Sonnenuntergang

Sonnenuntergang in der Namib

Als Sonnenuntergang wird das Verschwinden der Sonne unter dem Horizont bezeichnet wie auch der Zeitpunkt ihres Untergangs im täglichen Sonnenlauf sowie die Himmelserscheinung als solche mit all ihren Phänomenen. Auf den Sonnenuntergang folgen die je nach geographischer Breite unterschiedlich langen Phasen der Abenddämmerung. Mit dem Sonnenuntergang endet der lichte Tag. In einigen Kulturen – beispielsweise bei den alten Germanen, im Judentum, Islam und Bahaitum – ist damit das Tagesende markiert, wonach der folgende Tag beginnt. In der heute international üblichen Kalenderregelung dagegen fällt der Beginn eines bürgerlichen Tages auf Mitternacht (00:00 Uhr).

Astronomische Phänomenologie

Die Bezeichnung Sonnenuntergang ist ein überkommener Ausdruck, der auf ein geozentrisches Weltbild rückverweist: Denn nicht die Sonne bewegt sich, sondern der Betrachter wird aufgrund der natürlichen Erdrotation über die Tag-Nacht-Grenze auf der Erde bewegt; die gegenteilige Erscheinung ist der Sonnenaufgang.

Der Untergang gehört mit Sonnenaufgang, Meridiandurchgang und Kulmination zu den wichtigsten Aspekten der astronomischen Phänomenologie, weshalb alle astronomischen Jahrbücher oder Kalender entsprechende Daten für Sonne und Mond enthalten. Bezogen auf den Mittag als 12:00 Uhr WOZ (wahre Ortszeit) findet der späteste Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende, der früheste zur Wintersonnenwende statt. Bei den üblichen Angaben in MEZ bzw. MESZ muss für die auf mittlerer Ortszeit basierenden Zeitangaben die Zeitgleichung berücksichtigt werden.

Die scheinbare Sonnengröße variiert zwischen 31′28″ (Winkelminuten, Winkelsekunden) zu Anfang Juli und 32′32″ zu Anfang Januar, damit ergibt sich eine Varianz von ungefähr ± 1,7 % im Jahresverlauf. Der mittlere scheinbare Durchmesser der Sonne beträgt 31′59,3″ oder etwa 0,53°.

Aufgrund der Krümmung der Lichtstrahlen (Strahlenbrechung und Astronomische Refraktion) in der Erdatmosphäre erscheint die Sonnenscheibe bei Sonnenauf- und untergang um etwa 0,6° höher und leicht abgeflacht. Nah am Horizont wirkt sie durch eine optische Täuschung größer als im Zenit.

Wahrer und scheinbarer Sonnenuntergang

Der wahre Sonnenuntergang ist der Moment, an dem der obere Rand der Sonnenscheibe den wahren Horizont unterschreitet. Der wahre Horizont, auch als geozentrische Horizontalebene bekannt, ist die senkrecht zum Lot des Beobachters stehende, durch den Erdmittelpunkt verlaufende Ebene.[1]

Der scheinbare oder sichtbare Sonnenuntergang tritt ein, wenn die Sonne bereits tiefer unter der geozentrischen Horizontebene ist – es ist der Moment, an dem der beobachtete obere Sonnenrand den scheinbaren Horizont unterschreitet. Der scheinbare Horizont ist die waagerechte Ebene auf der Erdoberfläche am Beobachtungsort. Da auch die Augenhöhe des Beobachters über der Erdoberfläche eine Rolle spielt, wird der scheinbare Sonnenuntergang oft für eine geometrische Horizonthöhe von −0,833° berechnet.[2]

Allgemeine Vorausberechnungen können keine realen Horizontverläufe bestimmter Standorte berücksichtigen und rechnen für einen idealen mathematischen Horizont, der sich überall auf der Höhe 0° befindet. Zur Berechnung solcher Zeitpunkte siehe Aufgang (Astronomie) oder Sichtbarkeit (Astronomie).

Wo der Untergangspunkt am Horizont liegt, hängt von der Jahreszeit sowie der geografischen Breite ab. Zur Tagundnachtgleiche ist er auf allen Breiten fast genau im Westen, Im Dezember/Januar hingegen für Mitteleuropa etwa im Südwesten, und im Juni/Juli im Nordwesten. Die mögliche Richtung variiert hier also um fast 90 Grad, bis zu den Polarkreisen hin wächst der Winkel schließlich bis auf 180° an:

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Das Sonnenstandsdiagramm zeigt für jeden Zeitpunkt des Jahres an, wo die Sonne zu welcher Uhrzeit steht: die Sonne geht im Winter und im Sommer in deutlich verschiedenen Himmelsrichtungen unter

Formeln für die Berechnung der Positionen des Sonnenuntergangs finden sich im Schwesterartikel Sonnenaufgang; den Untergangspunkt erhält man, indem das Resultat für den Aufgang an der Himmelsrichtung Süd gespiegelt wird.

Himmelsfärbung

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Farbenspiel am Himmel beim Sonnenuntergang in Kirchberg-Thening, 7. Januar 2005

Je nach Wetterlage kann das Sinken der Sonne mit einem beeindruckenden Farbenspiel verbunden sein, das manchmal nicht nur im Abendrot erstrahlt, sondern auch gelbe, violette oder gar grüne Farbtöne aufweist. Die Farbveränderung wird durch die Rayleigh-Streuung verursacht. Die Erdatmosphäre wirkt hierbei mit schwebenden Partikeln, den Aerosolen in der Peplosphäre als diffus streuendes Medium. Der blaue Lichtanteil der sinkenden Sonnenscheibe wird stärker gestreut, so dass in Relation ein höherer Anteil roten Lichtes den Beobachter erreicht.

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Sonnenuntergang bei Königswalde, 3. April 2004, 180°-Panorama

Bei äußerst klaren Sichtbedingungen kann ein grüner Schein oder sogar ein Grüner Blitz zu beobachten sein, der bei bestimmten Temperaturschichtungen durch einen sehr geringfügigen Prismeneffekt der Atmosphäre verursacht wird: Die gelbrote Sonnenscheibe verschwindet unter den Horizont, wodurch am oberen Rand der (fast) verschwundenen Sonne kurz ein grün(blau)er Saum aufzublitzen scheint.

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Wiktionary: Sonnenuntergang – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Andreas Kölbl: wahrer Horizont • maritimes Lexikon •. In: modellskipper.de. 4. April 2020, abgerufen am 6. März 2021.
  2. Die Zeitgleichung. In: astronomie.info. 27. Februar 2021, abgerufen am 6. März 2021.

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Sonnenuntergang in Kirchberg-Thening, Oberösterreich
Cielo en la poblacion de taritari.JPG
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Vista aerea de la población Taritari, Juan Griego, Nueva Esparta, Venezuela.
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Sonnenuntergang auf dem Mars: Aufnahme des Rovers Spirit im Gusev-Krater.
Andes Mountains as seen from Gemini 7 - GPN-2000-001067.jpg
Waves of clouds along the east flanks of the Andes Mountains cast off an orange glow by the low angle of the sun in the West. The dark area to the left is the Earth's terminator. This view was photographed by astronaut Frank Borman and James A. Lovell during the Gemini 7 mission, looking South from Northern Bolivia across the Andes. The Intermontane Salt Basins are visible in the background.
Nightfall europe-and-afrika 20050507-184500.jpg
de:Sonnenuntergang über de:Europa und de:Afrika. Das Bild ist auf den Koordinaten 48° nördlicher Breite und 4°17' östlicher Länge zentriert und zeigt die de:Tag-Nacht-Grenze am de:7. Mai de:2005 um 18:45:00 de:UTC. Es handelt sich um ein mit dem Earth and Moon Viewer künstlich erzeugtes Bild, die Bildaten stammen von NASA Visible Earth Terra/MODIS cloudless Earth und DMSP city lights images.
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ein Sonnenstandsdiagramm für Burgauberg, es zeigt für alle vollen Stunden den Sonnenstand an sowie für jeden Monatsersten den Tagesbogen. Außerdem wird der Sonnenstand an einem bestimmten Tag zu einem bestimmten Zeitpunkt braun eingezeichnet
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André Karwath aka Aka

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Dieses Bild zeigt einen Sonnenuntergang als 180°-Panorama, welcher bei Köngiswalde in der Nähe von Zwickau aufgenommen wurde. Es entstand aus sechs Einzelaufnahmen.