Sammlung Dohna-Schlobitten

Schloß Schlobitten (Supraporte), um 1730 (Maler unbekannt)

Die Sammlung Dohna-Schlobitten umfasst Kunstwerke aller Gattungen vom späten 16. bis ins 20. Jahrhundert und zeigt bedeutende Zeugnisse europäischer Adelskultur. Sie wird von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg verwaltet.[1] Sie wird gegenwärtig im Schloss Doberlug gezeigt.

Entstehung der Sammlung

Urkunde zur Erweiterung der Sammlung Dohna-Schlobitten 1917

Grundlage für die Sammlung, die bis 1944 das Inventar des ostpreußischen Schlosses Schlobitten darstellte, waren die Dohnasche Familienverfassung und insbesondere das „Ewige Testament“ des Adelsfamilienzweiges Dohna-Schlobitten von 1621, ein Familienfideikommiss. Die durch Erbstücke, Geschenke, Mitgiften und Erwerb wachsende Sammlung wurde als Vermächtnis vom Familienoberhaupt auf den Nachfolger vererbt und durfte nicht angetastet (verwertet oder verbraucht) werden. So wuchs die Sammlung im Verlauf mehrerer Generationen.[2] Die letzte bekannte Erweiterung (unter anderem um das „Schlößchen“ in Mohrungen) genehmigte der preußische König Wilhelm II. (letzter deutscher Kaiser) 1917.[3]

Im Jahre 1944 umfasste die bedeutende Bibliothek 55.000 Bände, von denen jetzt nur noch 11 zur Sammlung gehören[4] (siehe: Schloss Schlobitten, Bibliothek).

Jüngere Geschichte

Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten konnte kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges einen bedeutenden Teil des Inventars von Schloss Schlobitten retten, bevor es nach Besetzung durch die Rote Armee durch Brandstiftung zerstört wurde. Die Transporte erfolgten insgeheim ab 1943 in Zügen und Wagen, der letzte umfasste 330 Personen (Familienmitglieder und Bedienstete), 140 Pferde und 38 Wagen und ging über 1500 km auf Irrwegen nach Norddeutschland. Dabei gingen etwa 2/3 der Sammlung verloren, der Fürst kämpfte um in der DDR beschlagnahmte Teile.[5][6]

Bereits 1978 erwarb die Stiftung mit Hilfe der Deutschen Klassenlotterie Berlin Teile der Sammlung. Der Fürst verhandelte mit dem Ziel einer Zusammenführung der Sammlung und Komplett-Ausstellung des aus Schloss Schlobitten geretteten Inventars, weitere Käufe durch die Stiftung erfolgten 1992/93 mit Hilfe der Bundesregierung und 1999.[4]

Wechselnde Ausstellungsorte

Zuerst erhielt von 1978 bis 2009 Schloss Charlottenburg bei der Stiftung vorhandene Stücke und Wiedererwerbungen. Von 2009 bis 2019 wurde im Schloss Schönhausen ein Teil der Sammlung von Kunstwerken aller Gattungen in ihrem über Jahrhunderte gewachsenen Zusammenhang gezeigt. Thematisch gegliederte Räume heben kostbare Schwerpunkte des Schlobitten-Inventars hervor: wertvolle Bestände der Bibliothek, die Schätze der Silberkammer und der Kunstkammer.[7][8] Die Sammlung soll danach im Schloss Doberlug vollständig gezeigt werden.[9][10]

Bestand

  • 72 Gemälde
  • 8 Graphiken
  • 35 Möbel
  • 4 Tapisserien
  • 15 Skulpturen
  • 647 Werke aus edlem und unedlem Metall, darunter auch mehrere Waffen
  • 205 Porzellane
  • 28 Fayencen und Steinzeugobjekte
  • 48 Gläser
  • mehr als 250 Kleinkunstgegenstände verschiedenster Art
  • eine große Anzahl von gestickten Objekten und diverse Tischwäsche
  • eine große Sammlung von Münzen und Medaillen
  • 11 Bücher des 17. und 18. Jahrhunderts[4]

Siehe auch

Weblinks

Commons: Sammlung Dohna-Schlobitten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bodo Baumert: Bedeutende Zeugnisse des europäischen Adels in: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Senftenberg, 6. April 2018; abgerufen am 14. April 2018.
  2. Bodo Baumert: Adels-Schätze endlich wieder vereint in: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Senftenberg, 6. April 2018; abgerufen am 14. April 2018
  3. Urkunde zur Erweiterung der Sammlung Dohna-Schlobitten 1917
  4. a b c Sammlung Dohna-Schlobitten auf der Internet-Seite der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
  5. Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten: Erinnerungen eines alten Ostpreußen: S. 314–328.
  6. Christian Neef: KALININGRAD: „Je größer, desto leichter“ in: Der Spiegel, 13. Januar 2013, abgerufen am 24. April 2018
  7. (LR-Bilderserie): Die Sammlung Dohna-Schlobitten in: Lausitzer Rundschau, Lausitzer Geschichte, 14. April 2017; abgerufen am 14. April 2018.
  8. Ausstellung im Schloss Schönhausen, Internet-Seite des Familienverbands Dohna, 14. April 2017; abgerufen am 14. April 2018.
  9. Bodo Baumert: Schloss Doberlug bekommt einzigartige ostpreußische Sammlung (Interview mit Babette Weber) in: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Finsterwalde, 27. Dezember 2017; abgerufen am 14. April 2018
  10. (epd/nd): Adelskultur: Preußische Sammlung in: Neues Deutschland, Kultur, 28. Dezember 2017, abgerufen am 24. April 2018

Auf dieser Seite verwendete Medien

Urkunde Dohna-Schlobitten Sammlungserweiterung 1917, (Kopie).pdf
1917 stimmte der letzte preußische König Wilhelm II. und deutsche Kaiser der Hinzufügung von Grundstücken und Bauten (Teile des Schlobittener Besitzes) zum der Sammlung Dohna-Schlobitten zugrundeliegenden Fideikommiss zu; datiert 17. September 1917 aus dem Großen Hauptquartier (Berlin); Kopie
Schloss Schlobitten.jpg
Ansicht von Schloss Schlobitten mit Vorwerk. Supraporte aus dem Schloss.
Schloss Schlobitten, etwa 1915.jpg
Autor/Urheber: Alexander Fürst von Dohna-Schlobitten (Verwendung der Kopie von Familienfotos in seinem Buch), Lizenz: CC BY-SA 4.0
Schloss Schlobitten, etwa 1915. Erbaut 1625 unter Abraham Burggraf zu Dohna als Renaissanceschloss, der Umbau zum Barockschoss wurde unter Alexander zu Dohna 1713 vollendet. Niedergebrannt 1945.
Schloss Schlobitten, Großer Festsaal, 1713, Bildhauer Joseph Anton Kraus.jpg
Schloss Schlobitten, Großer Festsaal, 1713, Bildhauer Joseph Anton Kraus
Doberlug-Kirchhain May2015 img4 Schloss Doberlug.jpg
Autor/Urheber: A.Savin, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Doberlug-Kirchhain (Niederlausitz): Schloss Doberlug