Georg Diez

Georg Diez (2014)

Georg Diez (* 1969 in München) ist ein deutscher Journalist, Kolumnist und Autor.

Leben

Georg Diez wuchs als Sohn eines evangelischen Pfarrers und einer Kirchenmusikerin in München-Oberföhring auf. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er sechs Jahre alt war.[1] Diez studierte Geschichte und Philosophie in München, Paris, Hamburg und Berlin und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Er begann seine journalistische Karriere 1998 als Theaterkritiker für die Süddeutsche Zeitung und wechselte 2001 zur damals neugegründeten Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Danach arbeitete er als Literaturkritiker für Die Zeit und wechselte 2010 als Autor zum Spiegel.

In seiner Kolumne S.P.O.N. – Der Kritiker, die Diez von Januar 2011 bis September 2018 für Spiegel Online schrieb, befasste er sich mit Themen wie Austeritäts-, Europa-, Migrationspolitik, Kapitalismus und Klimawandel.[2] Im September 2019 verließ er den Spiegel nach neun Jahren.[3]

Zwischen 2016 und 2017 hielt Diez sich für ein Jahr als Nieman Fellow an der Harvard University auf und wollte während dieser Zeit „den Journalismus unterbrechen“.[4]

Georg Diez (2018)

Diez ist seit 2020 Chefredakteur des The New Institute, ein in Hamburg ansässiges Institute for Advanced Study.[5][6]

Diez ist Mitglied der 2016 gegründeten Bewegung Demokratie in Europa 2025[7] und lebt mit seiner Familie in Berlin.[8]

Werk und Rezeption

2009 legte er seinen autobiografischen Essay Der Tod meiner Mutter vor, in dem er schildert, wie seine Mutter Hannelore (1935–2005) gegen ihre Krebserkrankung kämpfte.[9] Das Buch war auf der Shortlist des Aspekte-Literaturpreises und löste eine Debatte darüber aus, was die Grenzen des Schreibens über Krankheit und Familie sind[10]. 2010 unternahm Georg Diez gemeinsam mit dem Berliner Künstler und Filmemacher Christopher Roth eine Recherche, die sie 80*81 nannten.[11] Jeden Monat wurde an einem anderen Ort auf der Welt recherchiert, etwa in Johannesburg, New York, Berlin und Shanghai. Um ihre Forschung in regelmäßigen Abständen sichtbar zu machen, erarbeiteten sie gemeinsam mit dem Theater-Regisseur René Pollesch „theatrale Wissensperformances mit Spielcharakter“.[12] Das Projekt endete mit einer acht-stündigen Opern-Performance bei den Münchner Opernfestspielen. Diez und Roth veröffentlichten zehn Bücher über dieses Projekt.

Im Februar 2012 bezeichnete Georg Diez in einem Artikel über Christian Kracht und dessen Roman Imperium diesen als „Türsteher der rechten Gedanken“ und diagnostizierte „totalitäres Denken“.[13] In einem Offenen Brief wurde Diez daraufhin von mehreren Autoren, darunter Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann und Monika Maron, kritisiert. Er habe „die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten“ und „Äußerungen von literarischen Erzählern und Figuren“ „konsequent“ dem Autor zugeschrieben.[14] Der Artikel löste im Weiteren eine Mediendiskussion über die Methoden gegenwärtiger Literaturkritik aus.[15][16]

Immer wieder beschäftigt sich Diez mit den politischen, ethischen und gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit, in seinem Buch „Die letzte Freiheit“ (2015) ist es die Diskussion um das selbstbestimmte Sterben, in „Martin Luther, mein Vater und ich“ (2017) ist es der Glaube und das Erbe des Protestantismus, in „Das andere Land“ (2018) ist es der Rechtsruck und die aggressive Reaktion auf die Aufnahme von Geflüchteten.

In der Erstauflage seines Buchs Das andere Land (2018) behauptete Diez fälschlicherweise, der ehemalige Zeit-Feuilletonchef Ulrich Greiner habe die Erklärung 2018 gegen Masseneinwanderung unterschrieben.[17] Auf diese Darstellung berief sich auch die vom Berliner Kultursenator Klaus Lederer unterstützte Broschüre „Alles nur Theater? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts“.[18] Nachdem Greiner eine Unterlassungserklärung erwirkte, durften Neuauflagen nur korrigiert erscheinen.[19]

2020 erschien sein Essay „Power to the People“ (gemeinsam mit Emanuel Heisenberg), in dem es darum ging zu beschreiben, wie die Demokratie mit technologischen Mitteln verbessert werden könnte, eine politische Philosophie für das digitale Zeitalter.

Werke (Auswahl)

Monografien

  • Gegenspieler. Beatles − Rolling Stones. Fischer, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14469-8.
  • zusammen mit Peter Hendricks: Good copy. Steidl, Göttingen 2001.
  • Gegenheimat. Das Theater des Martin Kušej. Residenz, Salzburg 2002, ISBN 3-7017-1285-9.
  • zusammen mit Nils Minkmar, Peter Richter, Claudius Seidl, Anne Zielke: Hier spricht Berlin. Geschichten aus einer barbarischen Stadt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003, ISBN 3-462-03342-5.
  • The Rolling Stones. Reclam, Ditzingen 2007, ISBN 978-3-15-018494-3.
  • zusammen mit Nils Minkmar, Peter Richter, Claudius Seidl, Anne Zielke: Schaut auf diese Stadt. Neue Geschichten aus dem barbarischen Berlin. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2007, ISBN 978-3-462-03790-6.
  • Der Tod meiner Mutter. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 978-3-462-04142-2.
  • mit Christopher Roth (Hrsg.): What Happened? (= The 80*81 Book Collection, Part One). Edition Patrick Frey, Zürich 2010, ISBN 978-3-905929-01-0 (deutsch und englisch)[20]; 80*81 (= Internationaler Merve-Diskurs, Band 434). Merve, Berlin 2016, ISBN 978-3-88396-378-5 (englisch).
  • Die letzte Freiheit. Vom Recht, sein Ende selbst zu bestimmen. Berlin Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-8270-1297-5.
  • Martin Luther, mein Vater und ich. Bertelsmann, München 2016, ISBN 978-3-570-10264-0.
  • Das andere Land. Wie unsere Demokratie beschädigt wurde und was wir tun können, um sie zu reparieren. Bertelsmann, München 2018, ISBN 978-3-570-10263-3.
  • Power to the People. Hanser Literaturverlage, Berlin 2020, ISBN 978-3446264175

Herausgeber

  • Das war die BRD. Fast vergessene Geschichten. Goldmann, München 2001, ISBN 3-442-15153-8.

Weblinks

Commons: Georg Diez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Georg Diez: Der Tod meiner Mutter. 2009, S. 62–70.
  2. S.P.O.N. – Der Kritiker. Kolumne bei Spiegel Online
  3. Nach Abgang von Jan Fleischhauer: Auch der Kolumnist und Autor Georg Diez verlässt den Spiegel. In: meedia.de. 16. Mai 2019, abgerufen am 27. Mai 2019.
  4. Rechtsruck: Die Schwächung der Demokratie fängt in der Mitte an. In: Spiegel Online, 28. August 2016 (spiegel.de).
  5. Georg Diez - THE NEW INSTITUTE. Abgerufen am 9. September 2020.
  6. Georg Diez im Gespräch mit Karin Fischer: Reihe "Auf der Suche nach dem Wir" (Teil VIII) - „Fortschritt denken, der inklusiv und nachhaltig ist“. In: Deutschlandfunk. 14. Februar 2021, abgerufen am 14. Februar 2021.
  7. Website der Bewegung
  8. Georg Diez: Der Tod meiner Mutter. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-462-04142-2 (perlentaucher.de)
  9. Rezension vom 19. September 2009 in Die Presse
  10. Der Schleier über den letzten Dingen
  11. Der Große Wandel. In: Die Tageszeitung. (Artikel zum Projekt 80*81, taz.de).
  12. kulturstiftung-des-bundes.de
  13. Georg Diez: Die Methode Kracht. In: Der Spiegel. Nr. 07, 2012 (spiegel.de).
  14. Offener Brief an „Spiegel“. Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten In: Börsenblatt. (boersenblatt.net).
  15. Iris Radisch: Beschwerde beim Dienstherrn. In: Die Zeit. Nr. 9, 2012 (zeit.de).
  16. Lothar Müller: Phantasie und Format. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Februar 2012.
  17. Georg Diez: Das andere Land. 1. Auflage. S. 132.
  18. Ideologisch verstiegene Broschüre. Abgerufen am 6. März 2019.
  19. Christine Lemke-Matwey, Adam Soboczynski: Handreichung der Mobilen Beratung: Wer nicht für uns ist, kann nur verdächtig sein! In: Die Zeit Online. 27. Februar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019.
  20. Silke Hohmann: Die Reihe 80*81 verfolgt eine eigenwillige These: Vor genau 30 Jahren entstanden die Krisen von heute – Monopol. In: Monopol. 29. April 2010 (monopol-magazin.de).

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Georg Diez (Journalist, Der Spiegel), Foto: <a href="http://www.stephan-roehl.de" rel="nofollow">www.stephan-roehl.de</a>

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Georg Diez at Forum / Debate in KulturhusetStadsteatern in Stockholm on March 5, 2018 in a conversation about how liberal democracies can defend themselves against extremism without giving up basic values.