Maigret und sein größter Fall

Film
Deutscher TitelMaigret und sein größter Fall
OriginaltitelMaigret und sein größter Fall / Il caso difficile del commissario Maigret / Maigret fait mouche
Maigret und sein größter Fall Logo 001.svg
ProduktionslandÖsterreich, Italien, Frankreich, Bundesrepublik Deutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1966
LängeÖsterreich 88, Bundesrepublik Deutschland 85 Minuten
AltersfreigabeFSK ab 6
Stab
RegieAlfred Weidenmann
DrehbuchHerbert Reinecker
ProduktionIntercontinental Filmproduktion (Karl Spiehs),
Terra Film,
Carmina Films,
Constantin Film
MusikErwin Halletz
KameraHeinz Hölscher
SchnittGretl Girinec
Besetzung

Maigret und sein größter Fall ist ein Kriminalfilm, der 1966 unter der Regie von Alfred Weidenmann in Österreich und in der Schweiz gedreht wurde. Die Titelrolle des Kriminalkommissar Maigret spielte Heinz Rühmann. Der Farbfilm basiert frei auf der Vorlage Maigret und der Spion von Georges Simenon.

Handlung

Beim Diebstahl eines Gemäldes von Vincent van Gogh in einem Pariser Museum kommt ein Wachmann des Museums zu Tode. Als Kommissar Maigret die Ermittlung übernimmt, wird ein Kunstsammler namens Holoway vorstellig, dem das Gemälde angeblich angeboten wurde. Nun fürchtet er um sein Leben und bittet um Polizeischutz, den Maigret gerne gewährt, um den Kunstsammler, dem er misstraut, gleichzeitig unauffällig zu beschatten.

Maigret folgt Holoway mit dem Versicherungsdetektiv Francois Labas nach Lausanne, wo der Kunstsammler nach einem Besuch in der Bar namens Moulin Bleu dort scheinbar ermordet wird. Maigret findet die tatsächliche Leiche später selbst in einem Hotelzimmer. Zur Verwirrung legt er Holoways Leiche unbemerkt in einer Korbkiste im Park ab. Dadurch kommt er zuerst zwei jungen Burschen auf die Spur, die in Geldnöten stecken, weil sie einer Animierdame imponieren wollen und deshalb in jener Nacht in die Bar eingebrochen waren. In der Folge ermittelt Maigret unter den Angestellten und der Betreiberfamilie der Bar, den italienischstämmigen Genaros. In deren Wohnung findet er auch das gestohlene Gemälde, nachdem Adriano Genaro den Auftragsdiebstahl für Holoway gestanden hatte. Am Ende entlarvt Maigret mit Hilfe eines heroinsüchtigen Barmusikers auch den Mörder des Kunstsammlers, indem er alle Verdächtigen in einem Schwimmbad versammelt. Es ist der Sohn des Millionärs Delfosse, der beim Durchsuchen von Haloways Hotelzimmer von diesem, den er schon tot geglaubt hatte, überrascht worden war.

Entstehungsgeschichte

Besetzung

Für die Rolle des Kommissar Maigret war ursprünglich der britische Schauspieler Rupert Davies vorgesehen. Davies hatte den Kommissar zuvor in der Fernsehserie Kommissar Maigret mit insgesamt 52 Folgen für die BBC verkörpert. Er sagte seine Mitwirkung jedoch ab, als er erfuhr, dass nicht wie vorgesehen Krimi-Spezialist Jürgen Roland, sondern Alfred Weidenmann die Regie übernehmen sollte. Zudem behagten ihm die Bearbeitungen des Drehbuchs nicht, die die Vorlage Maigret und der Spion von Georges Simenon stark veränderten, so dass am Ende gar kein Spion mehr auftrat. Stattdessen wurde an der Seite des Kommissars eine komische Rolle für Eddi Arent eingebaut, der aber in der deutschen Sychronisation von Christian Wolff gesprochen wird.[1] Zwischen der Produktionsfirma und Davies kam es zum Streit über die geschlossenen Verträge. Am Ende präsentierte der Filmproduzent Karl Spiehs Heinz Rühmann als neuen Maigret.[2] Spiehs hatte mit Rühmann bereits in Das Liebeskarussell zusammengearbeitet und konnte ihn innerhalb eines Tages überreden, die Rolle zu übernehmen.[3]

Rühmanns Verkörperung der Figur Maigret ist umstritten. Simenon selbst befand, „dass er ein ausgezeichneter Schauspieler ist.“[4] Oliver Hahn beschrieb die Besetzung dagegen als einen „Betriebsunfall in der Filmgeschichte“.[5] Laut Spiegel war aus dem großen und korpulenten Maigret der Vorlage ein „Maigretchen“ geworden.[6] Nach Knut Hickethier ließen sich die festgefügten Vorstellungen des Publikums vom Schauspieler Rühmann und der Verkörperung des Kommissar Maigret durch Rupert Davies nicht in Einklang bringen. Rühmann sei es nicht gelungen, seine Interpretation gegen Davies’ Vorlage durchzusetzen.[7]

Produktion

Die Außenaufnahmen drehte man in Lausanne, wo der Film über weite Strecken spielt. Zu sehen sind unter anderem die dortigen Altstadt, das Seebad sowie die Hafenanlage in Ouchy und die Zahnradbahn Lausanne–Ouchy. Die Atelieraufnahmen entstanden in den Studios der Wien-Film in Wien-Sievering. Die Filmbauten stammten von Herta Hareiter, die Kostüme von Lambert Hofer. Produktionsleiter war Heinz Pollak.

Veröffentlichung

Die Kinopremiere war in der Bundesrepublik Deutschland am 24. November 1966 und in der DDR am 25. August 1967. Die Fernsehpremieren folgten jeweils fünf Jahre später am 15. April 1971 in der ARD und am 12. August 1972 beim Deutschen Fernsehfunk.

Kritiken

Der Spiegel beschrieb: „Der Trenchcoat ist gebügelt, der Sakko sitzt proper. Maigret […] ist deutsch geworden.“ Regisseur Weidenmann verändere den Realismus der Vorlage „ins Pittoreske und Mondäne. Der große Fall ist eher klein.“[6]

Das Lexikon des internationalen Films urteilte: „Betuliche Verfilmung eines Romans von Georges Simenon. Freunde des Schauspielers [Heinz Rühmann] werden trotz der mäßigen Spannung annehmbar unterhalten.“[8]

Der Evangelische Film-Beobachter zog folgendes Fazit: „Gutgemachter Krimi [...], in dem Heinz Rühmann als Kommissar Maigret seinen vielen Vorgängern Konkurrenz zu machen sucht. Ein wenig mehr Aktion und Atmosphäre hätte nicht geschadet. Für Freunde des Denksports mit kriminellem Einschlag durchaus sehenswert.“[9]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. https://www.synchronkartei.de/film/13840
  2. Nur noch Geld. In: Der Spiegel. Nr. 33, 1966, S. 79 (online).
  3. Roman Schliesser: Die Supernase. Karl Spiehs und seine Filme, Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2006, S. 85
  4. „Heinz Rühmann löst meinen größten Fall“. In Das Neue Blatt vom 10. April 1971.(Nachdruck auf maigret.de).
  5. Oliver Hahn: Film-Krach um Kommissar Maigret. In: Georges-Simenon-Gesellschaft (Hrsg.): Simenon-Jahrbuch 2004. Wehrhahn, Laatzen 2005, ISBN 3-86525-102-1, S. 99.
  6. a b Narr an der Bar. In: Der Spiegel. Nr. 50, 1966, S. 157 (online).
  7. Knut Hickethier: Die umkämpfte Normalität. Kriminalkommissare aus deutschen Fernsehserien und ihre Darsteller. In: Karl Ermert, Wolfgang Gast (Hrsg.): Der neue deutsche Kriminalroman. Beiträge zur Darstellung, Interpretation und Kritik eines populären Genres (Loccumer Kolloquien 5). Evangelische Akademie Loccum, Rehburg-Loccum 1985, S. 196.
  8. Maigret und sein größter Fall im Lexikon des internationalen Films.
  9. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 451/1966

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