Minirock

Hotpants, Minirock und Minikleid (USA 1973)

Der Minirock ist ein als kurzer Rock geschneidertes Bekleidungsstück, dessen unterer Saum mehr oder weniger weit oberhalb des Knies der Trägerin oder des Trägers endet.

Historie

Überblick

In seiner Grundform war er zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Kulturen als praktische Bekleidung in Form einer um die Hüfte gebundenen Verhüllung der primären Geschlechtsmerkmale zur ungehindert beinfreien Bewegung nicht unbekannt (siehe beispielsweise Lendenschurz oder Skort in der Sportbekleidung). In der Antike waren Miniröcke auch als Männerröcke weit verbreitet, zum Beispiel in Ägypten und Griechenland. Heute noch gehören rote Miniröcke zur traditionellen Stammestracht der Massai-Männer.

Der als solcher benannte Minirock wurde Anfang der 1960er Jahre in England von der Modedesignerin Mary Quant für die Damenmode neu kreiert. Zunächst in der Öffentlichkeit aufgrund einer erotisch interpretierten Signalwirkung skandalisiert, war er eines von mehreren prägenden Beispielen für die Popkultur und die Kleidermode der weiblichen Jugend der als „Westliche Welt“ bezeichneten Kulturen während der 1960er- und 1970er-Jahre. In der Gegenwart ist der Minirock – auch erweitert als Mini-Kleid – in unterschiedlichen Stil-Variationen in der Alltagsbekleidung von säkular ausgerichteten Industriegesellschaften weitgehend etabliert und wird hauptsächlich in den warmen Jahreszeiten getragen.

Der erste Minirock

Der Minirock wurde durch den großen Erfolg der deutschen Operette Der Zarewitsch von Lehár im Jahre 1932 in die Bühnenwelt eingeführt. Getragen wurde der Minirock mit wadenhohen und hochhackigen Lederstiefeln von Nora Weindl. Im 1934 erschienenen Buch Bunte Bilder – Deutsche Bühne wurden entsprechende Bühnenfotos veröffentlicht.

In der Folgezeit wurden Miniröcke vor allem von Tänzerinnen in verschiedenen Filmen getragen. So sind in Frauen für Golden Hill (1938) während einer Gesangseinlage von Kirsten Heiberg mehrere Revuetänzerinnen in äußerst kurzen, futuristisch anmutenden Miniröcken zu sehen, die in der Mitte mit einem ebenfalls sehr knappen Oberteil verbunden sind.[1] Auch in den 1940er-Jahren waren Miniröcke häufig in Revuefilmen und Musicals zu sehen. In Du warst nie berückender etwa präsentierte man Rita Hayworth in der Tanznummer „Shorty George“, die sie gemeinsam mit Fred Astaire absolvierte, in einem Faltenminirock mit zugehöriger Bluse, die über dem Bauchnabel zusammengeknotet war.[2] In den 1930er- und 1940er-Jahren gehörte der Minirock vor allem in den USA zum festen Bestandteil des Outfits von sogenannten Cigarette girls, die ihre Waren in Clubs und Bars feilboten. Solche Cigarette girls treten auch in Ninotschka (1939) auf, wo sie kurze schwarze Minikleider mit Puffärmeln tragen, deren Saum weit oberhalb des Knies endet.[3] Im Alltag wurden solche Miniröcke oder -kleider damals nicht getragen.

1960er-Jahre

Der Minirock wurde wesentlich später von der britischen Modeschöpferin Mary Quant in die Modewelt wiedereingeführt.[4] Erstmals wurde der aus Deutschland der frühen 1930er-Jahre stammende und durch Mary Quant wiederentdeckte Minirock 1962 in der britischen Vogue abgebildet. Schon drei Jahre später war das zunächst als skandalös empfundene Kleidungsstück zum weltweiten Verkaufsschlager avanciert. Der französische Modedesigner André Courrèges war für die Wiederentstehung des Minirocks mitverantwortlich, indem er ihn in der Pariser Modewelt etablierte.

Mary Quant wurde für ihren Mut und ihre sinnlichen, jungen Kreationen 1966 mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet. Zur Verleihung im Buckingham Palace erschien sie im Minirock. Etwa im Sommer 1968 erreichte der Minirock seine maximale Popularität und 1969 (als „Mini-Mini“ oder „Mikrorock“)[5] die höchstmögliche Saumhöhe, wobei das Höschen zum öffentlich sichtbaren Bestandteil der Mode avancierte.

Wahrnehmung

Der Minirock wurde teils als Provokation oder als Ausdruck einer allgemeinen Respektlosigkeit wahrgenommen, teils aber auch als Zeichen eines neuen Selbstverständnisses und -bewusstseins der sich von überkommenen Zwängen befreit fühlenden Frauen verstanden. Die neue Länge konnte sich in allen Gesellschaftsschichten durchsetzen. Selbst das britische Königshaus gab dem Trend nach und akzeptierte eine Länge von exakt sieben Zentimetern oberhalb des Knies. Miniröcke gab es bald in allen Materialien, von edel bis billig, und sie wurden bei jeder sich bietenden Gelegenheit getragen. Selbst im Winter wurden Miniröcke angezogen. Die Strumpfindustrie zog bald nach und brachte statt Nylonstrümpfen Strumpfhosen auf den Markt, die große Aufmerksamkeit auf die Beine lenkten. Und auch steuerlich gab es einen Vorteil, denn der Minirock wurde zunächst aufgrund der eher kleinen Größe als Kinderkleidungsstück eingestuft. Auch Kleider wurden gemäß der Minirocklänge zu Minikleidern.

Modische Konsequenz

Nur kurze Zeit später brachte die Modeindustrie den bodenlangen Maxirock als Kontrastprogramm auf den Markt. Die nächste Steigerung im Jahr 1971 konnten deshalb nur die Hot Pants („Heiße Höschen“) bringen, die aber in den folgenden Jahren ebenso wie der Mini- und Maxirock durch die Zunahme langer Frauenhosen an Bedeutung verloren.

Literatur

  • Bianca Lang, Tina Schraml, Lena Elster: Der Minirock. Die Revolution – Die Macher – Die Ikonen. Edel-Edition, Hamburg 2009, ISBN 978-3-941378-05-6.

Weblinks

Commons: Minirock – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Mikrorock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Minirock – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Mini – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=XxwTGQFVxME
  2. Hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=WUhhKELUxB0
  3. Foto unter: https://iamyouasheisme.files.wordpress.com/2010/08/want-cigarettes.png
  4. Andrea Reiff, Nadine Soeffing: Minirock – Die Enthüllung des Frauenbeins. In: parapluie. Abgerufen am 16. Januar 2020.
  5. Ganz entspannt. In: Der Spiegel 33/1969, abgerufen auf Spiegel Online am 20. Januar 2011.

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