Del LaGrace Volcano

Del LaGrace Volcano (geb. als Debra Dianne Wood am 26. Juli 1957 in Orange, Kalifornien),[1][2][3] auch bekannt als Della Grace und Della Disgrace, ist US-amerikanischer Nationalität und arbeitet in der Fotografie, Performancekunst und aktivistisch zu nichtbinärer Geschlechtsidentität.

Leben

Del LaGrace Volcano wurde intersexuell mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren und als Mädchen mit dem Namen Debra Dianna Wood aufgezogen.[4] Volcano studierte von 1979 bis 1981 Fotografie am San Francisco Art Institute und erhielt 1992 einen Masterabschluss in Fotografie an der University of Derby.[2]

Im eigenen Instagram-Profil erklärt Volcano 2019: „Ich bin ein nichtbinärer, geschlechts-nonkonformistischer intersexueller Künstler, Aktivist und Erzieher, geboren in Kalifornien und in Schweden lebend nach 26 Jahren in London.“[5][6]

Karriere

Bis in die 1990er-Jahre war Della Grace der Künstlername. Nach der Heirat von Johnny Volcano wurde Del LaGrace Volcano zum Künstlernamen,[7] um Ablehnung von binären Geschlechternormen und Heteronormativität auszudrücken. Früh versteht Volcano sich „als selbsternannter Hermaphrodit“ und ändert auch bewusst das (weibliche) Aussehen − beispielsweise mit Gesichtsbehaarung, um mit klassischen Rollenerwartungen und Geschlechtergrenzen zu brechen. Es geht dabei um einen ständigen Wechsel zwischen den klassischen Geschlechterrollen Mann/Frau.[7] Volcanos im September 2005 verfasstes Profil gibt diesen Ansatz wider:

“As a gender variant visual artist I access ‘technologies of gender’ in order to amplify rather than erase the hermaphroditic traces of my body. I name myself a gender abolitionist. A part time gender terrorist. […] I believe in crossing the line as many times as it takes to build a bridge we can all walk across.”

„Als ein geschlechtsabweichender optischer Künstler nutze ich ‚geschlechtliche Techniken‘, um die hermaphroditischen Spuren meines Körpers zu verstärken, anstatt sie auszulöschen. Ich nenne mich einen Geschlechtsabschaffer. Einen Teilzeit-Geschlechterterroristen. […] Ich glaube daran, die Linie so oft zu überschreiten zu können, bis eine Brücke entsteht, auf der wir alle hinüberwechseln können.“[8][6]

Volcanos Arbeiten behandeln und hinterfragen Geschlechterrollen und deren visuelle Darstellung. Mit Fotografien lesbischer Subkultur, die etwa Sex im öffentlichen Raum, sadomasochistische Praktiken und Drogen- und Barkultur zeigen, wird ein raues Bild dargestellt, das als bewusste Gegeninszenierung zu einem „braven“ Image von Lesben zu verstehen ist.[2][9]

2002 war Volcano Teil des schweizerisch-deutschen Dokumentarfilms Venus Boyz von Gabriel Baur über Dragqueens.[10] 2012 hatte Volcano eine „Retrospektive in der Mitte der Karriere“ (mid-career retrospective) im Leslie-Lohman Museum of Gay and Lesbian Art in New York.[11]

Werke

  • 1991: als Della Grace: Love Bites. Gay Men’s Press, London (englisch).[7]
  • 1999: zusammen mit Judith „Jack“ Halberstam (Text): The Drag King Book. Serpent’s Tail, London (englisch).
  • 2000: Sublime Mutations. Konkursbuchverlag, Tübingen, ISBN 3-88769-135-0 (Leseprobe).
  • 2005: Sex Works. Konkursbuchverlag, Tübingen, ISBN 978-3-88769-346-6 (mit einem Essay von Beatriz Preciado).
  • 2008: zusammen mit Ulrika Dahl (Text): Femmes of Power: Exploding Queer Femininities. Serpent's Tail, London, ISBN 978-1-84668-664-1 (englisch).

Literatur

  • Lexikoneintrag: Della Grace. In: Claude J. Summers (Hrsg.): The Queer Encyclopedia of the Visual Arts. Cleis Press, San Francisco CA 2012, ISBN 978-1-57344-874-1, S. 160/161 (englisch, Seitenvorschau in der Google-Buchsuche).
  • Helena Lea Manhartsberger: Visual Story: „Das bin ich“. In: Der Spiegel. Nr. 36, Oktober 2018 („Del LaGrace Volcano ist intersexuell. Lange versuchte er, ein Mädchen zu sein. Wie lebt er heute?“ Spiegel Online Plus).
  • Christoper Reed: Art and Homosexuality: A History of Ideas. Oxford University Press, New York 2011, ISBN 978-0-19-539907-3, S. 237–239 (englisch, Seitenvorschau in der Google-Buchsuche: einige Seiten sind vorzublättern).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Karen-Susan Fessel, Axel Schock: Out! 600 Lesben, Schwule & Bisexuelle. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. Querverlag, Berlin 2000, ISBN 3-89656-052-2, S. 156.
  2. a b c Lexikoneintrag: Della Grace. In: Claude J. Summers (Hrsg.): The Queer Encyclopedia of the Visual Arts. Cleis Press, San Francisco CA 2012, ISBN 978-1-57344-874-1, S. 160/161 (englisch, Seitenvorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Del LaGrace Volcano, interviewt von Edward Siddons: Del LaGrace Volcano’s best photograph: my blue mascara masculinity. In: The Guardian. 15. August 2019 (englisch).
  4. QX Team: Here's LaGrace! In: QX Magazine. 31. Juli 2014, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
  5. Del LaGrace Volcano: dellagracevolcano. In: Instagram. 2019, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch); Zitat: „I am a non-binary, gender non-conforming intersex artist, activist and educator born in California living in Sweden after 26 years in London.“
  6. a b Anmerkung: Trotz nichtbinärer Geschlechtsidentität (gender variant) werden in diesem Artikel grammatisch männliche Wortformen benutzt, in Übereinstimmung mit dem Spiegel-Artikel von Oktober 2018 unter „Literatur“.
  7. a b c Christoper Reed: Art and Homosexuality: A History of Ideas. Oxford University Press, New York 2011, ISBN 978-0-19-539907-3, S. 237–239 (englisch, Seitenvorschau in der Google-Buchsuche: einige Seiten sind vorzublättern).
  8. Del LaGrace Volcano: Artist Statement. (Nicht mehr online verfügbar.) In: dellagracevolcano.com. 2005, archiviert vom Original am 10. September 2016; abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
  9. Christina Nord: Der Bart ist echt: Fotos von Del LaGrace Volcano im „Anderen Ufer“. In: taz. die tageszeitung. 8.  April 1998, S. 24 (zur Ausstellung „Transexpress“ in Berlin; online auf taz.de).
  10. Filmbesprechung von Jenni Olson: Such a drag. In: The Advocate. 2. September 2003, S. 55 (englisch; Seitenvorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Lohman Gallery: Del LaGrace Volcano: A Mid-Career Retrospective. In: LeslieLohman.org, 19. September 2012 (englisch; September–November 2012; kuratiert von Jonathan David Katz and Julia Haas).