm: Einführung in die Kristallographie. 18. Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, Berlin 1998, ISBN 3-341-01205-2, S. 68, 69 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 4.
  • Hahn, Theo (Hrsg.): International Tables for Crystallography Vol. A D. Reidel publishing Company, Dordrecht 1983, ISBN 90-277-1445-2.
  • Walter Borchardt-Ott: Kristallographie. 6. Auflage. Springer-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-540-43964-1, S. 70, 71.

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(c) Rob Lavinsky, iRocks.com – CC-BY-SA-3.0
Inesit
Fundort: Wessels Mine (Wessel's Mine), Hotazel, Kalahari manganese fields, Nordkap , Südafrika (Fundort bei mindat.org)
Größe: 3 x 2.5 x 2 cm
Anorthit Miyake,Japan.JPG
Anorthit_Miyake,Japan