Geburtenziffer

Staaten nach Geburtenrate 2017
Geburtenrate in Europa 2006
Geburtenrate in den Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands 2021
  • über 12
  • über 10
  • über 8
  • über 6
  • Die Geburtenziffer oder Geburtenrate (genauer: die rohe Geburtenrate, englisch crude birth rate)[1] ist in der Demografie eine Kennzahl, die in einem Staat die Anzahl der Lebendgeborenen pro Jahr bezogen auf 1000 Einwohner angibt.

    Zu unterscheiden ist die Geburtenziffer von den verschiedenen Fruchtbarkeitsziffern, die immer pro Frau angegeben werden.

    Berechnung

    In der Bevölkerungsstatistik wird mit der Geburtenrate die Anzahl der Lebendgeborenen pro Jahr () und pro 1000 Einwohner () angegeben:

    Die in der Weltstatistik führenden Staaten Niger und Mali weisen je 44 Lebendgeburten pro Jahr und pro 1000 Einwohner auf, so dass die Geburtenrate 44 ‰ oder 4,4 % bezogen auf die Einwohnerzahl beträgt.

    Bedeutung

    Die Geburtenrate zeigt, welchen Beitrag die Lebendgeburten auf die Bevölkerungsentwicklung eines Landes ausüben. Die Bevölkerungsentwicklung wird beeinflusst von der Geburtenrate („Geburtenziffer“), der Sterbeziffer, der Lebenserwartung sowie der Zahl der Auswanderungen und Einwanderungen.

    Die Geburtenziffern und die Sterbeziffern sind kurz- und langfristigen Veränderungen unterworfen. Im Modell des demografischen Übergangs (vor allem seit den 1970er Jahren) wird angenommen, dass es eine einheitliche Tendenz von hohen hin zu niedrigen Geburten- und Sterbeziffern gibt. Diese Entwicklung hat den Altenquotienten steigen lassen (der Anteil Älterer an der Bevölkerung hat zugenommen). Hohe Geburten- und Sterbeziffern würden zu einem Steigen des Jugendquotienten führen. Die deutliche Verringerung der Geburtenrate in vielen Ländern seit der zweiten Hälfte der 1960er Jahre hatte diverse Ursachen. Sie wurde von vielen einseitig der Einführung der Antibabypille zugeschrieben (siehe Pillenknick).

    Unterscheidung

    Die Fertilitätsrate (Fruchtbarkeitsziffer) als weitere Kennzahl gibt an, wie viele Kinder eine Frau durchschnittlich im Laufe ihres Lebens hätte, wenn die zu einem einheitlichen Zeitpunkt ermittelten altersspezifischen Fruchtbarkeitsziffern für den gesamten Zeitraum ihrer fruchtbaren Lebensphase gelten würden. Sie beruht auf der Geburtenrate und ist im Gegensatz zu dieser eine rein hypothetische Kennzahl.

    Von der Geburtenrate abzugrenzen ist die durchschnittliche Anzahl von Kindern pro Frau im Verlauf des Lebens; in Deutschland steigt diese seit 2012 nach langer Abnahme wieder an und lag 2015 bei 1,5.[2]

    Die Natalität ist ein Synonym zur Geburtenrate, der in der Demografie, Medizin und Philosophie hierfür verwendet wird.

    Die Mortalität ist das Gegenstück zur Geburtenrate.

    Wirtschaftliche Aspekte

    Bereits Thomas Robert Malthus prognostizierte 1798 in seinem Bevölkerungsgesetz, dass die vom Menschen erzeugten Nahrungsmittel einem linearen Wachstum folgten, die Nahrungsmittelmenge erhöhe sich somit in gleichen Zeitabständen um den gleichen absoluten Betrag. Dagegen entwickele sich die Bevölkerungszahl mit geometrischem Wachstum (Zinseszinsformel), sie erhöhe sich mithin in gleichen Zeitabständen um gleichbleibende prozentuale Zuwächse. Mathematisch könne der Bodenertrag nur in arithmetischer Progression exponentiell ( usw.) wachsen, die Bevölkerung jedoch in geometrischer Progression ( usw.), mit der Folge von Hunger und Armut.[3] Er sah eine Malthusianische Katastrophe voraus, ein durch die Bevölkerungsexplosion ausgelöstes Hemmnis für das Wirtschaftswachstum.

    Es wird geschätzt, dass um das Jahr 1650 die Weltbevölkerung bei etwa 500 Millionen Menschen lag, die Verdopplungszeit betrug damals 180 Jahre,[4] denn 1830 gab es 1 Milliarde Menschen weltweit. Im Jahre 1900 belief sich die Weltbevölkerung auf 1,6 Mrd. Personen bei einer Verdopplungszeit von 140 Jahren, 1970 war die Weltbevölkerung auf 3, 6 Mrd. überexponentiell angewachsen, die Verdopplungszeit betrug lediglich noch 33 Jahre.[5] Eine Verdoppelung tritt mathematisch bei einer konstant bleibenden Geburtenrate von 1 % jährlich ceteris paribus alle 69,6 Jahre, bei 2 % alle 35 Jahre, bei 4 % alle 17,6 Jahre ein.[6] Niger und Mali verdoppeln somit ihre Einwohnerzahl alle 17,6 Jahre. Bei einem Rückgang auf 2,1 Geburten je Frau stabilisierte sich die Weltbevölkerung erst nach einer Verdoppelung im Jahr 2150.[7]

    Das rasante Bevölkerungswachstum veranlasste die Volksrepublik China im Jahre 1980 zur nationalen Einführung der Ein-Kind-Politik, die zu einem drastischen Geburten- und auch einem Bevölkerungsrückgang beitrug. Von drei Kindern je Frau im Jahr 1980 fiel die Geburtenrate auf etwa 1,7 in 2008.[8] Andere bevölkerungsreiche Staaten ergriffen keine Maßnahmen und leiden weiterhin an Überbevölkerung. Hohe Geburtenraten korrelieren mit Armut, insbesondere Kinderarmut (demografisch-ökonomisches Paradoxon). Da gleichzeitig die Nahrungsmittelproduktion und die Wasservorräte nicht mit dem Bevölkerungswachstum vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern schritthalten können, nahmen und nehmen Hungerkatastrophen und Wasserknappheit weiter zu.

    Statistik

    Allgemein gilt weiterhin, dass die Geburtenraten in Entwicklungs- und Schwellenländern deutlich höher sind als in Industriestaaten.

    Die folgende Statistik (Länder sortiert nach Kontinent) gibt einen Überblick über die Fertilitäts- und Geburtenraten im Jahre 2018:[9][10]

    LandFertilitätsrate 2018
    (Geburten pro Frau)
    Geburtenrate 2017/2018
    (Geburten pro 1000 Einwohner)
    Niger7,1544
    Somalia6,1240
    Demokratische Republik Kongo5,9634
    Mali5,9244
    Tschad5,8036
    Angola5,5544
    Burundi5,4541
    Tunesien2,1518
    Osttimor5,3433
    Afghanistan4,5638
    Pakistan3,5522
    Israel3,0418
    Saudi-Arabien2,3418
    Indien2,2419
    China1,6912
    Taiwan1,158
    Hongkong1,339
    Südkorea1,118
    Türkei2,0816
    Portugal1,249
    Irland1,8414
    Frankreich1,8512
    Belgien1,7211
    Norwegen1,6812
    Niederlande1,6611
    Deutschland1,598,5
    Schweiz1,5411
    Österreich1,5310
    USA1,7813
    Mexiko2,1618
    Honduras2,4922
    Guatemala2,8324
    Bolivien2,7522
    Paraguay2,4517
    Ecuador2,4418
    Brasilien1,7414
    Welt2,4719,6

    Die höchsten Geburtenraten gibt es weiterhin in Afrika, die niedrigsten weisen Taiwan und Südkorea auf. China rangiert mit einer niedrigen Geburtenrate auf Rang 156 (von 200 Ländern), Indien auf Rang 102. Deutschland liegt auf europäischem Durchschnitt (EU-28).

    Die höchsten Geburtenraten in der EU wiesen 2017 Irland (12,9 Lebendgeburten/1000 Einwohner), Schweden (11,5), Vereinigtes Königreich und Frankreich (je 11,4) Tschechien (10,8 %), Slowakei/Lettland/Zypern (je 10,7), Dänemark/Polen (je 10,6) auf; im EU-Durchschnitt liegen Österreich (10,0) oder Deutschland (9,5). Am niedrigsten waren die Zahlen in Kroatien (8,9), Spanien/Portugal (je 8,4), Griechenland (8,2) und Italien (7,6).[11]

    Literatur

    • Norbert Schuett: Endogenes Wachstum und Bevölkerungsentwicklung, Bielefeld 2005, DNB 978135245 Dissertation Uni Bielefeld Juli 2005, 175 Seiten, Betreuer: Alfred Greiner und Willi Semmler, online (PDF; 588 kB; 175 Seiten; kostenfrei)
    • Literatur über Geburtenziffer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
    • Johannes Kopp: Geburtenentwicklung und Fertilitätsverhalten, theoretische Modellierungen und empirische Erklärungsansätze, UVK, Konstanz 2002, ISBN 3-89669-969-5 (Habilitationsschrift Universität Mannheim 1999, 238 Seiten, Wissenschaftliche Abhandlung, die auch eine Erläuterung demographischer Größen enthält).
    • Michael Blume, Carsten Ramsel, Sven Graupner: Religiosität als demographischer Faktor - Ein unterschätzter Zusammenhang? (PDF; 514 kB) – In: Marburg Journal of Religion (zum Zusammenhang von Kinderzahl und Bildung, Einkommen, Religiosität in Deutschland).
    • Geburtenentwicklung nach der Wende: Protokoll einer Tagung der Johann-Peter-Süßmilch-Gesellschaft für Demographie, herausgegeben von Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg SFZ, durch Ingrid Kurz-Scherf und G. Winkler (= Umbruch, Band 14). am Turm, Berlin 1998, DNB 958073929.
    • Mirjam Mohr: Die Mär von den aussterbenden Deutschen. In: Der Spiegel vom 23. August 2006

    Weblinks

    Wiktionary: Geburtenziffer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

    Einzelnachweise

    1. Methodische Erläuterungen zu gängigen Fertilitätsmaßen, Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung des Bundes.
    2. Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 373 vom 17. Oktober 2016
    3. Thomas Robert Malthus, An Essay on the Principle of Population, 1798/1924, S. 18
    4. Günter Fellenberg, Umweltbelastungen: Eine Einführung, 1999, S. 209
    5. Dennis Meadows/Donella Meadows/Erich Zahn/Peter Milling, Die Grenzen des Wachstums, 1972, S. 26
    6. Meyers Konversations-Lexikon: eine Encyklopädie des allgemeinen Wissens, Band 3, 1874, S. 107
    7. Bundeszentrale für Heimatdienst (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte, 1994, S. 36
    8. Joachim Rau, Shanghai mit Suzhou & Hangzhou, 2010, S. 16
    9. World Population Review, Fertility Rate By Country, 2019 (Memento desOriginals vom 20. September 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/worldpopulationreview.com
    10. CIA World Fact Book, January 2018 (Memento desOriginals vom 12. September 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cia.gov
    11. Statista, Europäische Union: Geburtenraten in den Mitgliedsstaaten im Jahr 2017, August 2018 Abgerufen am 12. Mai 2019

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    über 10 bis 12
     
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    Birth rate world map (per 1000 inhabitants). 2017 data from the CIA World Factbook : https://photius.com/rankings/2018/population/birth_rate_2018_0.html The following countries and territories are not shown: Marshall islands, Nauru, Tuvalu, Tonga, Kiribati, Samoa, Federated States of Micronesia, Guam, American Samoa, Brunei, Maldives, Grenada, Turks and Caicos, Northern Mariana Islands, French Polynesia, Cook Islands, Seychelles, Saint Lucia, Saint-Vincent and the Grenadines, Saint Kitts and Nevis, Wallis and Futuna, Virgin Islands, Anguilla, Jersey, Aruba, Barbados, Bermuda, Palau, British Virgin Islands, Montserrat, Guernesey, Hong Kong, Macau, Saint-Pierre and Miquelon