Selbsthilfe-Bauverein

Selbsthilfe-Bauverein eG Flensburg

RechtsformEingetragene Genossenschaft
Gründung21. Juli 1949
SitzFlensburg (Schleswig-Holstein, Deutschland)
LeitungJürgen Möller (Vorstandsvorsitzender), Michael Ebsen (Vorstand)
Mitarbeiterzahlmehr als 100
BrancheWohnungswirtschaft
Websitewww.sbv-flensburg.de

Die Selbsthilfe-Bauverein eG Flensburg (SBV) ist die größte Wohnungsbaugenossenschaft in Flensburg. Der SBV ist seit den 1950er-Jahren in der Stadt tätig. Seitdem baut, modernisiert die Genossenschaft Wohnungen, um sie anschließend zu vermieten. Zum SBV-Bestand zählen rund 7.400 Wohnungen mit knapp 439.152,47 m² Wohnfläche, sowie Gewerbeeinheiten, Garagen und PKW-Stellplätze im gesamten Flensburger Stadtgebiet. Daneben verwaltet der SBV zusätzlich rund 3.500 Immobilien. Die Genossenschaft hat rund 12.000 Mitglieder mit knapp 190.000 Geschäftsanteilen.[1]

Genossenschaftlicher Aufbau des SBV

Die Mitgliedschaft einer Person kommt durch Kauf eines Geschäftsanteils zu Stande. Mitglieder sind damit am Wohnungsbestand des SBV beteiligt. Alle fünf Jahre werden durch die Mitglieder der Genossenschaft die Vertreter für die Vertreterversammlung gewählt. Die Vertreterversammlung wählt unter anderem den Aufsichtsrat. Der stellt den Vorstand ein und soll diesen überwachen, unterstützen und beraten. Der Vorstand stellt ein Mitarbeiterteam zusammen und führt dieses. Regelmäßig muss der Vorstand dem Aufsichtsrat und der Vertreterversammlung Rechenschaft über die Aktivitäten ablegen.

Geschichte

Das Verwaltungsgebäude des SBV, das heutzutage eines der Kulturdenkmale des Stadtteils Fruerlund darstellt.
Gedenkstein an Willi Sander, dem Gründer des SBV nahe dem Verwaltungsgebäude in Fruerlund

Die Geschichte der Flensburger Baugenossenschaften begann mit Peter Christian Hansen, der Deutschlands erste Arbeiterbaugenossenschaft gründete, den Flensburger Arbeiter-Bauverein (FAB).[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Flüchtlinge nach Flensburg gekommen, die neue Wohnungen benötigten.[3] Der Niederschlesier Willi Sander gründete deshalb am 21. Juli 1949 mit weiteren 36 Neu-Flensburgern den Selbsthilfe-Bauverein Flensburg (SBV) als Genossenschaft. Willi Sander wurde zum ersten Vorsitzenden des Vorstandes gewählt. 1950 wurde die Genossenschaft in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Flensburg eingetragen. Nach Zusage von Fördermitteln aus dem Flüchtlings-Sonderprogramm für 600 Wohnungen begann der Bau der Sozialwohnungen in Fruerlund, wo ein ganzes neues Viertel entstand, das im Volksmund den Namen Flüchteby erhielt. Der dörfliche Name entstand als Zusammensetzung aus Flüchtling und -by. Die ersten SBV-Mitglieder zogen 1951 in ihre neuen Wohnungen in der Siedlung ein.[4][5][6] 1957 wurde ein sechsgeschössiges, backsteinerndes Wohn-/Bürohaus in der Mürwiker Straße 26 fertiggestellt. Ein Brückenbau verband das Gebäude mit seinem Nachbargebäude und bildete zugleich eine Toreinfahrt die nach Flüchteby zum dortigen Nettelbeckplatz führte. Noch heute dient das Gebäude, das seit 2012 die Adresse Willi-Sander-Platz 1 besitzt, als Verwaltungssitz.[7][8] 1963 war Flüchteby, mit seinen rund 1150 Wohnungen in mehreren Wohnblöcken, Eigenheimen und Kleinsiedlungsbereichen, fertiggestellt worden.[9]

Zum 25-jährigen Bestehen des SBV, im Jahre 1974, feierten 600 Teilnehmer im Deutschen Haus. Der SBV zählte zu dieser Zeit 2.607 Mitglieder, hatte rund 1.900 Wohnungen und rund 300 betreute und gewerbliche Projekte im Bestand. Ein Jahr später ging der langjährige SBV-Vorstandsvorsitzende Willi Sander in den Ruhestand. Helmut Schumann übernahm sein Amt. Willi Sander starb zwei Jahrzehnte später, im Jahr 1995. 1998 kaufte der SBV die Gesellschafteranteile der Wohnungsbaugesellschaft A in Rendsburg mit einem Wohnungsbestand von 299 Wohnungen. Im Jahr 1999 war der SBV 50 Jahre alt. Die Genossenschaft zählte derweil 3.714 Mitglieder, hatte über 2000 Wohnungen im Bestand und verwaltete zusätzlich fast 700 Wohnungen in Fremdbesitz.[10]

Das ehemalige Volksparkgelände im Jahr 2014, das seit 2015 auch vom SBV überbaut wurde.
Der vom Denkmalschutz beanstandete Abriss der Schokoladenfabrik im Bahnhofsviertel (2013)

Im Jahr 2005 wurde das erste SBV-Servicehaus beim Sandberg in der Schulze-Delitzsch-Straße 21 gebaut. Das Haus ist ein Gemeinschaftsprojekt von SBV, Arbeiterwohlfahrt (AWO) und FAB. Weitere Servicehäuser entstehen in den Jahren darauf in Fruerlund und im Stadtteil Friesischer Berg. Die Servicehäuser sollen Bewohnern größtmögliche Eigenständigkeit, barrierearme Appartements, Gemeinschaftsräume und Freizeitangebote bieten.[11][12] 2006 kaufte der SBV für 115 Millionen Euro die kommunale Wohnungsgesellschaft mit einem Bestand von rund 4800 Wohnungen. Die Stadt Flensburg und der SBV einigten sich damit auf einen ungewöhnlichen Schritt, der als „Flensburger Weg“ bekannt wurde.[13][14]

2010 begann die Neugestaltung des Quartiers Fruerlund. Die Neugestaltung war weitgehend 2014 abgeschlossen.[15] 2012 kaufte der SBV die ehemalige Schokoladenfabrik in der Straße Munketoft aus dem Jahr 1895, um sie abzureißen. Der städtische Denkmalschutz legte die Einordnung des Landesamtes für Denkmalpflege vor, die erklärte, dass die alte Fabrik ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung sei, auch wenn die Eintragung noch nicht abgeschlossen war. Die ehemaligen Schokoladenfabrik wurde bald darauf dennoch abgerissen. 2014 entstanden auf dem besagten Gelände im Bahnhofsviertel Studentenwohnungen.[16][17][18] Zum 1. Januar 2013 kaufte der SBV die hgv-Immobilienmanagement GmbH mit einem Bestand von 6.250 verwalteten Einheiten. Die Firma war 1971 als Tochter der Densch&Schmidt-Gruppe gegründet worden. 2006 wurde das Unternehmen um die Geschäftsstelle Hamburg erweitert.[19] Anfang 2014 wurde die neue Tochtergesellschaft in SBV Immobilienmanagement GmbH umbenannt.[20] Seit dem 1. Januar 2018 wurde diese GmbH größtenteils in die Selbsthilfe-Bauverein eG Flensburg integriert.

2015 startete der SBV den Neubau von Wohnungen auf einem über 30.000 m² großen Areal, es wurde zuvor dem Volksparkgelände entzogen. An dieser Bebauung sind die Unternehmen Höft, Bauplan Nord sowie auch die WOGE Kiel beteiligt. Im selben Jahr begann der Neubau der Exe-Häuser, mit der Adresse Schützenkuhle 15 und Zur Exe 1–4. Die vorherigen Gebäude waren durch Brandstiftung stark beschädigt worden.[21] Im Jahr 2016 wurden im Zuge der Sanierung des Bahnhofsviertels der Südstadt an der Bahnhofstraße eine größere Anzahl neuer Wohnungen gebaut. Im Jahr 2017 wurde im Stadtteil Mürwik, im Bereich vom Stadtbezirk Wasserloos am Schottweg ein Hochhaus mit Seniorenwohnungen errichtet.[22] Bis 2021 entstehen 286 neue Wohnungen in Tarup und 82 Wohnungen in der Travestraße, welche erstmals Platz für eine Wohngruppe für Menschen, die an Demenz leiden, bietet. Des Weiteren entstehen bis 2022 insgesamt 115 neue Wohnungen auf der Rude.

Zusätzliche Aktivitäten

SBV-Bote
Dreimal im Jahr gibt der SBV das Mitgliedermagazin "SBV-Bote" heraus. Die Erstausgabe erschien im Dezember 1969.[23]
Stadtteilfeste
Der SBV organisiert regelmäßig Stadtteilfeste.
Gemeinschaftshaus[24]
Am 1. Juni 2012 eröffnete der SBV sein 360°-Gemeinschaftshaus in Fruerlund bei der Hauptzentrale. Dort wurde Raum geschaffen, in dem sich Mitglieder und Nichtmitglieder zu Veranstaltungen zusammenfinden können. Zwei Mal im Jahr wird ein Veranstaltungsprogramm mit jeweils ungefähr 50 verschiedenen Veranstaltungen erstellt. Außerdem können die Räume auch für private Feiern angemietet werden. In anderen Stadtteilen wurden schrittweise ähnliche Angebote vom SBV geschaffen.
Im September 2015 eröffnete der SBV den neuen Stadtteiltreff „KommRein“ in der Apenrader Straße. Ein offener Treffpunkt, nicht nur zum Kaffee oder Tee trinken. Selbstorganisierte Kurse komplettieren dieses Zusatzangebot.

Literatur

  • Gerhard Kraak (Mitarbeit): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Informationen u. Materialien (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Band 22). Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 1972, DNB 730485641 (469 S.).
  • Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte: Fruerlund. Stadtumbau in Flensburg. Ein Quartier erfindet sich neu, Flensburg 2015

Weblinks

Commons: Selbsthilfe-Bauverein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. SBV Geschäftsbericht 2018. Abgerufen am 23. Juni 2016.
  2. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: SBV (Selbsthilfebauverein)
  3. 1939 lebten in Flensburg rund 70.000 Einwohner. Wie in allen großen Städten ging die Einwohnerzahl aufgrund des Luftkrieges zurück. Einwohner verließen die Stadt und so lag die Einwohnerzahl Flensburgs 1944 bei rund 60.000 Einwohnern. Durch den Flüchtlingszufluss erhöhte sich die Einwohnerzahl Flensburgs bis Juni 1945 auf 102.000 Personen. Flensburg war damit zur Großstadt geworden. In den Folgejahren sank auf Grund von Umsiedlungen die Einwohnerzahl zwar wieder, dennoch wurden neue Wohnungen gebraucht, den die Flüchtlinge lebten in Notunterkünften. Vgl. Einwohnerentwicklung von Flensburg und Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, Flensburg 2015, S. 156 f. sowie S. 158. ff. wie auch S. 171
  4. Die Historie der Genossenschaft
  5. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Flüchteby
  6. Flensburger Tageblatt: 60 Jahre SBV: Stadtgeschichte zum Anfassen und Mitfeiern, vom: 6. Juli 2009; abgerufen am: 11. Oktober 2015
  7. Die Historie der Genossenschaft
  8. Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 540
  9. Die Historie der Genossenschaft
  10. Die Historie der Genossenschaft
  11. Informationen zu den Service-Häusern
  12. SBV Geschäftsbericht 2011. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 27. September 2015; abgerufen am 8. Januar 2015 (PDF, Seite 7).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sbv-flensburg.de
  13. Die Historie der Genossenschaft
  14. Die Welt: "Flensburger Weg" zur Privatisierung, vom: 8. August 2006; abgerufen am: 11. Oktober 2015
  15. Die Historie der Genossenschaft
  16. Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Flensburger Tageblatt: Die Schokolade vom Mühlenteich, vom: 4. April 2015; abgerufen am: 10. Oktober 2015
  17. Flensburger Tageblatt: Der SBV gönnt sich etwas Süßes, vom: 25. Mai 2012; abgerufen am: 10. Oktober 2015
  18. Auf dem Gelände der Schokoladenfabrik wird zukünftig gewohnt, vom: 13. März 2014
  19. SBV Geschäftsbericht 2012. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 27. September 2015; abgerufen am 8. Januar 2015 (PDF, Seite 15).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sbv-flensburg.de
  20. Die SBV Immobilienmanagement GmbH
  21. Informationen zu den Neubauprojekten (Memento vom 8. Januar 2015 im Internet Archive)
  22. Informationen zu den Neubauprojekten (Memento vom 8. Januar 2015 im Internet Archive)
  23. Der SBV-Bote ist neben der Druckausgabe auch als Download verfügbar: http://www.sbv-flensburg.de/wir-fuer-sie/downloads/.
  24. Stadtteilfeste, 360° Gemeinschaftshaus und Service Card

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Wasserturm Flensburg-Mürwik am 4. April 2014, Bild 02.jpg
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Wasserturm Flensburg-Mürwik am 4. April 2015, Bild 02
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Flensburg-Fruerlund; Muerwiker Strasse 26; Wohn- und Bürohaus; Denkmal-Nr. 6
Abriss der alten Schokoladenfabrik (Flensburg, Bahnhofsviertel), Bild 01.JPG
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Abriss der alten Schokoladenfabrik (Flensburg, Bahnhofsviertel), Bild 01
Muehlenhof, Flensburg.jpg
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Flensburg-Fruerlund, Gedenkstein Willi Sander des SBV. Eingelassene Tafel mit der Aufschrift: "Willi Sander Gründer der Selbsthilfe Bauverein eG Flensburg 21. Juli 1949"