Collage

Die Collage ist sowohl eine Technik der bildenden Kunst als auch ein in dieser Technik geschaffenes Kunstwerk. Herkömmlich wird ein neues Ganzes geschaffen, indem verschiedene Elemente auf eine Unterlage aufgeklebt werden, daher die Bezeichnung (von frz. coller, „kleben“). Collage gibt es auch jenseits der Grenzen der bildenden Kunst, nämlich als Musikvideos im Stile von Yes We Can, als literarische Collagen im Stil von Walter Kempowski, als Text- und Klangcollage[1] wie etwa Alfred Anderschs Der Tod des James Dean oder als Text-Bild-Collagen wie die von Herta Müller.

Begriff

Der Begriff „Collage“ ist entlehnt aus dem Französischen, wo es eine Ableitung von dem Verb „coller“ (leimen, kleben) und vom Substantiv „colle“ (Leim) ist, das wiederum aus dem Griechischen stammt, „kόlla“.[2]

Merkmale

Collage mit Fotocollagetechnik
Collage als „familiäre Erinnerung“ mit Fotos, Briefen, Dokumentenauszügen und sonstigen Texten
Collage in Verbindung mit grafischen Elementen

Eine künstlerische Collage kann beispielsweise Zeitungsausschnitte, Bänder, farbige Papierstücke, Fotografien enthalten, die auf einen festen Untergrund oder Leinwand geleimt wurden. Die frühen Collagen des Kubismus nennt man Papier collé. Weitere Anwendungsgebiete sind die Fotocollage und die Diacollage, die ganz oder zum großen Teil aus Fotografien, Teilen von Fotografien oder Diamaterial bestehen. Die Décollage bezeichnet das Abreißen von Oberflächen, beispielsweise bei Plakatabrissen, um die darunter liegenden Schichten sichtbar zu machen. Werden plastische Gegenstände miteinander kombiniert, so verwendet man dafür den Begriff Objet trouvé.

Das Prinzip der Collage wurde auch auf andere Kunstgattungen übertragen, etwa auf die Musik/Akustische Kunst (Klang-, Ton- oder Musikcollagen, siehe dazu unter anderem im Artikel „Sampling (Musik)“), auf die Literatur (siehe Montage (Literatur)) und den Film.

Eine Übertragung der Collagetechnik auf dreidimensionale Objekte findet in der Assemblage statt.

Musikalische Collage

Die musikalische Collage ist die Zusammenfügung verschiedener eigenständiger Kompositionen zu einem neuen Musikwerk. Während das Medley oder das Potpourri die einzelnen Werke mit mehr oder weniger durchkomponierter Modulation miteinander verbinden, ist die Collage durch die fehlenden Übergänge und die damit verbundenen Klangreibungen gekennzeichnet. Diese Friktionen sind vom Komponisten der Collage beabsichtigt.

Theatercollage

Collagen gibt es auch in der darstellenden Kunst. Eine Theatercollage setzt sich aus szenischen, poetischen und literarischen Elementen zusammen und dient oftmals der Interpretation zeitgeschichtlicher oder gesellschaftskritischer Werke (so beispielsweise im polnischen Theater vor dem Fall des Eisernen Vorhangs)[3].

Literarische Collage

Collagekünstler und beispielhafte Werke

Kunstrichtungen, bei denen Collagen und Montagen eine große Rolle spielten

Collage von Juan Gris: Mann im Café, 1914, Öl und Klebebild
Collage von Emmanuel Flipo, 1998
  • Kubismus (1907–1921/1940), Kunstrichtung mit höherem Abstraktionsgrad, zeigt häufig die Bildgegenstände zersplittert und von mehreren Seiten.
Erstmals wurden echte Objekte auf die Leinwand geklebt: alte Tapeten, Musiknoten, Glas, Zeitungspapier; die Collage wurde zur Kunsttechnik erhoben (siehe auch: Papier collé).
Höch gilt als die Erfinderin der Fotomontage, eine Technik, die sie mit Raoul Hausmann entwickelte und die rasch von Johannes Baader, John Heartfield und George Grosz aufgegriffen wurden.
Typisch für den Surrealismus war der spielerische Cadavre Exquis, der auch als Inspirationsquelle für „große“ Kunstwerke diente.

Urheberrecht

Urheberrechtlich ist die Collage umstritten. Man kann in ihr eine unfreie Bearbeitung, bei der die Genehmigung der Werke fremder Urheber eingeholt werden muss, oder eine freie Bearbeitung sehen. Eine freie Bearbeitung liegt vor, wenn der Eindruck des Originals gegenüber demjenigen der neuen Werke „verblasst“.[4]

Siehe auch

  • Moodboard

Literatur

  • Hanne Bergius: Das Lachen Dadas. Die Berliner Dadaisten und ihre Aktionen, Anabas-Verlag, Gießen 1989, ISBN 978-3-8703-8141-7.
  • Hanne Bergius: Montage und Metamechanik. Dada Berlin - Ästhetik von Polaritäten (mit Rekonstruktion der Ersten Internationalen Dada-Messe und Dada-Chronologie), Gebr. Mann Verlag, Berlin 2000, ISBN 978-3786115250.
  • Hanne Bergius: Dada Triumphs! Dada Berlin, 1917–1923. Artistry of Polarities. Montages - Metamechanics - Manifestations. Übersetzt v. Brigitte Pichon. Vol. V. of the ten editions of Crisis and the Arts. The History of Dada, hrsg. v. Stephen Foster, Thomson/ Gale, New Haven, Conn. u. a. 2003, ISBN 978-0-816173-55-6.
  • Jula Dech, Ellen Maurer (Hrsg.): Da-da zwischen Reden zu Hannah Höch. Orlanda Frauenverlag, Berlin 1991.
  • John und Joan Digby: The Collage Handbook. Thames and Hudson, New York, 1985
  • Hans Emons: Montage - Collage - Musik. Frank & Timme, Berlin 2009.(Kunst-, Musik- und Theaterwissenschaft, Bd. 6). ISBN 978-3-86596-207-2.
  • Marta Herford (Hrsg.): Ruhe-Störung. Streifzüge durch die Welten der Collage. Verlag Kettler, Bönen 2013. ISBN 978-3-86206-300-0.
  • Karoline Hille, Raoul Hausmann und Hannah Höch: Eine Berliner Dada-Geschichte. Rowohlt, Berlin 2000.
  • Institut für moderne Kunst Nürnberg, Ausstellungskatalog "Von der Collage zur Assemblage", mit Beiträgen von Jürgen Claus, Franz Mon, Wolf Vostell u. a., Nürnberg 1968
  • Miriam Seifert-Waibel: Collage – eine Begriffsdifferenzierung. In: Dies.: Ein Bild, aus tausend widersprüchlichen Fitzeln. Die Rolle der Collage in Hubert Fichtes ‚Explosion‘ und das ‚Haus der Mina in Sao Luiz de Maranhao‘. Aisthesis, Bielefeld 2005, ISBN 3-89528-519-6, S. 24–46.
  • Collage und Realität. Historische Aspekte zum Thema Collage. In: Aspekte der Collage in Deutschland von Schwitters bis zur Gegenwart. Hans Thoma-Gesellschaft/Kunstverein, Reutlingen 1996, S. 7–24.
  • Herta Wescher: Die Collage / Geschichte eines künstlerischen Ausdrucksmittels. Verlag DuMont Schauberg, Köln 1968.

Weblinks

Commons: Collagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Collage – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. So Christoph Hilgert: Die unerhörte Generation. Jugend im westdeutschen und britischen Hörfunk, 1945–1963. Wallstein, Göttingen 2015 ISBN 978-3-8353-2821-1, S. 269 (als Vorschau online bei Google Books).
  2. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehen und erweiterte Auflage von Elmar Seebold. Verlag de Gruyter, Berlin, 2002, S. 174.
  3. Lech Raczak: Theater ohne Drama. In: Wojciech Dudzik (Hrsg.): Theater-Bewusstsein: polnisches Theater in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Ideen - Konzepte - Manifeste. Lit Verlag, Münster 2011, ISBN 978-3-643-11170-8.
  4. Fromm/Nordemann, Urheberrecht, 9. Aufl., § 24 Rndr. 2

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Mann im Café, 1914.
Öl und Klebebild, New York.
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The Painting/Collage Das Undbild, 1919 ("The And-Picture")
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This collage is made entirely of pieces of my family album and various objects that I find as I live my everyday life. Of course, I keep my eye out for things: bits of unusual typography, a ticket handed to you in some foreign city, a poster peeling from a wall.
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Plakat zur Martin Kusejs Ottokar-Inszenierung (2005 Salzburg)
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Collage von Marcel Kober
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Autor/Urheber: Emmanuel Flipo, Lizenz: CC BY 3.0
Fotografie einer Collage von Emmanuel Flipo