Reiten

Reiten mit Handpferd
Luristan, Iran – Prähistorische Höhlenzeichnung in eines Reiters
Saru Maru, Indien – Felszeichnung mit Reitern
Assurbanipal als Reiter auf der Jagd (Niniveh, ca. 640 v. Chr.)
Kavalkade, Westfries des Parthenon, um 447–433 v. Chr.

Reiten bezeichnet die Fortbewegung des Menschen auf dem Rücken eines Tieres. Dabei kann es sich um Pferde, aber auch um andere Reittiere wie Esel oder Kamele handeln.

Pferde als Reittiere

Geschichte

Pferde spielten weltweit eine wichtige Rolle in der Menschheitsgeschichte, in Verkehr, Handel, Landwirtschaft, als Handelsware und beim Militär.

Das Pferd wurde an unterschiedlichen Orten domestiziert.[1][2] Früheste Belege für domestizierte Pferde stammen aus der westsibirischen Botai-Kultur um 3500–3000 v. Chr. in Zentralasien.[3] Es wurden Pferdezähne mit Verschleißspuren von Knochen- und Haartrensen sowie Pferche mit Pferdemist gefunden.[4] Außerdem fanden sich rund 5600 Jahre alte Tonscherben mit Resten von Kumys (vergorener Stutenmilch).[5] Erste Hinweise für regelmäßiges Reiten fanden sich an rund 5000 Jahre alten menschlichen Knochen, welche der Jamnaja-Kultur zugeordnet wurden.[6]

Die frühen Großreiche der Assyrer und Hethiter sowie die Hurriter im Mitanni-Staat profitierten von der Nutzbarmachung des Pferdes im Krieg. Pferde kamen hierbei sowohl als Reit- als auch als Zugtiere (z. B. von Streitwagen) zum Einsatz. Ein Handbuch zur Ausbildung von Pferden stammt vom Hethiter Kikkuli aus dem 15. Jahrhundert v. Chr.

Frau Guoguo beim Ausritt, Kopie von Li Longmian 12. Jh. nach Zhang Xuan 8. Jh., Palastmuseum Taichung (Taiwan)
Wilhelmine von Preußen, 1789

In dem Zeitraum von 1650 bis 1550 v. Chr. brachten die Hyksos durch die Eroberung Unterägyptens Pferde als Nutztiere nach Ägypten.[7] Sie zogen Streitwägen.

Reiternomadenvölker wie die Skythen besiedelten ab etwa dem 8./7. Jahrhundert v. Chr. die eurasischen Steppen nördlich des Schwarzen Meeres.

Im antiken Griechenland gelangte die Reitkunst in eine Blütezeit. Xenophons (ca. 430–354 v. Chr.) Werke Hipparchikos und Über die Reitkunst werden heute vielfach als Grundlage der Hippologie gesehen. Seine Grundsätze gelten heute noch als unverändert.

Angefangen in der Antike bis hin zur Neuzeit, galt die militärische Waffengattung Kavallerie als beherrschend, da sie sehr viel schneller und wendiger war als die Fußtruppen. Die Reitkunst ermöglichte es, das Pferd auch als Waffe einzusetzen (so beim Pferd über die Kapriole als Befreiungsschlag). Die Kavallerie prägte auch den modernen Reitsport, der aus ihren Lehrmethoden hervorging.

Der Höhepunkt der Pferdenutzung wurde um 1910 erreicht, die Motorisierung war noch nicht weit fortgeschritten. Die Pferde bildeten im Ersten Weltkrieg die Basis der Infrastruktur.[8][9] Ebenfalls im Zweiten Weltkrieg spielten Pferde eine wichtige Rolle. Die Pferde der Wehrmacht waren als Armeepferde ein wichtiger Bestandteil des militärischen Transportwesens. In ihrer Masse war die Wehrmacht nicht motorisiert, sondern bespannt und beritten. Dies hatte technische, taktische und ökonomische Gründe.[10]

Ursprünglich als schnelle Reisemöglichkeit eingesetzt, ist Reiten heute in Industriestaaten hauptsächlich im Reitsport, in der Freizeitgestaltung sowie auch im therapeutischen Reiten gebräuchlich. Oft wird das Wanderreiten über Reitwege geführt. Daneben gibt es noch verbreitete Reiterstaffeln der Polizei sowie Kavallerieeinheiten der Armee zur Repräsentation, beispielsweise in Großbritannien und in Frankreich.

Ausbildung des Pferdes

Die meisten Pferde werden als Dreijährige eingeritten. Junge Pferde mit guter Grundausbildung sollten beim ersten Aufsitzen keine Angst spüren. Sie werden im Voraus meist an den Sattel und das Gewicht auf dem Rücken gewöhnt und ablongiert. Dann betrachten sie es einfach als eine weitere Übung und werden nur in Ausnahmefällen Abwehrreaktionen zeigen.

Reitausbildung, Reitschule und Reiturlaub

Es gibt ein breites Angebot von Pferdesportvereinen[11] und Pferdesportanlagen mit Reitschulen, die es auch Anfängern ohne Erfahrung und ohne eigenes Pferd ermöglichen, ihre ersten Erfahrungen im Umgang mit dem Pferd zu sammeln, beispielsweise im Abteilungsreiten. Daneben besteht die Möglichkeit, das Reiten in einem Reiturlaub zu erlernen.

Bei der Auswahl einer Reitschule oder eines Reiturlaubs sollte auf artgerechte Pferdehaltung geachtet werden. Sattel und Zaumzeug müssen in gutem Zustand sein und den Pferden passen, damit kein Satteldruck oder Scheuerstellen entstehen. Um dies zu verhindern, sollte der oder die Reitlehrerin vor der Stunde bei jedem Pferd die Lage des Sattelzeugs überprüfen. Die Pferde müssen gesund sein, Anzeichen für mangelnde Gesundheit sind zum Beispiel stumpfes Fell, glasige, trübe Augen, Desinteresse, Verletzungen oder Lahmheiten.

Einwirkung

Beim Reiten kann auf verschiedene Weisen auf das Pferd eingewirkt werde. Die Einwirkungen werden Hilfen genannt. Zu diesen zählen Gewichtsverlagerung, Schenkeldruck, Zügel oder Leinen und die Stimme. Auch Hilfsmittel wie Gerten und Sporen dienen der Einwirkung. Dabei ist das Zusammenspiel der Hilfen für die Kommunikation mit dem Tier entscheidend, eine isolierte Hilfe ist wenig wirkungsvoll.

Gut ausgebildete, feinfühlige Tiere reagieren auf minimale, von außen kaum wahrnehmbare Hilfen. So erkannte der „Kluge Hans“, ein „rechnendes“ Pferd, anhand von Spannung und Erleichterung des Fragenstellers, wie oft er mit dem Huf klopfen sollte.

Ausrüstung

Den Reittieren werden verschiedene Arten von Sätteln aufgelegt, um einen möglichst komfortablen und sicheren Sitz zu ermöglichen und das Gewicht möglichst gleichmäßig auf dem Rücken des Reittiers zu verteilen. Je nach Einsatzzweck gibt es verschiedene Arten von Sätteln. Ein Springsattel ermöglicht kürzere Steigbügel, was für das Springreiten notwendig ist. Ähnlich wie der Rennsattel, der es dem Jockey erlaubt, die größte Geschwindigkeit zu erreichen, indem er sich nach vorne lehnt. Ein Dressursattel erlaubt einen langen, tiefen Sitz. Der Westernsattel gibt viel Halt und ist bequem.

Außerdem wird meistens ein Zaum oder ein Halsreifen verwendet, um auf Hals und Kopf des Reittiers einwirken zu können.

Des Weiteren gibt es in jeder Sparte der Reiterei ganz unterschiedliches Zubehör. In fast allen Sparten zu finden ist Zubehör zum Schutz der Beine, wie Hufglocken, Gamaschen oder Bandagen zum Stützen der Sehnen, Gelenke und Bänder.

Auch sogenannte Hilfszügel finden sich regelmäßig wieder. Es gibt eine Reihe verschiedener Hilfszügel mit unterschiedlichen Einwirkungen. Alle Hilfszügel sollen dem Reiter dabei helfen, das Pferd in Anlehnung zu reiten, was Bestandteil der klassischen Ausbildungsskala von Pferden ist.

Reitweisen

Galopp, 2006

In deutschen Pferdesportanlagen wird hauptsächlich eine Ausbildung im Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiten (Kombination aus Dressur-, Geländeritt und einem Springparcours) angeboten. Aber auch freizeitlich kann man an Ausritten teilnehmen. Die damit verbundene Reitweise wird oft auch die „Englische Reitweise“ genannt. Der sportliche Fachverband als Mitglied im Deutschen Olympischen Komitee ist die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN).

In Amerika ist das Westernreiten verbreitet, das in Deutschland im Ersten Westernreiter Union Deutschland (EWU) organisiert ist.

Die Reitweisen unterscheiden sich in der Hilfengebung sowie bei Ausrüstung von Pferd und Reiter. Gemeinsam haben sie jeweils zum Ziel, das Pferd schonend aufzubauen, sodass es das zusätzliche Gewicht ohne gesundheitliche Beeinträchtigung tragen kann.[12]

Pferde haben drei Grundgangarten: Schritt, Trab und Galopp. Bei manchen Rassen kommen auch weitere Gangarten vor, wie Pass oder Tölt, mit dem große Distanzen bequem zurückgelegt werden können. Im Trab und im Galopp hat ein Pferd eine „Schwebephase“, das heißt, es berührt mit keinem Bein den Boden.

Pferderücken

Falsches Reiten kann bei Pferden Rückenprobleme verursachen.[13][14] Deshalb zählt sowohl beim Springreiten (Bascule) als auch bei der Dressurreiterei die frei schwingende Wirbelsäule (Losgelassenheit) zu den Ausbildungszielen.

Weitere Reittiere

Dromedar als Reittier

Als Reittiere sind neben verschiedenen Hauspferde auch andere Equiden wie Esel, Maultiere oder Maulesel im Einsatz.[15]

Ebenfalls geritten werden Elefanten und Altweltkamele (Dromedare, Trampeltiere). Weniger häufig werden auch andere Tierarten als Reittiere verwendet, beispielsweise Rinder, Wasserbüffel[16] und Yaks.[17][18]

Im Science-Fiction und Fantasy-Genre gibt es auch fiktive Reittiere wie Drachen oder den Hippogreif.

Siehe auch

Literatur

Commons: Reiten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: reiten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. P. Librado, N. Khan, A. Fages (2021): The origins and spread of domestic horses from the Western Eurasian steppes. Nature 598, 634–640.
  2. Vera Warmuth u. a.: Reconstructing the origin and spread of horse domestication in the Eurasian steppe. In: PNAS. Online-Vorabveröffentlichung vom 7. Mai 2012, doi:10.1073/pnas.1111122109
  3. Alan K. Outram, N. A. Stear, R. Bendrey, S. Olsen, A. Kasparov, V. Zaibert, N. Thorpe, R. Evershed: The Earliest Horse Harnessing and Milking. In: Science. Band 323, 2009, S. 1332–1335.
  4. Hélène Martin, Dominique Armand: Das Pferd: Domestikation. In: Steppenkrieger. Reiternomaden des 7.–14. Jahrhunderts aus der Mongolei. Primus Verlag, LVR-Landesmuseum Bonn, 2012, S. 88 f. Auszug:"Die Fundorte, die als Wiege der Pferdehaltung vorgeschlagen wurden, liegen in Gegenden wie Ukraine und Kasachstan und sind zwischen 5000 und 6000 Jahre alt. Als Beispiel sei etwa die Siedlung Botai in Kasachstan genannt, die auf etwa 3700–3100 v. Chr. datiert wird und in der die ältesten Belege für die Domestikation des Pferdes gefunden wurden."
  5. Прорыв в прошлое
  6. Reitkultur: Menschen ritten erstmals vor 5000 Jahren auf Pferden. Abgerufen am 3. März 2023.
  7. Kurt Sethe: Neue Spuren der Hyksos in Inschriften der 18. Dynastie. In: Georg Steindorff (Hrsg.): Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde. Siebenundvierzigster Band. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1910, S. 73–86 (Digitalisat [abgerufen am 12. April 2016]).
  8. Rainer Pöppinghege: Tiere im Ersten Weltkrieg. Eine Kulturgeschichte. Rotbuch Verlag, Berlin 2014, ISBN 3-86789-200-8, S. 31.
  9. Isabel Stettin: Wie Front-Hund Stubby zum Helden wurde. Tiere im Ersten Weltkrieg. In: Süddeutsche Zeitung Online. Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH/Süddeutsche Zeitung GmbH, 20. April 2014, abgerufen am 9. Mai 2020.
  10. Sie waren die wichtigsten Helfer der Wehrmacht. Pferde im Krieg. In: welt.de. 24. November 2016, abgerufen am 26. November 2016: „Das hatte technische, taktische und ökonomische Gründe. Zum einen waren Infanteriedivisionen, die nach wie vor das Rückgrat der deutschen Armee bildeten, mittlerweile mit zahlreichen schweren Waffen und anderem technischen Gerät ausgestattet. Beides musste transportiert werden. Der schnelle Bewegungskrieg, den die Wehrmacht führte, setzte zudem auch bei den Fußtruppen ein Maß an Mobilität voraus, wie sie im Ersten Weltkrieg – zumal im Stellungskrieg im Westen – selten verlangt worden war. Und die industriellen Möglichkeiten des Dritten Reiches, Kraftfahrzeuge, Betriebsstoff und Bereifung in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen, waren sehr begrenzt.“
  11. Reitvereine und Pferdebetriebe, Deutsche Reiterliche Vereinigung
  12. Wichtig sind hierbei vor allem eine artgerechte Haltung und die Vermeidung von Überforderungen beim Sport (Memento vom 14. Mai 2011 im Internet Archive)
  13. 10 Tipps für einen kräftigen Pferderücken, Lina Otto, PM-Forum Digital, Deutsche Reiterliche Vereinigung, Oktober 2020
  14. 10 Power-Übungen für einen starken Pferderücken, Britta Schöffmann, Pferderevue, 1. Februar 2018
  15. Valerii Glazko: An attempt at understanding the genetic basis of domestication. In: Animal Science Papers and Reports. 21 (2), 2003, S. 109–120
  16. Marajo – die Insel der Büffel. Carsten Upadek, WDR, 22. Dezember 2016.
  17. Yakhaltung: Merkblatt artgerechte Haltung, auf www.yaks.ch
  18. Kühe reiten, agrarheute.com, abgerufen am 2. Februar 2023

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Cavalcade. Block II from the west frieze of the Parthenon, ca. 447–433 BC.
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Andalusier im Kanter mit Reiterin
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Dame Guoguo partant faire une promenade à cheval, copie du XIIe siècle (?) par le peintre chinois Li Longmian d'après Zhang Xuan, peintre chinois du VIIIe siècle. Section d'un rouleau horizontal – Encre et couleurs sur soie – Hauteur : 33,5 cm. Collections du Musée du Palais – Taichung (Formose).
012092021 3rd century BCE Saru Maru Panguraria Buddhist site, Madhya Pradesh 424.jpg
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Saru Maru Buddhist monastic complex – often referred to as the Panguraria or Pangudariyam archaeological site in scholarly literature – is an Ashoka-related 3rd-century BCE site about 25 kilometers west of Narmadapuram in Madhya Pradesh. It is notable for Brahmi inscriptions about Ashoka's life as a prince, and later one of his minor Dharma edicts as the Mauryan emperor. The Saru Maru site offers rare insights into his pre-Buddhist life and the ancient Hindu culture (c. 3rd-century BCE), as well as one of the roots of Sinhalese Buddhism as both Mahinda and Sanghamitta were born to prince Ashoka and Devi when they lived in this region. The site is also important in archaeological study of Buddhism as it has thirty three stupas spread over nearby hills. It was a significant Buddhist monastic site from Ashoka's time till about the 13th-century CE.

Panguraria (Saru Maru, Saro Maro) is located on the southern side of the Vindhya mountains, midst forests and scenic valleys, north of the Narmada river. The site was discovered accidentally in the 1970s by Indian archaeologists. The Panguraria inscriptions survive in a damaged form, were edited and published in 1976. The most interesting inscription is inside a rock shelter, in Brahmi script, and it says that Ashoka "now called Piyadasi, once came to this place for a pleasure tour as prince with his consort" (Devi, his future wife, mother of his two children). Other evidence confirms that Devi was the daughter of a Ujjain merchant and banker, so she and prince Ashoka (pre-Buddhist) came to vacation here together from Ujjain, years before their marriage (for other details, see Harry Falk (1997), The Preamble at Panguraria, Indica et Tibetica, pp. 107–121).

The minor Rock edict No 1 inscription is near the prince Ashoka inscription, but more formal and elegantly completed. Both are in the early Brahmi script. The minor edict is damaged too. It is important and interesting because it is the fifteenth version of the same edict found in pre-2nd century BCE Greater India. It has several important language and content differences from 14 versions discovered before the 1970s, so the Saru Maru inscription is helpful in understanding the development of languages and the written script in Ancient India.
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