Guttannen

Guttannen
Wappen von Guttannen
Staat:Schweiz Schweiz
Kanton:Kanton Bern Bern (BE)
Verwaltungskreis:Interlaken-Oberhasliw
BFS-Nr.:0782i1f3f4
Postleitzahl:3864
Koordinaten:664936 / 167547
Höhe:1057 m ü. M.
Höhenbereich:757–4264 m ü. M.[1]
Fläche:200,85 km²[2]
Einwohner:247 (31. Dezember 2023)[3]
Einwohnerdichte:1 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
11,7 %
(31. Dezember 2023)[4]
Website:www.guttannen.ch
Gelmersee
Gelmersee
Lage der Gemeinde
Karte von GuttannenBrienzerseeEngstlenseeGelmerseeGöscheneralpseeGrimselseeLago del SabbioneLungererseeOberaarseeOeschinenseeRäterichsbodenseeSarnerseeThunerseeItalienKanton LuzernKanton NidwaldenKanton ObwaldenKanton ObwaldenKanton TessinKanton UriKanton WallisVerwaltungskreis EmmentalVerwaltungskreis Frutigen-NiedersimmentalVerwaltungskreis Bern-MittellandVerwaltungskreis ThunBeatenbergBönigenBrienz BEBrienzwilerBrienzwilerDärligenGrindelwaldGsteigwilerGündlischwandGuttannenHabkernHaslibergHofstetten bei BrienzInnertkirchenInterlakenIseltwaldLauterbrunnenLeissigenLütschentalMatten bei InterlakenMeiringenNiederried bei InterlakenOberried am BrienzerseeRinggenberg BESaxetenSchattenhalbSchwanden bei BrienzUnterseenWilderswil
Karte von Guttannen
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Guttannen ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli des Kantons Bern in der Schweiz.

Geschichte

Die Geschichte von Guttannen ist stark geprägt durch die geographische Lage und die Naturgewalten der alpinen Landschaft. Die Gemeinde liegt im Haslital, einem Talabschnitt des Berner Oberlandes, das seit Jahrhunderten als Verkehrs- und Handelsweg dient und Bern mit dem Wallis und Italien verbindet. Aufgrund der Nähe zu den Pässen Grimsel und Griespass spielte die Region schon früh eine wichtige Rolle im alpinen Transitverkehr, insbesondere im Rahmen des Warenaustauschs mit Italien. Guttannen ist ein Flurname, der zum Ortsnamen wurde. Es ist eine Kurzform von ze den guoten tannen (Bei den guten Tannen). 1377 wurde es erstmals als Guotontannon schriftlich erwähnt. 1723 und 1803 vernichteten zwei Feuer fast das gesamte Dorf. Nur wenige Häuser überstanden diese Katastrophen. Ein Lawinenniedergang am 3. März 1830 tötete 5 Männer aus dem Dorf, darunter Arnold Abbühl, der bei der Erstbesteigung des Finsteraarhorns am 16. August 1812 mit dabei war.

Am 22. August 2005 verschüttete ein Murgang die Kantonsstrasse und verstopfte die Aare, die sich danach einen neuen Weg durch das Dorf suchte und grossen Schaden im Ortsteil Schattseite anrichtete.[5]

Geografie

Guttannen liegt im Berner Oberland beim Grimselpass. Die Nachbargemeinden von Norden beginnend im Uhrzeigersinn sind Innertkirchen, Obergoms, Goms, Fieschertal und Grindelwald.

An der westlichen Gemeindegrenze liegen das Schreckhorn, das Lauteraarhorn, das Finsteraarhorn und das Ritzlihorn

Mit 200,85 Quadratkilometern Fläche ist Guttannen eine für schweizerische Verhältnisse riesige Berggemeinde (achtgrösste Gemeinde der Schweiz). Die Gemeinde ist grösser als der gesamte Kanton Appenzell Innerrhoden. 90 % der Fläche ist aber unfruchtbares Land.

Zur Gemeinde gehören der Finsteraargletscher, der Lauteraargletscher, der Unteraargletscher, der Oberaargletscher, der Gruebengletscher und der Bächligletscher. Den Gletschern von Guttannen entspringt die Aare. Das Wasser wird intensiv zur Stromgewinnung genutzt, es gibt vier Seen: den Oberaarsee, den Grimselsee, den Räterichsbodensee und den Gelmersee.

Naturgefahren

Guttannen wird von verschiedenen Naturgefahren bedroht. Im Winter ist das Dorf durch Lawinen bedroht, und seit einigen Jahren hat die Murgangaktivität stark zugenommen.

Lawinen

Im Lawinenwinter 1999 trugen Lawinen mitgerissene Baumstämme und Erdreich bis vor Haustüren. 10 Kühe wurden begraben, Hochspannungsmasten knickten ab. An manchen Orten lag der Schnee auf der Kantonsstrasse (als einzige Verbindung mit Meiringen der Lebensnerv des Dorfes) 6 Meter hoch. Drei Wochen lang war Guttannen abgeschnitten.[6]

Murgänge

Am 22. August 2005 ereignete sich bei und in Guttannen einer der grössten Murgänge der Alpen. Tagelange starke Regenfälle bildeten am Homadgletscher einen kleinen See. Weil das Wasser nicht abfliessen konnte, brach es aus, rauschte in den Rotlouwi-Graben, riss Geröll und Erdreich mit und schüttete es einige hundert Meter oberhalb des Dorfes auf die Kantonsstrasse und in das Flussbett der Aare. Die Aare suchte sich einen neuen Weg – mitten durch Guttannen und auch in die Kirche.[6]

In den Jahren 2009 bis 2011 haben mehrere grosse Murgangereignisse im Spreitgraben eine beträchtliche Geschiebefracht mobilisiert und in die Aare verfrachtet.[7]

Politik

Gemeindepräsident ist Werner Schläppi (Stand 2025). Guttannen ist eine Einwohnergemeinde ohne Burgergemeinde. Daneben existiert eine evangelisch-reformierte Kirchgemeinde. In Guttannen gibt es zwei Bäuertgemeinden (Boden und Guttannen).

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr1764185018801900193019501960197019801990200020102023
Einwohner288503463345391557430394384374328310247

1950: Kraftwerkbau

Schule

Schule Guttannen

An der Schule Guttannen werden in der 1.–6. Klasse (Gesamtschule) rund 10 Kinder unterrichtet. Zwischen August 2007 und Juni 2012 bestand ein Tagesschulangebot. 1971 wurde die Schule in Boden, einem Weiler 3 km unterhalb Guttannens, aufgehoben; das im Jahr 1956 gebaute Schulhaus dient heute dem Kindergarten.

In Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Bern führte die Schule Guttannen ab 2010 während mehrerer Jahre als eine der ersten Primarschulen der Schweiz ein 1:1-Computing-Projekt mit Netbooks und später Tablets durch.

Sehenswürdigkeiten

Fotogalerie

Sonstiges

Der Missionar Oskar Rose in Friedrich Dürrenmatts Stück Die Physiker, der auf dem Weg zu einer Missionsstation auf den Marianen im Stillen Ozean ist, war vorher Pfarrer in Guttannen.

Persönlichkeiten

  • Eduard Langhans (1832–1891), evangelischer Geistlicher und Hochschullehrer

Literatur

  • Daniel Wolf, Jost von Allmen: Ernst E. Anderegg. Ausgewählte Bauten in der Region Interlaken-Oberhasli. (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 887/888, Serie 89). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 2011, ISBN 978-3-85782-887-4.
  • Walter Schläppi-Kuster, Marianne von Bergen, Ernst Rufibach, Katharina von Steiger: Kätter-Briefe. Die Familie Abbühl in Guttannen und Amerika (1851–1932). Hrsg.: Museum für Kommunikation, Kurt Stadelmann. Chronos, Zürich 2015, ISBN 978-3-0340-1302-4.
Commons: Guttannen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Generalisierte Grenzen 2024. Bei späteren Gemeindefusionen Höhenbereich aufgrund Stand 1. Januar 2024 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2024.
  2. Generalisierte Grenzen 2024. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2024 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2024.
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2023. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2024
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2023. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2024
  5. Geschichte (Memento desOriginals vom 25. November 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.guttannen.ch
  6. a b republik.ch vom 15. Juli 2024: Ein Dorf trotzt der Natur
  7. Situation. Oberingenieurkreis I, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2016; abgerufen am 4. September 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/spreitgraben.ch

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Der Gelmersee ist ein Stausee zur Gewinnung von Wasserkraft im Gebiet des Grimselpasses, Berner Oberland, Schweiz. Seespiegelhöhe: 1849m
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Bauernhäuser, Wirzen in Guttannen