Obed Starbuck

Obed Starbuck (* 5. Mai 1797 in Nantucket, Nantucket County, Massachusetts, USA; † 27. Juni 1882 ebd.) war ein US-amerikanischer Walfänger, Kapitän und Entdecker. Er gilt als Entdecker der Insel Starbuck und der Bakerinsel im Pazifik.

Jugend und erste Seereise

Obed Starbuck entstammte einer alteingesessenen Familie von Seefahrern der Insel Nantucket und fuhr von früher Jugend an zur See. Im Alter von 18 Jahren diente er als Maat auf der Bark Hero unter Kapitän George Pollard auf einer Walfang-Expedition in den Pazifik. Im Jahr 1819 kaperte Vincente Benavides (auch Benavedes), chilenischer Deserteur, selbst ernannter General und Pirat an der Westküste Südamerikas, die vor der Isla Santa María (Chile) ankernde Hero. Obed Starbuck wurde in seiner Kabine und die Besatzung unter Deck eingesperrt. Als sich eine Brigg näherte, von der Benavides vermutete, sie sei ein Kriegsschiff, löste der Pirat den Anker der Hero in der Annahme, sie triebe auf die Klippen. Mit dem Kapitän als Geisel ruderte er im Beiboot auf die Insel. Starbuck gelang es, die Matrosen zu befreien, eine Havarie des Schiffes zu verhindern und es unbeschädigt nach Valparaíso in Sicherheit zu bringen. Als Belohnung erhielt Starbuck anstelle des von Benavides ermordeten Kapitäns Pollard das Kommando über die Hero.[1]

Erstes Kommando

Seine erste Reise als Kapitän der Hero führte Starbuck von 1822 bis 1824 wieder in den Pazifik. Am 5. September 1823 entdeckte er auf der Position 5° 32‘ Süd und 155° 55‘ West eine einsame Insel, 18 km lang, 4 km breit und nur 2,5 bis 3 m hoch. Die ermittelte Position liegt nahe der Insel Starbuck und dürfte mit ihr identisch sein. Starbuck taufte sie „Hero“, nach seinem Schiff. Doch erhielt sie ihren heutigen Namen nicht nach Obed Starbuck, sondern nach seinem Cousin Valentine Starbuck, Kapitän des britischen Walfängers L'Aigle, der sie drei Monate später besuchte und sie „Volunteer Island“ nannte.[2][3]:205

Jeremiah N. Reynolds (1799 – 1858) berichtete in seiner Vorlage von 1828 an das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten von der Sichtung einer Insel: „Island, 5 deg. 1 min. south latitude. Seen by O. Starbuck, northwest from Marquesas“ (Insel, 5 Grad 1 Minute südlicher Breite. Gesehen von O. Starbuck, nordwestlich der Marquesas).[4] In dem genannten Seegebiet gibt es keine Insel, Reynolds könnte sie jedoch mit der Insel Starbuck verwechselt haben, die auf 5° 38′ 28″ S und 155° 52′ 44″ W liegt, allerdings mehr als 1800 km von den Marquesas entfernt.

Weitere Reisen

Vom Dezember 1824 bis Oktober 1826 unternahm Obed Starbuck als Kapitän der Loper eine weitere Walfang-Reise in den Pazifik. Bei dieser Fahrt machte er eine Neuentdeckung in der Phönix-Gruppe, die unbewohnte Bakerinsel, die er „New Nantucket Island“ nannte.[5][6]:237[3]:211[7] Zwei Inseln in der Phönix-Gruppe, Sydney’s Island (Manra) und Birney’s Island (Birnie), waren nur Wiederentdeckungen.[3]:211 Sie waren bereits ein Jahr zuvor von Kapitän T. Emmett (oder Emment, Emmert) des britischen Walfangschiffes Sydney Packet (Eigner: Alexander Birnie) gesichtet worden.[8] Auf dieser Reiser ergänzte und vervollständigte Starbuck auch die von George Barrett, Kapitän des Walfangschiffes Independence II aus Nantucket, begonnene Kartierung des Tuvalu Archipels.[9]

Später auf dieser Reise kam Starbuck auf zwei weiteren Inseln vorbei, die er „Loper’s Island“ und „Tracy’s Island“ taufte und fälschlich für Neuentdeckungen hielt. Es waren Niutao und Vaitupu.[10]

Vom Juni 1829 bis September 1830 führte ihn eine weitere Fahrt mit der Loper in den Pazifischen Ozean. Die nächste Reise mit der Rose 1831 fand ein tragisches Ende, das Schiff lief auf Grund. Seine letzte Reise führte ihn von Oktober 1843 bis November 1846 wieder in den Pazifik.[6]:238

Familie

Obed Starbuck hatte mit seiner ersten Frau Eunice Paddack fünf Kinder. Nach ihrem Tod heiratete er 1873 erneut. Sein ältester Sohn Frederick (* 28. Januar 1820; † 12. Juni 1858) fuhr auf der Bark Robert Pennell ebenfalls zur See. Obed Starbuck starb am 27. Juni 1882 im Alter von 87 Jahren und ist auf dem Prospect Hill Cemetery auf Nantucket neben seiner ersten Frau Eunice begraben.[11] Das Grab ist noch erhalten.

Einzelnachweise

  1. Edouard A. Stackpole: The Whalemen. Kindle E-Book, 2016
  2. George Anson Byron: Voyage of H. M. S. Blonde to the Sandwich Islands, in the Years 1824-1825. John Murray, London 1826, S. 204
  3. a b c Andrew Sharp: The Discovery of the Pacific Islands. Greenwood Press, Westport (CT) 1985
  4. J. N. Reynolds: Information Collected by the Navy Department Relating to Islands, Reefs, Shoals, etc., in the Pacific Ocean and South Seas, and Showing the Expediency of an Exploring Expedition in that Ocean and Those Seas by the Navy. The House of Representatives January 29, 1835, S. 693
  5. Nantucket Inquirer, 25. November 1826, Seite 3
  6. a b John Dunmore: Who´s Who in Pacific Navigation. University of Hawaii Press, Honolulu 1991
  7. Henry Evans Maude: Of Islands and Men: Studies in Pacific History. Oxford University Press 1968, Seite 130
  8. Kenneth J. Panton: Historical Dictionary of the British Empire. Rowman & Littlefield, London 2015, ISBN 978-0-8108-7801-3, S. 72 und 514
  9. Max Quanchi, John Robson: Historical Dictionary of the Discovery and Exploration of the Pacific Islands. Scarecrow Press, Lanham (MD) 2005, ISBN 0-8108-5395-7, S. 163
  10. Edouard A. Stackpole: The Sea-Hunters: the Great Age of Whaling. Lippincott, Philadelphia-New York 1953, S. 375
  11. Historical Information About Persons Interred At Prospect Hill Cemetery. Abgerufen am 17. November 2022.