Dehousing Paper

Zerstörte Gebäude nach der Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg.

Beim sogenannten Dehousing Paper (übersetzt: Enthausungspapier[1]; auch bekannt als dehousing memorandum) handelt es sich um eine politische Beschlussvorlage bezüglich der strategischen Ziele des britischen Luftkrieges gegen das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg (strategic bombing campaign).

Entstehung

Das dehousing paper wurde am 30. März 1942 durch den wissenschaftlichen Berater der britischen Regierung, Frederick Lindemann, 1. Baron Cherwell dem britischen Premierminister Winston Churchill übersandt.[2] Später wurde diese Vorlage durch das britische Kabinett beschlossen. In diesem Kontext erhielt sie ihren späteren Namen.[3]

Die Beschlussvorlage kam während einer Debatte um die zukünftige britische Kriegsstrategie gegenüber dem Deutschen Reich zur Diskussion. Die Debatte drehte sich insbesondere um die Verteilung von finanziellen Mitteln zwischen den Teilstreitkräften Royal Air Force (RAF), British Army und Royal Navy. In der Beschlussvorlage wird argumentiert, dass eine Flächenzerstörung von Wohnbauten den größten Effekt auf den Widerstandswillen der gegnerischen Zivilbevölkerung habe (morale bombing). Diese Argumentation steht in der Tradition der britischen Trenchard-Doktrin von 1928 und führte als Beleg für die Richtigkeit dieser These Untersuchungen über die Auswirkungen deutscher Luftangriffe auf den Widerstandswillen der britischen Zivilbevölkerung während des Ersten Weltkriegs an (sog. Gotha-Raids bzw. Zeppelin-bombing). Das dehousing paper sah die Zerstörung von 30 % aller Wohnbauten in 58 Städten in Deutschland vor.[4] Die Beschränkung auf 58 Städte bestand, da weite Teile Deutschlands zum damaligen Zeitpunkt außerhalb der Reichweite der britischen Luftstreitkräfte lagen. Nach einer lebhaften Debatte beschloss das britische Kabinett den Vorschlag und legte somit diese Kriegsstrategie gegenüber anderen strategischen Optionen fest.

Siehe auch

Literatur

  • Norman Longmate: The Bombers: The RAF offensive against Germany 1939–1945. Hutchinson, London 1983, ISBN 0-09-151580-7.
  • Richard G. Davis: Bombing the European Axis Powers: A Historical Digest of the Combined Bomber Offensive, 1930–1945. Air University Press, Maxwell Air Force Base, Alabama 2006, ISBN 1-58566-148-1 (englisch,Online im Archiv (Memento vom 11. September 2008 im Internet Archive) [PDF; 2,1 MB; abgerufen am 10. Juli 2011]).
  • Paul Crook: The case against Area Bombing. In: Peter Hore (Hrsg.): Patrick Blackett: Sailor, Scientist, and Socialist. With a foreword by Tam Dalyell. Frank Cass, London 2003, ISBN 0-7146-5317-9, Kap. 10, S. 167–186.

Einzelnachweise

  1. Feuersturm: der Bombenkrieg gegen Deutschland, Christoph Kucklick
  2. Alexander B. Downes: Targeting civilians in war. Cornell studies in security affairs. Cornell University Press, 2008, ISBN 0-8014-4634-1, S. 42 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 15. April 2020]).
  3. Auch bekannt als dehousing memorandum, das Lindemann memorandum/paper oder das Cherwell memorandum/paper (dieser wurde 1956 in den Adelsstand erhoben)
  4. Sebastian Cox: The strategic air war against Germany, 1939–1945: report of the British Bombing Survey Unit. Routledge, 1998, ISBN 0-7146-4722-5, S. 67 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 16. April 2020]).

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Royal Air Force Bomber Command, 1942-1945. CL3400.jpg
Blick von Südosten nach Nordwesten über beim durch britische Bomben ausgelösten Feuersturm 27./28. Juli 1943 ausgebrannte Wohnhäuser: Die Hauptstraße im Bild ist der Eilbeker Weg, die Querstraßen, rechts beginnend, Kleiststraße, Rückertstraße (südl. des Eilbeker Wegs ist eine Sperrmauer zu sehen, die die zerstörte und daher unbewohnte Feuersturmzone abriegelt), Seumestraße (mit Haus Seumestr. Nr. 44 auf der östlichen Straßenseite, einziges unzerstörtes Haus im sichtbaren Abschnitt der Straße, bis heute erhalten), Wielandstraße, Friedrichsberger Straße, in diese mündet per T-Kreuzung die Auenstraße. Am oberen Bildrand verläuft die Straße Eilbektal, darin blieben erhalten (soweit zu sehen) die Versöhnungskirche (im Bild im linken oberen Eck) und rechts davon die ehemalige Volksschule Eilbektal auf der nördlichen Straßenseite (im Bild oben links, heute: Berufliche Schule für KFZ-Technik), und auf südlicher Straßenseite das Haus Eilbektal Nr. 60 (bis heute erhalten, zw. Wieland- und Friedrichsberger Str.). Ansonsten erstreckt sich auf der Nordseite der Straße Eilbektal der Eilbekpark und der Friedrichsberger Park.