Erasmus+

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Erasmus+ (gesprochen Erasmus Plus) ist ein innerhalb des Konsultations- und Abstimmungsverfahrens der Europäischen Union beschlossenenes Programm der Europäischen Kommission für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport.[1] Seine Ziele und seine Struktur werden im Erasmus+ Programmleitfaden beschrieben.[2] In Deutschland wird das Erasmus+ Programm ab 2021 weiterhin von den vier Nationalen Agenturen umgesetzt, wobei diese beim DAAD für den Hochschulbereich, beim Pädagogischen Austauschdienst für den Schulbereich, beim Bundesinstitut für Berufsbildung für den Bereich Erwachsenenbildung und bei Jugend in Aktion für Jugendprojekte bzw. die außerschulische Jugendarbeit angesiedelt sind.[3]

Geschichte

Vorläuferprogramme waren das Sokrates-Programm I (1994–1999) und II (2000–2006) und das Programm Lebenslanges Lernen (2007–2013).

Nach Vorlage des Vorschlags am 23. November 2011 hat im Laufe des Jahres 2013 der Rat der Europäischen Union und das Europäische Parlament das Programm Erasmus+ beschlossen.[4]

So wurden das Studentenaustauschprogramm Erasmus, das Master- und Doktorandenprogramm Erasmus Mundus, Erasmus für Jungunternehmer, Comenius für Schulbildung, Leonardo da Vinci für Berufsbildung und Grundtvig für Erwachsenenbildung von 2014 bis 2020 unter dem Namen Erasmus+ weitergeführt. Für den Zeitraum 2021 bis 2027 forderte das Europäische Parlament Anpassungen im Detail sowie eine Verdreifachung des Budgets[5]. Auch Ursula von der Leyen hatte sich in ihrer Bewerbungsrede als Kommissionspräsidentin der Forderung des Parlaments nach einer annähernden Verdreifachung des aktuellen Budgets von 14,7 auf 41,2 Milliarden Euro angeschlossen. Der Haushaltskompromiss der europäischen Staats- und Regierungschefs vom Juli 2020 belief sich jedoch nur 21,2 Milliarden für die nächste Programmgeneration. Bildungspolitikerinnen und -politiker aller Bundestagsfraktionen (außer AfD) haben deshalb in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr Geld für Erasmus+ gefordert.[6] Das Vereinigte Königreich ist seit dem Brexit nicht mehr Teil des Programms.

Im Dezember 2020 haben die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten eine politische Einigung über das neue Programm Erasmus+ (2021–2027) erzielt.[7]

Programmländer und Partnerländer

Am Erasmus+ Programm können Personen und Organisationen aus den sogenannten Programmländern teilnehmen.[8] Dies sind alle Staaten der Europäischen Union. Folgende weitere Staaten außerhalb der Europäischen Union nehmen ebenfalls als Programmländer bei Erasmus+ teil:

Auch der Austausch mit sogenannten Partnerländern kann über Erasmus+ unter bestimmten Bedingungen gefördert werden. Darunter fallen die Schweiz und Russland, Staaten im westlichen Balkan, Osteuropa, Staaten aus dem südlichen Mittelmeerraum, Lateinamerika, Asien und Zentralasien sowie die AKP-Staaten.

Programmbereiche

Schulbildung

Ziel ist es, die Zusammenarbeit von Schulen aller Schulstufen und Schulformen innerhalb der Europäischen Union sowie die Mobilität von Schülern und Lehrern zu fördern. Teilnehmen können alle, die am Bildungsprozess von der Vorschule bis zum Ende des Sekundarbereichs II mitwirken. In Deutschland ist die Nationale Agentur Erasmus+ Schulbildung im Pädagogischen Austauschdienst für die Beratung und Koordination des EU-Programms im Schulbereich zuständig.[9] Außerdem bietet Erasmus+ Lehrkräften aller Schularten die Möglichkeit, sich auf der eTwinning Plattform miteinander zu vernetzen und gemeinsam internationale Onlineprojekte in einem virtuellen Klassenzimmer durchzuführen.[10]

Hochschulbildung

Ziel ist es, die Zusammenarbeit von Hochschulen in Europa und weltweit sowie die Mobilität von Studierenden, Graduierten, Lehrenden (Dozenten) und allgemeinem Hochschulpersonal zu fördern. Zentrale Bestandteile sind die Anerkennung von Studienleistungen im Ausland anhand des European Credit Transfer Systems (ECTS) und die finanzielle Unterstützung von Austauschstudierenden. Es können Studienaufenthalte, Auslandspraktika im Rahmen bzw. nach Abschluss des Studiums, Lehraufenthalte sowie Fortbildung von allgemeinem Hochschulpersonal gefördert werden. Das Programm wird in Deutschland vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und in Österreich von der Nationalagentur Erasmus+ Bildung in der OeAD-GmbH betreut.

Hochschulaktivitäten zwischen den Programmländern und Partnerländern

Aktivitäten in diesem Bereich werden seit 2015 als International Credit Mobility (Internationale Hochschulmobilität) sowie im Rahmen von „Erasmus Mundus Joint Master Degrees“ gefördert. Das Programm wird hier immer wieder erweitert, neben der Förderung von Hochschulkooperationen in der Erwachsenenbildung wurde 2018 aus die erste Ausschreibung für European Universities gestartet, in welchem langfristige Zusammenarbeit zwischen Hochschulen im Programmraum mit bis zu 5 Mio. Euro gefördert werden soll[11]. In der ersten Ausschreibung im Jahr 2019 waren insgesamt 17 Konsortien erfolgreich, wobei aus dem deutschsprachigen Raum je eines unter der Leitung der Universität Potsdam, der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz erfolgreich war[12].

Berufliche Aus- und Weiterbildung

Förderung der Aus- und Weiterbildung, insbesondere der grenzüberschreitenden beruflichen Bildung. Dabei werden die Projekte nicht von der EU selbst organisiert, sondern von Institutionen oder Organisationen in den einzelnen Ländern. In Deutschland ist der dafür zuständige Träger die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), in Österreich die Nationalagentur Erasmus+ Bildung in der OeAD-GmbH.

Erwachsenenbildung

Grundtvig ist ein 2000 eingerichtetes Förderprogramm der Europäischen Union, heute im Rahmen des Programms für lebenslanges Lernen für den Bereich der Erwachsenenbildung. Das Förderprogramm Grundtvig wird in Deutschland von der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) umgesetzt. Seit 2014 wird es zusammen mit anderen EU-Austauschprogrammen unter dem Namen Erasmus+ fortgeführt.

Jugend in Aktion

Dieser Bereich befasst sich mit nicht-formalem und informellem Lernen im Bereich Jugend.

Sport

Aktivitäten im Bereich Sport.

Prioritäten

Erasmus+ verfolgt ab 2021 vier inhaltliche Schwerpunkte, sogenannte Prioritäten.[13] Diese sind im Erasmus+ Leitfaden in der deutschen Übersetzung wie folgt benannt:

Erasmus+ in Österreich

In Österreich ist die Österreichische Austauschdienst-Gesellschaft (OeAD) als einzige Nationale Agentur für alle Bereiche des Programms Erasmus+ sowie das Europäische Solidaritätskorps zuständig.[16]

Kritik

Im Gegensatz zum Vorschlag der Kommission sprach sich das Europäische Parlament mit viel Rückenwind insbesondere der Bereiche Jugend & Sport für den Programmnamen YESYouth-Education-Sport aus. Deutsche Interessenvertreter zeigten sich vor allem beim Thema Jugend besorgt. Diesem Bereich werde im Entwurf der Kommissarin zu „Erasmus für alle“ kein eigenes Kapitel mehr eingeräumt. Viele befürchten daher eine Benachteiligung für Projekte aus der Jugendarbeit im Vergleich zu Programmen aus dem Bereich der formellen Bildung.[17] Der Deutsche Bundesjugendring schloss sich mit seiner Kritik den deutschen Bundesländern an. Aus Sicht der Jugendverbände und Jugendringe sei das Kernproblem, dass im Entwurf des geplanten Programms die Jugendarbeit vollständig im Bildungsbereich verschwände. „Es ist grundlegend falsch, dass junge Menschen in Europa künftig ihre Persönlichkeit hauptsächlich in Schule, Ausbildung und Studium entwickeln können“, sagt Gunnar Czimczik, stellvertretender DBJR-Vorsitzender, „sie brauchen Freiräume, in denen sie sich selbstbestimmt engagieren und Erfahrungen sammeln können“. Diese notwendigen Räume würden im Vorschlag der EU-Kommission drastisch eingeschränkt. Das Programm „Erasmus für alle“ fokussiere stattdessen allein auf den Nutzen für Arbeit und Beschäftigung.[18]

Rolle des Vereinigten Königreichs nach dem Brexit

Austauschprogramme wie Erasmus+ sind nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (Brexit) neu zu verhandeln. Anfang 2020 hatte das britische Unterhaus einen Antrag der liberalen Abgeordneten Layla Moran abgelehnt, der die Regierung verpflichtet hätte, sich auch nach dem Austritt aus der EU an Erasmus+ zu beteiligen. Die britische Regierung hatte jedoch ihr Interesse an der Durchführung von Austauschprogrammen mit der EU betont.[19][20][21] Ende Dezember 2020 wurde schlussendlich festgelegt, dass das Vereinigte Königreich nach dem Brexit nicht mehr Teil des Programms sein wird. Stattdessen soll ein eigenes, nach Alan Turing benanntes Programm den Aufenthalt britischer Studenten „an den besten Universitäten weltweit“ fördern.[22]

Unabhängig von England hat Schottland erste eigenständige Gespräche mit der EU über eine Rückkehr in das EU-Austauschprogramm Erasmus+ geführt. Gemäß schottischer Regierung beteiligten sich bisher jährlich mehr als 2000 Studierende und Beschäftigte aus Schottland an diesem Programm.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Europäische Kommission: Was ist Erasmus+? Europäische Kommission, 19. Januar 2016, abgerufen am 20. April 2021.
  2. Programmleitfaden (2021) in deutscher Sprache
  3. Erasmus+ ab 2021, Gemeinsame Website der vier Nationalen Agenturen zum Programm Erasmus+ in Deutschland, abgerufen am 20. Januar 2021
  4. Grünes Licht für Erasmus+: EU-Mittel für Qualifikationen und Beschäftigungsfähigkeit für mehr als 4 Millionen Personen, Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 19. November 2013, abgerufen am 27. Februar 2014.
  5. Erasmus+ 2021–2027: Erweiterung des EU-Austauschprogramms. Europäisches Parlament, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  6. Joybrato Mukherjee: Europa braucht junge Europäer. Süddeutsche Zeitung, 13. September 2020, abgerufen am 15. September 2020.
  7. Kommission begrüßt politische Einigung über das Programm Erasmus+, Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 11. Dezember 2020, abgerufen am 20. Januar 2021
  8. Europäische Kommission: Über Erasmus+ Teilnahme. 19. Januar 2016, abgerufen am 30. Juni 2021 (deutsch).
  9. Beratung zu Erasmus+ Schulbildung. Abgerufen am 19. Januar 2021.
  10. Website von eTwinning, dem Netzwerk für Schulen in Europa. Abgerufen am 19. Januar 2021.
  11. European Universities. Abgerufen am 30. Juli 2019.
  12. EACEA: ERASMUS+ European Universities Selection 2019. (PDF) Abgerufen am 30. Juli 2019.
  13. Priorities of the Erasmus+ Programme. In: Erasmus+ programme guide. Europäische Kommission, 15. September 2020, abgerufen am 16. August 2021 (englisch).
  14. Digital Education Action Plan (2021-2027). Europäische Kommission, 14. September 2018, abgerufen am 16. August 2021 (englisch).
  15. A European Green Deal. Europäische Kommission, abgerufen am 16. August 2021 (englisch).
  16. OeAD | nationale Agentur für Erasmus+ und ESK. Abgerufen am 4. August 2021.
  17. Netzwerk Europäische Bewegung: Einfacher, einheitlicher und flexibler – EU-Kommissarin Vassiliou stellt EU-Programme für Kultur, Bildung, Jugend und Sport vor
  18. Netzwerk Europäische Bewegung: DBJR:Jugendarbeit muss im EU-Programm „Erasmus für alle“ erkennbar bleiben
  19. Layla Moran: Boris Johnson says the Erasmus scheme isn't under threat. Do you trust him? In: The Guardian. 16. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020 (englisch).
  20. Anna Fazackerley: ‘Too much risk’: why Erasmus students are shunning Brexit Britain. In: The Guardian. 28. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020 (englisch).
  21. Richard Adams: UK 'committed' to maintaining Erasmus+ exchange scheme. In: The Guardian. 9. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020 (englisch).
  22. Richard Adams: Higher education: UK students lose Erasmus membership in Brexit deal. In: theguardian.com. 24. Dezember 2020, abgerufen am 25. Dezember 2020 (englisch).

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