Deutscher Buchpreis

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Mit dem Deutschen Buchpreis (dbp) zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Partner ist neben der Frankfurter Buchmesse die Deutsche Bank Stiftung. Bis 2007 wurde der Deutsche Buchpreis vom Spiegel-Verlag sowie von Florian und Gabriele Langenscheidt unterstützt. Die Deutsche Welle und der Deutschlandfunk kooperieren mit dem Börsenverein. Der Autor des Siegertitels erhält 25.000 Euro, die fünf anderen Finalisten bekommen je 2500 Euro.

Idee

Die Auszeichnung verwirklicht für den deutschsprachigen Raum einen hochrangigen Literaturpreis, vergleichbar mit dem Prix Goncourt oder dem Booker Prize. Anders als beim Deutschen Bücherpreis und dessen Nachfolger, dem Preis der Leipziger Buchmesse, werden neben dem Hauptpreisträger fünf weitere Romane als Finalisten in besonderer Weise hervorgehoben. Entsprechend ausgestattet ist die Dotierung.

Das Auswahlverfahren zieht sich, begleitet von ausführlichen Medienberichten, über mehrere Monate hin. So wird für die rund 20 Titel eine erhöhte Publizität erreicht.

Auswahlverfahren

Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bewerben sich mit jeweils maximal zwei Titeln aus ihrer Produktion, die im Zeitraum von Oktober des Vorjahres bis September des Vergabejahres erschienen sein müssen. Die Akademie Deutscher Buchpreis, der neben dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien neun bis zehn Vertreter der Buch- und Medienbranche angehören, wählt die jährlich wechselnde Jury. Diese besteht in der Regel aus Schriftstellern, Journalisten und literarischen Buchhändlern.

Die Jury sichtet alle Einsendungen und stellt eine 20 Titel umfassende Longlist zusammen, die im August des Preisvergabejahres veröffentlicht wird. Aus dieser Auswahl ermitteln die Juroren sechs Finalisten, die sie im September veröffentlichen, die sogenannte Shortlist. Am Montag vor der Frankfurter Buchmesse im Oktober wird der preisgekrönte Roman im Kaisersaal des Frankfurter Römers bekannt gegeben.

Preisträger

Am häufigsten ausgezeichnet wurden Romane von Autoren mit deutscher Staatsangehörigkeit (zwölf Siege), gefolgt von ihren Kollegen aus Österreich (zwei Erfolge) und der Schweiz (ein Sieg). Bisher konnte kein Schriftsteller den Deutschen Buchpreis mehr als einmal gewinnen.

Der Verlag mit den meisten Preisträgern ist Suhrkamp (vier Siege), gefolgt von S. Fischer, Jung und Jung, Luchterhand, Matthes & Seitz Berlin und Rowohlt (je zwei Siege).

JahrPreisträger/-inTitelVerlag
2005Arno GeigerEs geht uns gutCarl Hanser
2006Katharina HackerDie HabenichtseSuhrkamp
2007Julia FranckDie MittagsfrauS. Fischer
2008Uwe TellkampDer TurmSuhrkamp
2009Kathrin SchmidtDu stirbst nichtKiepenheuer & Witsch
2010Melinda Nadj AbonjiTauben fliegen aufJung und Jung
2011Eugen RugeIn Zeiten des abnehmenden LichtsRowohlt
2012Ursula KrechelLandgerichtJung und Jung
2013Terézia MoraDas UngeheuerLuchterhand
2014Lutz SeilerKrusoSuhrkamp
2015Frank WitzelDie Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969Matthes & Seitz Berlin
2016Bodo KirchhoffWiderfahrnisFrankfurter Verlagsanstalt
2017Robert MenasseDie HauptstadtSuhrkamp
2018Inger-Maria MahlkeArchipelRowohlt
2019Saša StanišićHerkunftLuchterhand
2020Anne WeberAnnette, ein HeldinneneposMatthes & Seitz Berlin
2021Antje Rávik StrubelBlaue FrauS. Fischer

Kritik

2008 entwickelte sich eine Debatte über den Sinn des Preises und dessen Modalitäten.[1] Mehrere Schriftsteller kritisierten eine willkürliche Auswahl nach „außerliterarischen“ Kriterien[2] sowie die Anwesenheitspflicht der Nominierten. Dem entgegengehalten wurde eine Notwendigkeit zur Popularisierung von qualitativ anspruchsvoller Literatur.

Der Journalist Wolfram Schütte sprach dagegen in Übereinstimmung mit Monika Maron dem Preis ab, ein Buchpreis zu sein. Vielmehr handele es sich um einen Marketingpreis, der „vor allem den bestsellersüchtigen Buchhandelsketten“ nütze. Dabei verlöre man die weltweit einmalige Qualität des deutschsprachigen Verlagswesens aus dem Blick, da hier die meiste Weltliteratur übersetzt worden sei.[3]

Publikation zur zehnten Verleihung

Im Oktober 2014 erschien, pünktlich zur Verleihung des zehnten Deutschen Buchpreises, ein Sachbuch, dessen Autoren sich mit dem Ritual der Preisverleihung, der fortwährenden Kritik an den Regularien und ebenso den Gewinnerromanen auseinandersetzen. Darüber hinaus enthält das Buch Spiel, Satz und Sieg. 10 Jahre Deutscher Buchpreis (Hg. Ingo Irsigler & Gerrit Lembke), das von Kieler Studierenden geschrieben wurde, Exklusivinterviews mit Uwe Tellkamp, dem Buchpreis-Organisator Philippe Genet und Mirko Bonné.

Siehe auch

Literatur

  • Anna Auguscik: Lost in Translation. Literaturpreise im nationalen Literaturbetrieb. In: Philipp Theisohn, Christine Weder (Hrsg.): Literaturbetrieb. Zur Poetik einer Produktionsgemeinschaft. Fink, Paderborn 2013, S. 97–112. ISBN 978-3-7705-5296-2.
  • Dennis Borghardt, Sarah Maaß: Der Deutsche Buchpreis und die deutschen Buchpreise. Zwischen literarischer Valorisierung und kreativökonomischer Kommerzialisierung. In: literaturkritik.de. 8. Oktober 2018.
  • Petra Hartlieb: Ganze Tage und halbe Nächte. In: Die Presse. 5. Oktober 2019, S. Beilage „Spectrum“, S. III (Bericht einer Wiener Buchhändlerin über ihre Tätigkeit als Jurymitglied des Deutschen Buchpreises 2019).
  • Ingo Irsigler u. Gerrit Lembke (Hg.): Spiel, Satz & Sieg. 10 Jahre Deutscher Buchpreis. Berlin University Press: Berlin, 2014. ISBN 978-3-86280-074-2.

Weblinks

Commons: Deutscher Buchpreis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. „Forum: Was taugt die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2008?“ (Memento vom 19. September 2008 im Internet Archive) Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. September 2008
  2. Daniel Kehlmann: „Entwürdigendes Spektakel“ (Memento vom 23. September 2008 im Internet Archive), FAS, 21. September 2008
  3. Wolfram Schütte: Kritik(er) und der Deutsche Buchpreis. Zur Verkaufsförderung von deutschsprachiger Literatur., Titel-Kulturmagazin, 29. September 2008, abgerufen am 24. Februar 2018.

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