Hamza Yusuf

Hamza Yusuf im Jahr 2007
Hamza Yusuf

Hamza Yusuf (arabisch حمزة يوسف هانسون, DMG Ḥamza Yūsuf; * 1958 als Mark Hanson in Walla Walla, Washington, USA) ist ein US-amerikanischer islamischer Gelehrter[1] und Fernsehmoderator.[2] Er ist Gründer und Direktor des Zaytuna College in Berkeley, Kalifornien.[3] Yusuf ist nicht nur in den USA berühmt, sondern er hat auch großen Einfluss auf Muslime in Großbritannien, sowohl unter muslimischen Einwanderern als auch unter Briten, die zum Islam konvertiert sind.[4] In den arabischen Ländern genießt Yusuf hohes Ansehen und Unterstützung von berühmten islamischen Gelehrten des Nahen Osten wie Habib Ali al-Dschifri und ʿAbdallāh ibn Baiya. Sein religiöses Programm „Riḥla“,( Reise) das während des Ramadan auf dem saudischen Sender Middle East Broadcasting Center ausgestrahlt wurde, war beim arabischen Publikum ein großer Erfolg.[5] Er wird oft von islamischen Zentren, in arabischen aber auch westlichen Ländern, eingeladen, um Vorträge über den Islam zu halten und westliche Gesellschaften an den Islam heranzuführen. Außerdem interviewen ihn viele arabische und westliche Medien, um seine Meinung zum Islam und zu aktuellen Ereignissen in der islamischen Welt zu erfahren.[6] The Guardian beschrieb Yusuf im Jahre 2001 als den „wohl einflussreichsten islamischen Gelehrten des Westens“.[7] Yusuf ist einer der Unterzeichner von „Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch“, einem offenen Brief islamischer Gelehrter an christliche Führer, die Frieden und Verständnis fordern. 2017 wurde er mit anderen islamischen Gelehrten vom Islamischen Staat bedroht.[8] Yusuf ist Berater des Islamic Studies Program an der Stanford University und des Berkeley Center für Islamische Theologie. Er übersetzt viele islamische Bücher aus dem Arabischen ins Englische. Er verbreitet den traditionellen sunnitischen Islam im Westen durch seine populären Reden und Lektionen in kurzen intensiven Studienprogrammen, außerdem berät er mehrere amerikanische Universitäten in Islamwissenschaften und ist Mitglied des George Russell One Nation Advisory Council, einer nationalen philanthropischen Initiative, die sich mit Pluralismus und Inklusion in den USA befasst. Er ist Co-Vorsitzender von „Religions for Peace“ und Mitglied der Initiative „Ethik in Action“ für nachhaltige und integrale Entwicklung, einer Zusammenarbeit zwischen „Religions for Peace“, dem Vatikan, den Vereinten Nationen und anderen Organisationen.[1] Im Jahr 2020 verfasste Yusuf seine Promotion an der Graduate Theological Union mit dem Titel „Normative islamische Tradition in Nord- und Westafrika. Eine Fallstudie über den Transfer von Autorität und die Destillation von Wissen“. Er wird sowohl von der extremen Rechten im Westen als auch von muslimischen Extremisten im Osten scharf kritisiert.

Leben

Yusuf wurde 1958 im US-Bundesstaat Washington als Sohn einer griechisch-orthodoxen Mutter und eines katholischen Vaters geboren,[9] Er wurde evangelisch getauft, weil sein Vater sich nicht für seine Religion interessierte.[10] Aber bevor er verstarb, konvertierte er zum Islam und bat Yusuf darum, als Muslim beerdigt zu werden.[11] Seine Familie zog nach Nordkalifornien, wo er aufwuchs. Er hat sieben Geschwister, von denen eine Schwester zum Islam konvertierte.[12] Yusuf hat schottische, griechische und nordeuropäische Wurzeln. Beide Eltern waren gut ausgebildet, aufgeschlossen und interessierten sich sehr für soziale, politische und pädagogische Fragen. Sein Vater war Geisteswissenschaftler und mochte die Poesie, besonders die Englische, während seine Mutter im zivilen Bereich tätig war und sowohl gegen den Vietnam- als auch gegen den Irakkrieg auf die Straße ging.[13] Yusuf spricht sehr gut von seiner Mutter, bezeichnet sie als eine spirituelle Person, die sehr offen für andere Menschen und andere Lebensweisen sei. Er erwähnt, dass sie freiwillig als Englischlehrerin arbeitete, um den mexikanischen Einwanderern und Landarbeitern die englische Sprache beizubringen. Sie zeigte ihm eine Synagoge, eine Moschee, einen Hindu-Tempel und einen buddhistischen Tempel, um ihm andere Religionen näher zu bringen.[14] Als er zwölf Jahre alt war, hatte sie ihn auch in eine Moschee mitgenommen, um das Freitagsgebet zu beten.[15]

Hinwendung zum Islam

Anfänge

im Jahr 1977, als er 17 Jahre alt war, erlitt er einen schweren Autounfall, der ihn dem Tod nahe brachte. Diese Erfahrung veranlasste ihn zu recherchieren, was verschiedene Traditionen und Religionen über den Tod sagen. Er erkannte, dass der Islam die richtige Religion für ihn sei, und begann, den Glauben zu praktizieren, wollte aber zunächst aufgrund seines Alters, weil er unter 18 war, noch kein Muslim werden.[9] Der Islam wurde für ihn bedeutungsvoller als die Dreifaltigkeit. Yusuf empfand die fünf täglichen Gebete als ständigen Aufruf, sich über alles zu wundern und aufmerksam zu bleiben.[16] Yusuf stieß beim Stöbern in einem Buchladen auf das Buch, das von dem verstorbenen Martin Lings verfasst wurde.[9] Das Buch enthält ausführliche Zitate aus dem Koran und Lings Interpretation. Als er Lings Buch durchgelesen hatte, entschied er sich, den Koran zu lesen. Eine Bekannte von Yusuf vermittelte ihm den Kontakt zu einem muslimischen Ehepaar, das ursprünglich aus Mekka stammt und in Santa Barbara lebt. Beide gehören dem Schādhilīya-Orden an und sind Anhänger eines in Großbritannien lebenden Sufi-Imams Shaykh Abdalqadir as-Sufi, der bald eine zentrale Rolle in Yusufs Leben spielen sollte und auch sein Schwager wurde. Nach einigen Besuchen bei Sufi-Anhängern konvertierte Yusuf schließlich zum Islam und brach sein Universitätsstudium ab, um grundlegende muslimische Riten zu lernen.[17] Obwohl einige Anhänger von dem Gelehrte as-Sufi eine Gemeinde in Berkeley gründeten, beschloss Yusuf, nach Großbritannien auszuwandern und mit dem Shaykh und seiner Sufi-Gemeinde zu leben.[17]

Reise in die islamische Welt

In Großbritannien lebte er nur ein Jahr lang mit dem britischen Sufi-Islamwissenschaftler Abdalqadir as-Sufi zusammen. Er zog in die Vereinigte Arabische Emirate und verbrachte vier Jahre in der Stadt Al Ain, wo er am islamischen Institut Scharia-Wissenschaften studierte. Er lernte dort Koranrezitation, Rhetorik, Poesie, Fiqh und Theologie arbeitete als Muezzin und war später als Imam für eine Moscheengemeinde tätig, die sich hauptsächlich aus afghanischen Arbeitern zusammensetzte, die ihre Familien und die Kriegsanstrengungen gegen die Sowjetunion unterstützten.[18] Im Jahr 1984 distanzierte Yusuf sich jedoch von seinem Gelehrten As-Sufi und wandte sich den in den Emiraten lebenden mauretanischen Gelehrten zu. Im gleichen Jahr besuchte er mehrere arabische Länder wie Algerien, Marokko und Mauretanien, wo er seine nachhaltigste und mächtigste Beziehung zu dem Gelehrten Sidi Muhammad Ould Fahfu al-Massumi entwickelte, der als Murabit al-Hajj bekannt ist. Er studierte mehrere Monate mit ihm in der Wüste.[9] Yusuf war der erste amerikanische Dozent dem von der Universität al-Qarawīyīn in Marokko das Vortragsrecht verliehen wurde.[19]

Rückkehr in die USA

Nach 10 Jahren im Ausland kehrte Yusuf in die USA zurück und begann ein Studium im Bereich der Krankenpflege am Imperial Valley College. Er machte den Abschluss in homöopathischer Medizin und in vergleichenden Religionswissenschaften. Während dieser Zeit diente er als Imam der Santa-Clara-Moschee und wurde Teil der muslimisch-amerikanischen Sprachgemeinschaft, die Vorträge und Predigten in Moscheen und islamischen Zentren in Nordkalifornien hielt.[20] Er wurde von muslimischen Studentengruppen und muslimischen Organisationen zu Vorträgen auf Universitätsgeländen und islamischen Konferenzen in den Vereinigten Staaten eingeladen. Yusuf begann kleine Gruppen seiner Anhänger zu beraten, von denen die meisten neu zum Islam konvertiert waren. Yusuf bekam den Ruf eines talentierten Redners, der fließend arabisch sprach und mit tadellosem arabischen Intellekt beeindruckte. Er vergrößerte sein Publikum in Nordamerika und Westeuropa. Seine Reden kombinieren Verweise auf berühmte Denker wie Plato oder Ibn Rushd mit einer Art Geschichtsunterricht über die Vergangenheit einer vormodernen Nation. Er übt Kritik an Politikern und politischen Bewegungen in den Vereinigten Staaten und der muslimischen Welt gleichermaßen, sowie gegenüber der Muslimen, die zu wenig über ihr religiöses Erbe wissen.[21] Yusuf wird regelmäßig nicht nur von den Medien, sondern auch von Staats- und Regierungschefs zu seinen Ansichten befragt.[22][23] Dazu gehört zum Beispiel der ehemalige englische Premierminister Tony Blair.

Standpunkte

Yusufs Vorträge und Predigten befassen sich mit verschiedenen islamischen Themen, aber auch mit dem islamischen Radikalismus, interreligiösen Beziehungen sowie dem Islam und dem Westen. Er spricht über aktuelle soziale, politische, wirtschaftliche, moralische und ethische Fragen und analysiert den Niedergang der modernen Zivilisation, die er die Gesellschaft der Toten nennt, aufgrund des Todes des Geistes oder der Seele. Um sie wieder zum Leben zu erwecken, muss seiner Ansicht nach die Gesellschaft regeneriert werden. Die Menschen müssten den Sinn ihres Lebens verstehen und lernen, warum sie geschaffen und wofür sie geschaffen wurden.[9]

Yusuf rief die Muslime dazu auf, zu ihrem wahren Glauben zurückzukehren, ohne Gewalt, Intoleranz und Hass. Dies veranlasste Yusuf selbst, wieder in den USA zu leben, da Muslime seiner Meinung nach im Westen die muslimischen Werte besser umsetzen könnten als in den meisten muslimischen Ländern. Viele muslimische Einwanderer sehen das genauso, weshalb sie sich bewusst für ein Leben in den USA entschieden haben.[23][16] Yusuf ist der Meinung, dass das Internet und die moderne Informationstechnologie zum ersten Mal in der Geschichte den Muslimen die Möglichkeit eröffnet haben, ihre Religion der Welt vorzustellen, anstatt anderen zu erlauben, sie zu erzählen. Er ermutigt die Muslime darin, diese Gelegenheit zu nutzen, um die wahre Natur des Islam zu erklären.[9]

Der Zerfall der Gesellschaft hat laut Yusuf enorme Auswirkungen auf das Wohlergehen der modernen Familie, was zu einer Zunahme des häuslichen Missbrauchs führe und zu Familienzusammenbrüchen, daher warnt er die Muslime, wachsam zu sein. In diesem Zusammenhang verweist Yusuf auf häusliche Gewalt unter Muslimen, insbesondere gegenüber muslimischen Frauen, und betont, dass die Ehe an erster Stelle stehe und in erster Linie Individuen zu schützen seien. Die Ehe sei ein Ort, an dem man Geborgenheit und Ruhe findet. Partner in der Ehe müssten sich gegenseitig respektieren. Er erinnert Muslime daran, dass Unterdrückung im Islam verboten ist.[24]

Yusuf besteht darauf, dass der Schlüssel zur Zukunft des Islam in der Vergangenheit liegt. In seinen Reden und veröffentlichten Broschüren betont er die glorreiche vormoderne Geschichte und die traditionellen Bildungssysteme, die in den meisten modernen Ländern mit muslimischer Mehrheit in der Welt an den Rand gedrängt wurden. Yusuf vermeidet Fragen rechtlicher und theologischer Unterschiede und enge Klassifikationen.[25]

Stellung der Frau in Gesellschaft und Islam

Yusuf behauptet, dass der Islam Frauen Rechte garantiert und stellt sich entschieden gegen diejenigen, die diese Rechte verletzen. Dass die Verletzung dieser Rechte eine Verletzung des islamischen Rechts ist und dass jeder, der sich nicht an diese Gesetze hält, die korrekten Lehren des Islam nicht anwendet. Hamza glaubt, dass der Missbrauch von Frauen ein globales Problem ist, insbesondere ein muslimisches Phänomen. Er fordert Frauen auf, ihre Macht und ihr Potenzial einzusetzen, um die Gesellschaft zu verbessern. Er argumentiert, dass die menschliche Gesellschaft mehr weiblichen Einfluss braucht, um das Ungleichgewicht der männlichen Dominanz auszugleichen, das sich negativ auf den menschlichen Zustand auswirkt. Er geht davon aus, dass muslimische Männer, wenn sie Frauen missbrauchen, das Gebot Gottes verletzen und der Jahiliyya folgen. Yusuf bestreitet bestimmte Interpretationen im Koran, dass Ehemänner ihre Frauen schlagen dürfen. Er besteht darauf, dass jeder, der behauptet, ein bestimmter Vers erlaube einem Mann, seine Frau zu schlagen, falsch liegt. Auch das Schlagen von Frauen ist seiner Ansicht nach generell verboten und erwähnt das Beispiel des Propheten Muhammad, der in seinem Leben keine Männer, Kinder oder Frauen geschlagen hat.[26] „Und jene, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, ermahnt sie, lasst sie allein in den Betten und straft sie. Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht keine Ausrede gegen sie; Allah ist hoch erhaben, groß“ Nach seiner Interpretation bezieht sich der Vers nur auf Ehefrauen, die Gott ungehorsam sind, nicht auf Ehemänner. In diesem Fall, nach Yusufs Meinung, muss der Ehemann die Ehefrau in drei Schritten bestrafen. Zunächst muss der Ehemann versuchen die Ehefrau zu belehren, lässt sie sich nicht belehren, sollte der Mann keine intime Beziehung mehr zu seiner Frau haben. Wenn sie weiterhin auf den Ungehorsam besteht, beinhaltet der dritte Schritt nicht, sie zu schlagen, sondern wütend zu sein und ihr mitzuteilen, dass die Situation ernst ist. Yusuf behauptet, dass Männer sich häufig auf diesen Vers berufen, um ihn als Rechtfertigung zu benutzen ihre Frauen schlagen zu dürfen, sie halten sich weder an religiöse noch an moralischen Prinzipien. Er fordert, diese Männer zu bestrafen.[27]

Kopftuch

Yusuf lehnt es ab, Frauen zu zwingen, ihre Köpfe zu bedecken und empfiehlt stattdessen, angemessene Ratschläge zu erteilen, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass es eine religiöse Verpflichtung ist. Er verurteilt diejenigen, die Gewalt anwenden, wenn Frauen beschließen, ihre Köpfe nicht zu bedecken. Und er verurteilt die abscheulichen Verbrechen gegen Frauen, die gegen islamische Prinzipien verstoßen. Er betont dabei den Schutz der Frauen und den Respekt ihnen gegenüber.[9]

Dschihad

Seiner Meinung nach ist der Dschihad das höchste Prinzip des Kampfes gegen das, was falsch läuft in der Welt. Yusuf verstand den Dschihad nie als wahllose Gewalt gegen unschuldige Menschen und Zivilisten, sondern als einen spirituellen Kampf im Herzen, sowie einen sozialen Kampf. Auf der Grundlage dieser Prinzipien fährt Yusuf fort, sich gegen Gewalt, Radikalismus und Terrorismus auszusprechen und zu betonen, dass das Töten der islamischen Tradition fremd ist, und es keine Rechtfertigung dafür in den heiligen Texten gibt. Sowohl der Koran als auch der Hadith verbieten diese abscheulichen Taten.[28] Yusuf zitiert den Koran wie folgt: „Wenn du einen Menschen tötest, ist es, als hättest du die ganze Menschheit getötet.“ Zudem zitiert Yusuf den Propheten Muhammad auf diese Weise: „Sei dir des Extremismus in der Religion bewusst, denn es ist der Extremismus in der Religion, der die Menschheit zerstört hat.“ Yusuf sieht daher keinerlei Legitimität für Gewalt, er besteht vielmehr darauf, dass dies ein modernes Phänomen ist, das seine Wurzeln in der westlichen Tradition hat, und solche Muslime, die es benutzen, sicherlich davon beeinflusst wurden; Dieses Phänomen einzudämmen und zu bekämpfen, ist laut Yusuf nur möglich, wenn bestimmte aktuelle Probleme angegangen werden und Muslime zu dem traditionellen Lehren des Islam ermutigt werden.[29]

Der Islam und die westliche Welt

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 arbeitet Yusuf hart daran, die Kluft zwischen Islam und westlicher Welt zu überwinden. Er trat zu diesem Thema sehr oft in den Medien, sowie auf internationaler Ebene auf. Yusuf glaubt, dass Unwissenheit auf beiden Seiten zu Missverständnissen und Hass führte:[9] Der Westen sei normalerweise sehr wertend und habe vorgefasste Vorstellungen über den Islam, Muslime hätten ebenfalls eine verzerrte, voreingenommene Wahrnehmung der westlichen Kultur. Daher müssten beide Seiten mehr über die Geschichte und Kultur der jeweils anderen erfahren, um sich der Errungenschaften und Traditionen des Anderen bewusst zu werden.

Yusuf ermutigt den Westen dazu, als Beitrag zum allgemeinen Fortschritt und zur Verbesserung des westlichen Lebens mehr über Muslime zu erfahren und daraus zu lernen. Der Westen könne sich ein Beispiel daran nehmen, wie der Islam Wissenschaft und Religion sowie ethnische Zugehörigkeit erfolgreich integriere. Yusuf betont, dass der Grund für aktuelle Spannungen zwischen Islam und westlicher Welt die Unwissenheit sei. Deshalb sei es wichtig, einander zu kennen und zu respektieren, um ein friedliches Zusammenleben durchzusetzen. Yusuf fordert den Westen außerdem auf, die muslimische Frustration zu verstehen und zu versuchen, frühere Probleme zu lösen. Ebenso bittet er die Muslime, nicht den Westen für alle Probleme verantwortlich zu machen, sondern eine ernsthafte Selbstprüfung durchzuführen und für Schwierigkeiten selbst Verantwortung zu übernehmen. Für Yusuf ist die Menschlichkeit die gemeinsame Basis, die die Menschen miteinander verbindet, unabhängig von ihrem Glaubensbekenntnis, ihrer Rasse oder ihrer Hautfarbe.[9] Yusuf geht davon aus, dass die meisten Muslime damit zufrieden sein würden, unter finnischen oder schwedischen Regierungsformen zu leben, mit ein paar Anpassungen der sexuellen Freiheiten in diesen Ländern. Sie würden sich dort so fühlen, als wäre es die Zeit des muslimischen Herrschers Saladin, weil die Regierungen in Finnland und Schweden sich sehr gegen Armut und Hunger engagieren, sich besonders um alte Menschen und sogar um Hunde und Katzen kümmern. Wer in Stockholm einen Hund quält, kommt ins Gefängnis. In den Gefängnissen Ägyptens können Menschen ungestraft vom Geheimdienst gefoltert werden.[30]

Haltung gegenüber dem arabischen Frühling

Als der arabische Frühling 2011 in Tunesien anfing, unterstütze Yusuf die Demonstranten gegen den Präsident Zine el-Abidine Ben Ali.[31] Auf seiner offiziellen Website Sandala Productions schrieb er eine Nachricht an die Menschen in Libyen, in der er ihre enge Verbindung zum Islam erwähnte und unterstützte die Aufständischen gegen den Präsidenten Muammar al-Gaddafi. Yusuf bezeichnete ihn als hinterhältigen und grausamen Verräter.[32] In einem Artikel über Ägypten erkannte er nicht nur Ägyptens Revolution an, sondern forderte einen festen Standpunkt, um das ägyptische Volk zu unterstützen und politische Veränderungen zu erreichen. „Ich persönlich glaube, dass die ägyptischen islamischen Gelehrten die Verantwortung haben, sich dem ägyptischen Volk anzuschließen und es zu bitten, Reformen durchzuführen.“[33] Aber im Jahr 2013 änderte Yusuf seine Meinung. Er unterstützte die arabische Regierung und lehnte alle Aufstände gegen sie ab. Er behauptete, dass die große Mehrheit der Menschen in arabischen Golfstaaten mit ihren Regierungen zufrieden seien und die Monarchie bevorzugten, weil Monarchen keinen Grund dazu hätten nach mehr Geld und mehr Macht zu streben. Yusuf behauptet, wenn ein König gut ist, dann wird auch sein Nachfolger erzogen, gut zu sein.[34] Er geht davon aus, dass die politischen Meinungsverschiedenheiten, wie der arabische Frühling, heute nicht nur eine Bedrohung für die Ordnung darstellen, sondern möglicherweise destabilisierend sind. „Deshalb waren unsere ʿulamāʾ (islamische Gelehrte) gegen die Revolution. Nicht weil sie dachten, Unterdrückung sei nicht falsch oder sie versuchten, die Unterdrücker an der Macht zu halten. Sie sahen es in erster Linie aus einer metaphysischen Perspektive. Dass dies eine ʾibtilāʾ (Prüfung) von Allah war.“ Während Yusuf 2016 in der türkischen Stadt Samsun war, verbreitete sich in den sozialen Medien ein Video, in dem er die Notlage syrischer Flüchtlinge verspottete. Er erwähnte einen der ersten Slogans der syrischen Revolution: „Das syrische Volk wird nicht gedemütigt.“ und fragte sarkastisch, wie diese Revolution aussehe? Und er lachte darüber, dass nun diese "armen Menschen" die Nicht-Muslime baten, in ihr Land fliehen zu dürfen und in Booten über den Ozean flüchteten. Yusuf sieht darin eine Strafe Gottes.[9][35] Nachdem sich das Video weit verbreitete, entschuldigte er sich wegen seiner Äußerungen über syrische Flüchtlinge und für den Schmerz, den er verursachte. Yusuf sagte, es sei „abscheulich“ zu glauben, er hätte die von der Gewalt in Syrien Betroffenen verspotten können.[36]

Die Beziehung zu den Vereinigten Arabischen Emiraten

Der islamische Gelehrte ʿAbdallāh ibn Baiya war fast ein Jahrzehnt lang Mitglied der in Katar ansässigen Internationale Union Muslimischer Gelehrter (al-Ittiḥād al-ʿĀlamī li-ʿUlamāʾ al-Muslimīn) und diente als einer der Stellvertreter von Yusuf al-Qaradawi, bis er im September 2013 von dieser Rolle zurücktrat. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten ihn erfolgreich auf ihre Seite geholt.[37] Im gleichen Jahr 2014 begründete er eine eigene transnationale Organisation islamischer Gelehrter, das Forum for Promoting Peace in Muslim Societies (FPPMS) und ernannte Yusuf zu seinem Stellvertreter. Bei der Eröffnung der Konferenz hielt Yusuf eine Rede mit Ibn Baiya und dem Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Abdullah bin Zayid Al Nahyan, in der er die erste Phase des Islam lobte und gleichzeitig das Chaos kritisierte, das die islamischen Länder derzeit erleben.[38] "Als der Islam als Oase in der öden Wüste auftauchte, wo Kriege so vorherrschend waren, bot der Prophet Muhammad einen Vorschlag zum Frieden an, den die Araber als Lösung aus ihrer brutalen Gewalt ansahen. Eine neue Weltordnung wurde damals geboren, und obwohl sie manchmal nicht immun gegen Gewalt war, herrschten Bildung, Wissenschaft und Handel und nicht Krieg, Gewalt und Rache. Es entstanden Gesellschaften, die zu den tolerantesten und friedlichsten der Menschheitsgeschichte gehörten. Während Muslime heutzutage in gescheiterten Staaten leben in denen Gewalt weit verbreitet ist und sie zu Flüchtlingen werden.[39] Die Vereinigten Arabischen Emirate gründeten 2018 das Fatwa-Komitee unter dem Vorsitz von Ibn Baiya. Yusuf wurde auch hier zum Stellvertreter ernannt.[40] Yusuf begleitete Ibn Baiya während seiner Besuche und übersetzte zwischen ihm und den Organisationen, wie dem US-Außenministerium oder dem britischen Foreign and Commonwealth Office.[41] Yusufs Beziehung zur Regierungsbehörde in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die Saudi-Arabien in seinem Krieg gegen den Jemen unterstützt, sowie sein Versäumnis, den Militärputsch zu kommentieren, den der ägyptische Präsident Abd al-Fattah as-Sisi mit Unterstützung der Emirate durchführte, sowie sein Schweigen über das Blutbad in Kairo und Gizeh 2013, veranlasste Viele dazu, ihn zu kritisieren.[42]

Katar-Blockade

Im Juni 2017 eskalierte die regionale Krise, als Saudi-Arabien die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Mauretanien und andere Länder die diplomatischen Beziehungen zu Katar abbrachen und das Land blockierten. Diese von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten geführte Koalition argumentierte, Katar habe „Terrororganisationen“, einschließlich der Muslimbruderschaft, unterstützt und durch sein Medienunternehmen Al Jazeera regionale Unruhen ausgelöst. Nach der Blockade gegen Katar lieferte die türkische Regierung die Waren, die normalerweise aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten importiert werden. Die Türkei, die sich gegen die Vereinigten Arabischen Emirate auf die Seite Katars stellte, brachte Yusuf in eine schwierige Lage. Ein Jahrzehnt lang brachte er seine Liebe zu Land und Präsident Recep Tayyip Erdoğan zum Ausdruck und verteidigte die Reaktion der Regierung auf die beiden Gezi-Park-Proteste 2013 und den Putschversuch in der Türkei 2016 öffentlich.[43]

Umstrittene Aussagen

Über Donald Trump sagte Yusuf: „Gott ist verantwortlich, Trump ist ein Diener Gottes.“[44]

„Einwanderer, die gegen den Westen toben, sollten in ein muslimisches Land auswandern“, sagte er 2001.[45]

Sonstiges

Auszeichnungen

Yusuf wurde in die Top 50 der 500 einflussreichsten Muslime eingestuft. Diese jährliche Veröffentlichung wurde vom Royal Islamic Strategic Studies Center in Jordanien zusammengestellt.[46] Er erhielt auch von König Abdullah II. bin al-Hussein einen Orden und die Auszeichnung ersten Grades für seine Beiträge zum islamischen Denken. Er arbeitete mit Prinz Ghazi bin Muhammad an Schlüsselinitiativen zur Förderung des Friedens zwischen Muslimen und Christen.[1]

Fernsehprogramme

Yusuf startete seine Medienkampagne mit dem britischen islamischen Gelehrten Ibrahim Osi Ava. Sie präsentierten ihr erstes Programm (Rihla), das über fünfzehn Jahre lang erfolgreich ausgestrahlt wurde. Er begann mit dem saudischen Regisseur Issa Boghari in den Medien der arabischen Welt aufzutreten, zusammen produzierten sie die Sendung (Rihla) auf MBC, das während des an drei aufeinanderfolgenden Fastenmonaten gedreht wurde und eine der meistgesehenen Sendungen in der arabischen Welt war.[1] Cambridge Media Research berichtet, dass das Projekt einen tiefgreifenden Einfluss auf spätere religiöse Programme in der arabischen Welt hatte. Von 2003 bis 2004 nahm der saudische Journalist Ahmad Al Shugairi mit ihm am (Rihla) -Projekt teil, dessen Idee es war, Yusuf von einer Gruppe junger Menschen aus verschiedenen Ländern Europas und den Vereinigten Staaten begleiten zu lassen. Yusuf diskutierte mit ihnen über Das Verhältnis des Islam zum Westen und wie Muslime, insbesondere junge Menschen, Nicht-Muslime dazu einladen, sich ihrer Religion anzuschließen. Er wurde auch mehrmals auf BBC interviewt und war fester Bestandteil des BBC-Dokumentarsegments The Faces of Islam, das das neue Jahrtausend einleitete.

Literatur

  • Haifaa A. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. Continuum, London, New York, 2012. S. 131–142.
  • ʿAzīz al kbīṭī Idrīsī: al taṣaūf al-islāmiy fī al-wilāyat al-Muttaḥida al amrikia, Dar Al Kotob Al Ilmiyah, Bayrūt, 2012
  • Zareena Grewal: Islam Is a Foreign Country: American Muslims and the Global Crisis of Authority, New York University Press 2013, ISBN 978-1-4798-0019-3
  • Jan Scholz, Tobias Selge, Max Stille and Johannes Zimmermann: Listening Communities?: Some Remarks on the Construction of Religious Authority in Islamic Podcasts. Brill ,2008. S. 457–509.
  • David Warren: Rivals in the Gulf: Yusuf al-Qaradawi, Abdullah Bin Bayyah, and the Qatar-UAE Contest Over the Arab Spring and the Gulf Crisis. Routledge, London, 2021.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Hamza Yusuf, Selbstdarstellung auf seiner Website sandala.org
  2. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. 2012, S. 131.
  3. Raquel Ukeles: The Evolving Muslim Community in America: The Impact of 9/11 Research Center for Religion, State and Society, Jerusalem, 2004. S. 101.
  4. Jan Scholz, Tobias Selge, Max Stille and Johannes Zimmermann: Listening Communities?: Some Remarks on the Construction of Religious Authority in Islamic Podcasts. Die Welt des Islams , 2008, New Series, Vol. 48, Issue 3/4, The Dynamics of Orthodoxy and Heterodoxy in Islam, 2008, S. 476.
  5. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. 2012, S. 131–132.
  6. Burtrih: al-mufakkir al-amrīkī Ḥamza Yūsuf min aš-šaḫṣīyāt al-muslima al-akṯar taʾṯīran fī l-ʿālam Porträt von Hamza Yusuf bei France 24 vom 8. Januar 2019.
  7. Jack O'Sullivan: If you hate the west, emigrate to a Muslim country. In: The Guardian, 7. Oktober 2001. Abgerufen am 22. November 2011. 
  8. On GPS: An American on an ISIS hit list, auf edition.cnn.com
  9. a b c d e f g h i j Haifaa A. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. Chapter 7 Contemporary Case Studies: Case Study II: Mark Hanson or Shaykh Hamza Yusuf. London, New York, Continuum, 2012, S. 132.
  10. Ḥamza, Yūsuf (2011): "Iḍḍāt": Ḥamza, Yūsuf im Interview. Moderator Turkī ad-Daḫil. Al Arabiya, 05.10.2011, 01: 02 Min: verfügbar online unter: إضاءات :. حمزة يوسف. In: youtube.com.
  11. A Good Father auf sandala.org (englisch)
  12. Ḥamza, Yūsuf (2011): "Iḍḍāt": Ḥamza, Yūsuf im Interview. Moderator Turkī ad-Daḫil. Al Arabiya, 05.10.2011, 09: 30 Min: verfügbar online unter: إضاءات :. حمزة يوسف. In: youtube.com.
  13. Haifaa A. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. Chapter 7 Contemporary Case Studies: Case Study II: Mark Hanson or Shaykh Hamza Yusuf. London, New York, Continuum, 2012, s. 132.
  14. On the Passing of My Mother, Elizabeth George Hanson – Sandala.org, abgerufen am 27. Juli 2021 (englisch)
  15. On the Passing of My Mother, Elizabeth George Hanson – Sandala.org, abgerufen am 27. Juli 2021 (englisch)
  16. a b Rollo Romig: Where Islam Meets America. In: New Yorker, 20. Mai 2013. Abgerufen am 19. Dezember 2014. 
  17. a b Zareena Grewal: Islam Is a Foreign Country: American Muslims and the Global Crisis of Authority. Part I: The Roots and Routes of Islam in America. New York, 2012, S. 160
  18. Zareena Grewal: Islam Is a Foreign Country: American Muslims and the Global Crisis of Authority. Part I: The Roots and Routes of Islam in America . New York, 2012, S. 161
  19. Jan Scholz, Tobias Selge, Max Stille and Johannes Zimmermann: Listening Communities?: Some Remarks on the Construction of Religious Authority in Islamic Podcasts. Die Welt des Islams , 2008, New Series, Vol. 48, Issue 3/4, The Dynamics of Orthodoxy and Heterodoxy in Islam, 2008, S. 477.
  20. Zareena Grewal: Islam Is a Foreign Country: American Muslims and the Global Crisis of Authority. Part I: The Roots and Routes of Islam in America . New York, 2012, S. 162
  21. Zareena Grewal: Islam Is a Foreign Country: American Muslims and the Global Crisis of Authority. Part I: The Roots and Routes of Islam in America . New York, 2012, S. 162–163
  22. Noshin Bokth: The controversy of Hamza Yusuf being appointed Human Rights Adviser to the Trump administration - TMV (britisches englisch) 19. Juli 2019. Abgerufen am 28. September 2019.
  23. a b Jack O'Sullivan: If you hate the west, emigrate to a Muslim country. In: The Guardian, 7. Oktober 2001. 
  24. Haifaa A. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. Chapter 7 Contemporary Case Studies: Case Study II: Mark Hanson or Shaykh Hamza Yusuf. London, New York, 2012, S. 135
  25. Zareena Grewal: Islam Is a Foreign Country: American Muslims and the Global Crisis of Authority. Part I: The Roots and Routes of Islam in America . New York, 2012, S. 164
  26. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. 2012, S. 136.
  27. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. 2012, S. 136.
  28. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. 2012, S. 134.
  29. Jawad: Towards Building a British Islam : New Muslims' Perspectives. 2012, S. 138.
  30. When the Social Contract is Breached on One Side, It’s Breached on Both Sides auf sandala.org (englisch)
  31. Deferred Dreams, Self-Destruction, and Suicide Bombings auf sandala.org (englisch)
  32. On Libya auf sandala.org (englisch)
  33. When the Social Contract is Breached in Egypt, auf lastprophet.info
  34. Ḥamza, Yūsuf (2011): "Iḍḍāt": Ḥamza, Yūsuf im Interview. Moderator Turkī ad-Daḫil. Al Arabiya, 05.10.2011, 23: 03 Min: verfügbar online unter: إضاءات :. حمزة يوسف. In: youtube.com.
  35. Hamza Yusuf issues apology for 'hurting feelings' with Syria comments (englisch) In: Middle East Eye. Abgerufen am 28. September 2019.
  36. Hamza Yusuf: Don't Curse the People of Syria. In: Youtube.
  37. Warren: Rivals in the Gulf. 2021, S. 74.
  38. Warren: Rivals in the Gulf. 2021, S. 95.
  39. War is Not the Way: Peace is the Path auf sandala.org (englisch)
  40. Warren: Rivals in the Gulf. 2021, S. 103.
  41. Warren: Rivals in the Gulf. 2021, S. 96.
  42. Warren: Rivals in the Gulf. 2021, S. 111.
  43. When Evil Fails and Goodness Prevails: Regarding the Recent Coup Attempt in Turkey auf sandala.org (englisch)
  44. U.S. Muslim cleric Hamza Yusuf calls Trump ‘a servant of God’ during racist rant against Black Lives Matter, auf rabwah.net
  45. 'If you hate the west, emigrate to a Muslim country', auf theguardian.com
  46. The 2016 Edition is Here!. Archiviert vom Original am 26. Januar 2016. Abgerufen am 4. Juni 2017.

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