Mumm von Schwarzenstein

Wappen des Briefadelsgeschlechts Mumm von Schwarzenstein (1873)
Burg Schwarzenstein (Geisenheim) oberhalb des Weinbergs Schwarzenstein

Mumm von Schwarzenstein (ursprünglich Momm, Mom oder Mum ohne Adelsprädikat) ist der Name eines 1873 nobilitierten Kaufmanns- und Bankiersgeschlechts.

Die Familie ist zu unterscheiden von den nichtstammverwandten westfälischen Baersdonk genannt Mumm und dem niederländisch-niederrheinischen Uradelsgeschlecht Mumm zu Schwarzenstein, auch wenn die einschlägige Literatur diese oftmals fälschlicherweise als eine Gesamtfamilie darstellt.[1]

Geschichte

Die frühesten Nachrichten zur Familie stammen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Ein Johann Mum zu Crauhausen im Kirchspiel Wald ließ 1639 einen Sohn Wilhelm und 1642 einen Sohn Henrich taufen. 1641 war ein Johann Momm Ratmann der Bruderschaft der Solinger Schwertschmiede. Ein Christopffel Momm wohnte 1639–1643 aufm Eigen im Kirchspiel Wald. Sein Sohn Heinrich wurde 1643 getauft. Die sichere Stammfolge beginnt mit Heinrich Mom in der Kulff im Kirchspiel Wald:[2]

  • Heinrich Mom in der Kulff, Kirchspiel Solingen-Wald ⚭ N. N.
    • Johann Momm (* 1670)
    • Gertrud Momm (* 1671)
    • Peter Momm (* 1672?; † 1757), Bürgermeister zu Solingen ⚭ I. 1695 Maria Catharina Otto, Tochter des Bürgers Luis Otto zu Solingen; ⚭ II. Sibilla Mathilde Keller (1678–1755), Tochter des Pfarrer Keller in Wald
      • aus I.: Johann Peter Mum († 1775), Klingenkaufmann auf der Höhscheider Hof, ⚭ Catharina Christina Schaaf aus der Kulff († 1778, 73 Jahre alt)
        • Peter Arnold Mum (1733–1797), Weinhändler zu Köln und Frankfurt, ⚭ Elisabeth Amalia Ziegler (1750–1828) aus Frankfurt
          • Nachkommen siehe unten
        • Anna Maria Elisabeth Mum (1734–1773) ⚭ Peter Weyersberg († 1782), Kingenkaufmann zu Pilghausen
        • Helena Catharina Veronika Mum (1742–1782) ⚭ 1773 Clemens Hermann Weyersberg († 1777), Klingenkaufmann auf der Heide
        • Johann Wilhelmina Mum (1745–1820) ⚭ 1776 Johann Wilhelm Weyersberg († 1793), auf der Heide
      • aus II.: weitere Nachkommen, u. a. den ermordeten Solinger Bürgermeistersohn Wilhelm Momm († 1751)
    • Ergen Momm (* 1673)
    • Heinrich Momm (* 1675)

Johann Peter Mumm war Klingenkaufmann in Höhscheid und verheiratet mit Catharina Christina Schaaf. Seine Geschwister waren Samuel und Elias sowie fünf Schwestern, von denen sich drei mit Kaufhändlern aus der Solinger Familie Weyersberg verheirateten. 1761 besaß sein Sohn Peter Arnold Mumm (1733–1797) in Köln eine Firma, die Weinhandel und Geldgeschäfte betrieb. 1772 heiratete er in Frankfurt am Main Elisabeth Amalie Ziegler (1748–1828) und wurde damit Bürger der Reichsstadt. Sein Unternehmen konnte auch in Frankfurt Fuß fassen.

Peter Arnolds ältester Sohn hieß Peter Mumm, der aber nicht weiter in Erscheinung tritt.

Peter Arnolds nächstälterer Sohn Wilhelm Mumm (1774–1832) heiratete 1797 in Barmen Marie Schlösser (1779–1858) aus Elberfeld und gründete 1805 das Bankhaus Wilhelm Mumm & Co. Sein Sohn Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein (1818–1890) war 1868–1880 erster Oberbürgermeister des preußischen Frankfurt. Am 31. März 1873 erlangte dieser die Nobilitierung der Familie unter dem Namen „Mumm von Schwarzenstein“.[3] Da man fälschlicherweise eine Verwandtschaft mit den uradeligen Mumm zu Schwarzenstein annahm, ist in der preußischen Nobilitierung von einer „Adelserneuerung“ die Rede. Daniel Heinrichs Sohn Alfred Mumm von Schwarzenstein (1874–1935), verheiratet mit Martha geb. Delius (1875–1938), war ebenfalls Bankier. Herbert Mumm von Schwarzenstein (1898–1945), Diplomat und Widerstandskämpfer, und Bernd Mumm von Schwarzenstein (1901–1981), Diplomat, waren seine Söhne. Daniel Heinrichs Großneffe war Herbert Mumm von Schwarzenstein (1898–1945), ein Enkel von Georg Mumm von Schwarzenstein (1903–1983), dessen Ehefrau Christa-Mette Mumm von Schwarzenstein (1917–2011) eine langjährige Frankfurter Stadtverordnete war.

Ein weiterer Sohn Peter Arnolds, Jacob Wilhelm Mumm (1779–1836), wurde Weingroßhändler in Köln. Dieser hatte zwei Söhne: Gustav Engelbert Mumm (1808–1826) und Jules, Julius Engelbert Mumm (1809–1863) Letzterer heiratete im Juli 1834 in Eupen Bertha Elisabeth Sternickel (1813–1844), mit der er zwei Kinder hatte, und später Elizabeth Henry (1831–1917), mit der er einen Sohn hatte. Jules stieg in das Unternehmen seines Onkels Gottlieb ein und führte nach dessen Tod Im Jahr 1852 mit B. Schubarth den Unternehmensteil Jules Mumm & Co. weiter.

Peter Arnolds vierter Sohn, Gottlieb Mumm (1781–1852), erweiterte den familiären Weinhandel mit der Gründung des Champagnerhauses P. A. Mumm & Co. (P. A. nach Peter Arnold) erheblich (siehe auch G. H. von Mumm’sches Weingut und Mumm Sekt). Sein Sohn, der Kaufmann und Königlich Dänische Generalkonsul Jacob Georg Hermann Mumm (1816–1888), und dessen Ehefrau Eugenie Sophie (1822–1888) führten den Weinhandel erfolgreich weiter. Danach wurde das Familienunternehmen wurde von Peter Arnold Gottlieb Hermann Mumm von Schwarzenstein (1842–1904), dem Erbauer der Villa Mumm, fortgeführt. Dessen jüngerer Bruder Alfons Mumm von Schwarzenstein (1859–1924) war Diplomat des Deutschen Reiches, u. a. deutscher Gesandter in China. Alfons Mumm von Schwarzenstein wurde 1903 in den persönlichen Freiherrenstand erhoben.[4]

Peter Arnolds jüngster Sohn, Philipp Friedrich Mumm (1782–1819), verheiratet mit einer Heydweiler aus Krefeld, hatte einen Sohn und zwei Töchter: Frédéric Eduard Mumm (1809–1859); Marie Emeline Mumm (* 1811), heiratete den evangelischen Pfarrer in Köln Carl Küpper (1805–1849); Henriette Maria Jacobina Louise MUmm (* 1819).

Persönlichkeiten

Von der 1873er Nobilitierung nicht betroffene Familienmitglieder:

  • Peter Arnold Mumm (Pierre-Arnaud Mumm; 1733–1797), Unternehmer/Weinhändler
  • Wilhelm Momm (1865–1935), deutscher Verwaltungsjurist; Regierungspräsident in Trier, Wiesbaden und Potsdam
  • Harald Momm (1899–1979), deutscher Springreiter und Oberst der deutschen Wehrmacht

Von der 1873er Nobilitierung betroffene Familienmitglieder:

Wappen

Die Mumm von Schwarzenstein erhielten im Zuge ihrer Nobilitierung 1873 das Wappen des Uradelsgeschlechts Mumm verliehen, offenbar weil man eine Verwandtschaft mit dem Mummenscheider Zweig des Uradelsgeschlechts Mumm annahm. Lediglich die Helmzier wurde leicht verändert.

Blasonierung: In Rot ein blau-silbern zu drei Reihen geschachter Balken. Auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen und links blau-silbernen Helmdecken ein nackter Mohrenrumpf mit flatternder Kopfbinde.

Die Helmzier des Uradelsgeschlechts Mumm zeigt einen weißbekleidenden Mohrenrumpf, der Eselsohren aufweist.[5] Die damit verwandten uradeligen Mumm im Baltikum führten auf dem Helm einen rotgekleideten bärtigen Mannsrumpf mit grün Weinlaub bekränzt. Die Decken sind auf beiden Seiten rot-silbern.[6]

Sonstiges

Nach der Familie wurden indirekt die Mumm-Inseln, eine Gruppe aus mehreren kleinen Inseln vor der Graham-Küste des Grahamlands auf der Antarktischen Halbinsel, benannt. Tatsächlich wurden sie nach dem von der Familie gegründeten Champagnerproduzenten G. H. Mumm (1827–1907) benannt, von dem der Leiter der Vierten Französischen Antarktisexpedition (1903–1905), Jean-Baptiste Charcot Champagner der Marke „Courdon Rouge“ bei dieser Forschungsreise mitgeführt hatte.

Nach dem Solinger Schwertschmiede-Geschlecht wurde die Mummstraße in Alt-Solingen benannt.[7]

Literatur

  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1902. Dritter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1901, S. 637–639.
  • Weyersberg: Der Solinger Bürgermeister Peter Mumm und seine Familie. In: Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins. Jahrgang 1909/1918.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. Justus Perthes: Ausgaben 1923; 1927.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G.Teil B (Briefadel). 1942. Vierunddreißigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 355–359.
  • A. Freiherr von Houwald: Brandenburg-Preußische Standeserhebungen und Gnadenakte für die Zeit 1873-1918. C. A. Starke-Verlag, Görlitz 1939, S. 2 und 135.
  • Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1958. Band III, Band 17 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Glücksburg (Ostsee) 1958, ISSN 0435-2408, S. 343–351.
  • Herbert M. Schleicher: Ernst von Oidtman und sein genealogisch-heraldische Sammlung des Ernst von Oidtman in der Universitäts-Bibliothek zu Köln, Band 11 (Mappe 832–915, Mockel–Palmer), Köln 1996, S. 162–164.

Einzelnachweise

  1. Siehe hierzu ausführlich: Die Solinger Familien Mumm. auf Zeitspurensuche.de, Stand 29. April 2025.
  2. Siehe Literatur: Herbert M. Schleicher (Köln 1996), S. 162 ff.
  3. Preußische Adelserneuerung, siehe: Mumm von Schwarzenstein, Hermann Jakob Georg. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. A. Freiherr von Houwald: Brandenburg-Preußische Standeserhebungen und Gnadenakte für die Zeit 1873-1918. C. A. Starke-Verlag, Görlitz 1939, S. 135.
  5. Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, C. A. starke-Verlag, Görlitz 1901–1903, S. 91 f.); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 226.
  6. Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 11. Abt., T. 2: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen, Teil 2: Der Nichtimmatrikulierte Adel, Bauer & Raspe E. Küster, Nürnberg 1901, S. 129 (S. 129. und Tfl. 87.
  7. Rheinischen Landeszeitung (ECES), 31. Dezember 1944.

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Porträt Alfons Mumm von Schwarzenstein

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de:Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein (1818-1890), Mayor of Frankfurt am Main, Germany, from 1868 to 1880