Leubas (Kempten)

Leubas
Koordinaten:47° 46′ N, 10° 20′ O
Höhe: 682 m ü. NN
Einwohner:820 (15. Mai 2022)[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung:1. Juli 1972
Eingemeindet nach:Kempten (Allgäu)
Postleitzahl:87437
Vorwahl:0831
Leubas (Kempten (Allgäu))
Leubas (Kempten (Allgäu))
Lage von Leubas in Kempten (Allgäu)
Filialkirche Mariä Heimsuchung in Leubas
Filialkirche Mariä Heimsuchung in Leubas

Leubas ist ein Stadtteil von Kempten (Allgäu) im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Er liegt im Nordwesten der Stadt an der Grenze zur Gemeinde Lauben und wird vom Bachlauf Leubas durchzogen. Das Gebiet gehört zur hügeligen Voralpenlandschaft des Allgäus.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahl von Leubas ist seit dem 19. Jahrhundert stark gestiegen. Im Jahr 1871 lebten nur 88 Menschen im Ort, 1925 waren es 107 und 1950 etwa 113. Nach 1950 setzte ein rasches Wachstum ein: 1970 wurden 283 Einwohner gezählt, 1987 waren es 357. Bei der Volkszählung 2011 lag die Zahl bei 780, und 2022 hatte Leubas 820 Einwohner.[1]

Geschichte

Frühes und Hochmittelalter

Im 12. Jahrhundert wurde Leubas erstmals urkundlich erwähnt. 1170 ist ein „Lantfried von Leubas“ als ritterlicher Lehensmann des Klosters Ottobeuren bezeugt. In der Nähe des heutigen Ortskerns befand sich die Burg Leubas, die ein Lehen Ottobeurens war.

Sie diente als befestigtes Herrenhaus und Wehranlage. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Burg im Bauernkrieg vollständig zerstört wurde. Die Burgstelle ist heute mit einem Gedenkstein gekennzeichnet.

Frühe Neuzeit und Bauernkrieg

Im 16. Jahrhundert gehörte Leubas zur Herrschaft des Fürststifts Kempten. 1525 wurde das Dorf Schauplatz des Bauernkriegs (Schlacht von Leubas). Der Bauer Jörg Schmid aus Leubas, genannt „der Knopf“, zählte zu den Anführern des Aufstands. Am 14. Juli 1525 versammelten sich bei Leubas am „Malstatt“-Hügel etwa 23.000 Bauernverbände, doch nach dem Anmarsch kaiserlicher Truppen flohen diese. Die nachfolgende Gegenaktion des königlichen Truchsessen führte zur Zerstörung vieler Gehöfte: Rund 200 Bauernhäuser wurden niedergebrannt, darunter ganze Orte wie Betzigau und Leubas.

Neuzeit bis zur Gebietsreform

In der Folge blieb Leubas ein kleines Kirchdorf mit bäuerlicher Prägung. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) blieb Leubas weitgehend von Zerstörungen verschont. Während des bayerischen Gebietsreformprogramms wurde am 1. Juli 1972 die Gemeinde St. Mang nach Kempten eingemeindet; Leubas gehörte seit jeher zu St. Mang, daher kam es gleichzeitig zum Stadtgebiet von Kempten.[2]

20. Jahrhundert

In der Nachkriegszeit wuchs Leubas durch neue Wohngebiete moderat an. Ein bedeutendes Ereignis war das Unglück beim Brückenbau der Autobahn A7: Am 30. April 1974 stürzte bei Betonierarbeiten an der Leubas-Brücke das Mittelteil der künftigen A7 ein und riss neun Arbeiter in den Tod. Dieses Unglück gilt als größte Katastrophe in der Kemptener Nachkriegsgeschichte. Im späteren 20. Jahrhundert wurden Verkehrserschließung und Versorgung modernisiert: Leubas erhielt Anschluss an den Nahverkehr (Stadtbus) und es entstanden neue Naherholungsflächen im Umfeld.

Infrastruktur

Leubas verfügte über viele Jahre über eine Außenstelle der Konrad-Adenauer-Grundschule aus Lenzfried, die im Jahr 2008 geschlossen wurde.[3] Seit 2012 besteht in Leubas die Josef-Kentenich-Schule, eine katholische Privatschule in freier Trägerschaft.[4] Daneben gibt es eine Kindertagesstätte, die von der Diakonie Allgäu betrieben wird.[5] Weiterhin befinden sich die Kirche Maria Heimsuchung und das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Leubas im Ort. Durch die Ortsmitte führt die Landesstraße (Leubaser Straße), und zwei Haltestellen der Stadtbuslinie 71 binden Leubas an den öffentlichen Personennahverkehr an. Westlich des Ortes verläuft die Autobahn A7, deren Brücke über das Leubas-Tal 1974 gebaut wurde.

Dorfzentrum von Leubas mit Schule und Maibaum

Siedlungs- und Bauentwicklung

Die Siedlungsstruktur in Leubas ist überwiegend durch Wohnhäuser mit eingefriedeten Grundstücken gekennzeichnet. In den letzten Jahrzehnten entstanden Neubauflächen am Malstatt und Frickenland sowie ein Gewerbegebiet im Nordwesten und im Süden.[6] Das Stadtplanungsamt Kempten weist darauf hin, dass am südwestlichen Ortsrand landwirtschaftliche Flächen erhalten bleiben, während an den Randlagen Wohnbauflächen ausgewiesen sind. Diese Flächenentwicklung erfolgte im Einklang mit dem regionalen Flächennutzungsplan.

Leubas gilt als bevorzugte und gehobene Wohnlage mit ruhiger Lage in naturnaher Umgebung, geprägt von Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften sowie naturnahem Wohnumfeld.

Historisch bedeutsame Straßennamen in Leubas

Die Schmid-von-Leubas-Straße erinnert an Jörg Schmid, genannt „Knopf von Leubas“, einen Gerbergesellen aus Leubas, der 1525 als Anführer des Allgäuer Haufen im Deutschen Bauernkrieg aktiv war. Er gilt als zentraler Akteur des dortigen Widerstands gegen weltliche Herrschaft.[7][8]

Der Häberlinweg ist Hans Häberlin gewidmet, einem reformatorischen Laienprediger aus Grönenbach. Er predigte im Umfeld von Kempten und wurde 1526 im Auftrag des Schwäbischen Bundes nahe Leubas erhängt.[9][10]

Angrenzende Orte und Weiler

Zum Ortsteil Leubas gehört der im Süden gelegene Weiler Leupratsried. Unmittelbare Nachbarorte sind im Süden Stielings sowie im Nordwesten Heising, beide Teil der Gemeinde Lauben.[11][12]

Religionen und Kirchen

In Leubas überwiegt die katholische Bevölkerung. Die heutige Pfarrkirche Maria Heimsuchung wurde 1996–1997 neu erbaut und 1997 geweiht. Die barocke Kapelle St. Magnus am nordwestlichen Ortsrand stammt etwa aus dem Jahr 1735 und ist als Baudenkmal geschützt. Die Kirchen bilden das geistliche Zentrum des Ortes.

Kultur, Vereine und Gemeindeleben

In Leubas wird Vereinsleben aktiv gepflegt. Traditionsvereine sind der Schützenverein Leubas und der Sportverein SV Leubas 1893 e.V. Der Schützenverein wurde 1893 gegründet, die Idee dazu entstand bereits 1892. Die Freiwillige Feuerwehr Leubas wurde 1898 ins Leben gerufen. Sie ist als Teil der Löschgruppe 14 der Feuerwehr Kempten in Leubas stationiert. Ein alljährliches Ereignis ist die Maibaumaufstellung, die erstmals am 1. Mai 1982 durch den Schützenverein Leubas mit einem Feldgottesdienst durchgeführt wurde, begleitet von Frühschoppen und Umzug. Neben diesen gibt es weitere Hobbygruppen und gemeinschaftliche Feste wie Kirchweih und Dorffest.[13][14]

Sehenswürdigkeiten

Besonders hervorzuheben ist die Burgstelle Leubas, ein ehemaliges Lehen des Klosters Ottobeuren, das im Bauernkrieg zerstört wurde. Westlich des Ortes befindet sich die Malstatt, ein ehemaliger Hochgerichtsplatz. Die alte steinerne Bogenbrücke über die Leubas an der Leubaser Straße steht unter Denkmalschutz. Die Kapelle St. Magnus ist ebenfalls als Baudenkmal ausgewiesen.

Wirtschaftliche Struktur

Die wirtschaftliche Ausrichtung von Leubas ist heute nur noch in geringem Umfang landwirtschaftlich geprägt. Bedeutung haben vor allem kleinere Handwerks- und Produktionsbetriebe sowie gewerblich genutzte Flächen in den nördlichen und südlichen Bereichen des Ortsteils.[15] Ergänzt wird die Struktur durch ein technologie- und dienstleistungsorientiertes Gründerzentrum, das insbesondere jungen Unternehmen als Standort dient.[16]

Die Mehrheit der Erwerbstätigen pendelt zur Arbeit in die Kernstadt Kempten (Allgäu) oder in umliegende Industrie- und Gewerbegebiete.[17] Eine eigenständige Nahversorgung mit größeren Einzelhandelsangeboten ist im Ortsteil kaum vorhanden.[18]

Bekannte Unternehmen

Im Gewerbegebiet von Leubas in Kempten (Allgäu) haben folgende Unternehmen ihren Sitz:

Commons: Leubas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Siehe Leubas - Kempten (Allgäu). In: citypopulation.de. Abgerufen am 9. August 2025.
  2. Eingemeindung in Kempten: Das größte Geplänkel war vorher. In: Allgäuer Zeitung. 1. Juli 2022, abgerufen am 20. August 2025.
  3. Konrad-Adenauer-Schule macht Außenstelle dicht, all-in.de, 30. März 2017: „Die Außenstelle in Leubas wurde bereits 2008 geschlossen“, abgerufen am 14. September 2025.
  4. Über uns, Josef-Kentenich-Schule, abgerufen am 14. September 2025.
  5. Diakonie Allgäu: Konzeption Kindertagesstätte Leubas (PDF; Januar 2021), abgerufen am 14. September 2025.
  6. Sabine Stodal: Spatenstich mal zwei – Gewerbegebiet und Knotenpunkt: In Leubas Süd rollen jetzt die Bagger. Kreisbote, 1. Oktober 2018, abgerufen am 15. August 2025.
  7. Deutsche Biographie: Schmid, Jörg. Abgerufen am 15. August 2025.
  8. search.ch: Karte: Schmid-von-Leubas-Straße, Kempten (Allgäu). Abgerufen am 15. August 2025.
  9. Heimatverein Bad Grönenbach: Hans Häberlin – ein Grönenbacher Laienprediger. Abgerufen am 15. August 2025.
  10. search.ch: Karte: Häberlinweg, Kempten (Allgäu). Abgerufen am 15. August 2025.
  11. Gemeinde Lauben – Ortsplan (PDF). In: lauben.de. Abgerufen am 14. September 2025.
  12. BayernAtlas – Amtliche topographische Karte. In: Freistaat Bayern. Abgerufen am 14. September 2025.
  13. Chronik des SV Leubas 1893 e.V. Abgerufen am 15. August 2025.
  14. Löschgruppe 14 (Leubas). Abgerufen am 15. August 2025.
  15. Spatenstich mal zwei – Gewerbegebiet und Knotenpunkt: In Leubas Süd rollen jetzt die Bagger. In: Kreisbote. 1. Oktober 2018, abgerufen am 14. September 2025.
  16. 25 Jahre Gründerzentrum COMETA Allgäu – Erfolgsmodell Public Private Partnership. In: Wirtschaftsbrief Kempten 2022/01. 2022, abgerufen am 14. September 2025.
  17. Nahverkehrsplan 2018 Oberallgäu – Berufspendler Kempten/Oberallgäu. In: Landratsamt Oberallgäu. 2018, abgerufen am 14. September 2025.
  18. Die Weichen sind gestellt – Nahversorgungszentrum für den Kemptener Norden geplant. In: Kreisbote. 7. April 2017, abgerufen am 14. September 2025.
  19. Betriebsführung im Medienzentrum. mediengruppe.allgaeuer-zeitung.de, abgerufen am 15. August 2025.
  20. ABT Sportsline – Firmeninformationen. ABT Sportsline, abgerufen am 15. August 2025.
  21. Standort Kempten – Plansee Group. Plansee Group, abgerufen am 15. August 2025.

Literatur

  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmalliste Stadt Kempten (Allgäu), Stand 2025 (Online-Auszug)
  • Bürgergemeinschaft Stadt Kempten (Hrsg.): 50 Jahre Gebietsreform – Sankt Mang und St. Lorenz, Jubiläumsschrift, Kempten 2022
  • Gemeinde Lauben: Geschichtswanderweg Lauben, Station 10: Burg Leubas, (online, Zugriff 2024)
  • Franz-Rasso Böck: Kempten – die Doppelstadt. Historische Stadtkernentwicklung, München 2007
  • Kempten (Allgäu), Stadtplanungsamt: Städtebauliches Konzept Leubas, 2018
  • Diakonie Allgäu e.V.: Kindertagesstätte Leubas – Konzeption (2020)
  • Stadt Kempten (Allgäu): Einwohnerzahlen nach Stadtteilen, online
  • Lokalpresse Allgäu: Artikel und Berichte u. a. in der Allgäuer Zeitung, 2018–2024

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Village center of Leubas View of the Josef Kentenich School
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