Backsteinrenaissance

Giebel im Übergang von der Gotik zu Renaissance in Dordrecht. In den Niederlanden sind Dordtse Gevels ein kulturgeschichtlicher Begriff.
Stadtwaage in Bremen, 1587/1588 durch Lüder von Bentheim, der wenig später den Renaissanceumbau des Bremer Rathauses leitete
Haus De Valk in Veurne, Westflandern, 1624 in gotischen Formen
Langsame Abkehr von der Gotik und noch keine Renaissanceformen: Nordertor (1595–1598) in Flensburg
Wulferthaus in Herford, 1560, Weserrenaissance hier in den oberen Geschossen mit geschlämmtem Backstein
Haus des Maarten van Rossum, 1535, in Zaltbommel, Gelderland, NL, Renaissance-Dekor, aber gotische Proportionen

Die Backsteinrenaissance ist in der Nordhälfte Europas die Fortsetzung des dort im Hochmittelalter begonnenen Backsteinbaus. Im Vergleich zur „Backsteingotik“ ist die „Backsteinrenaissance“ ein weniger etablierter Begriff. Zudem veränderte sich die geografische Ausdehnung, so ging in der Renaissancezeit der Backsteinbau in der Mark Brandenburg zurück, nahm aber in Westfalen zu.

Der Übergang von der Gotik zur Renaissance vollzog sich – teilweise sogar in denselben Gegenden – unterschiedlich. Teilweise behielt man die gewohnten Proportionen bei und ersetzte nur gotische Zierformen durch Zitate aus der antiken Baukunst. Zu den Treppengiebeln traten zunehmend die für die Renaissance typischen Volutengiebel. Teilweise gab man gotische Formen auf, ohne stattdessen die Antike zu zitieren, und teilweise wandte man sich aus der Antike entlehnten Formen so vehement zu, dass ein früher Klassizismus entstand.

Eine stärkere Absetzung fand in der Übergangsphase zum Barock hin statt. In Lübeck beispielsweise verzichtete man ab dem 2. Viertel des 16. Jahrhunderts auf viele Formen der Gotik, aber längst nicht alle Gebäude erhielten nun Dekor der Renaissance. Deutlich wird die Backsteinrenaissance zum Beispiel an den Bauwerken, die von dem Lübecker Künstler Statius von Düren ausgestattet wurden. Beim Aus- und Umbau des Schweriner Schlosses orientierte man sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts an italienischen Vorbildern und der Weserrenaissance, im 17. mehr an den Niederlanden. Schloss Gadebusch verbindet Weserrenaissance mit Terrakotten: der Fürstenhof in Wismar mit seinen Terracotta-Reliefsverweist ebenfalls auf Italien.

Die Niederlande, schon eine wichtige Region der Backsteingotik, wurden durch ihren wirtschaftlichen Aufschwung in der Renaissance zur Vorbildregion des Backsteinbaus. In der frühen Neuzeit orientierte sich daher auch der Backsteinbau in Norddeutschland stark an der Niederländischen Renaissance. Beispiele sind Schloss Reinbek bei Hamburg, das Zeughaus in Lübeck oder das mit niederländischen Auswanderern gegründete Friedrichstadt in Schleswig-Holstein.

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Denkmalgeschütztes Kaufmannshaus am Neuen Markt in Herford, errichtet 1560, Fassade in den 1970-er Jahren teilweise im Stil der Lippe-Renaissance rekonstruiert
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Lübeck, Zeughaus, Backsteinrenaissance.
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