Bachelor Professional

Der Bachelor Professional und der Master Professional sind in Deutschland seit dem 1. Januar 2020 zugelassene Berufsabschlussbezeichnungen[1], die von den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern vergeben werden. Sie sollen die Gleichwertigkeit mit den akademischen Graden sowie die Praxisnähe zum Ausdruck bringen.[2] Die neuen Abschlussbezeichnungen dürfen nicht nur von neuen Absolventen getragen werden: Auch Absolventen, welche ihre Meisterprüfung vor dem 1. Januar 2020 abgeschlossen haben, dürfen die Bezeichnung „Bachelor Professional im / in …“ führen. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist ein wahlweises Tragen des alten Meisterabschlusses oder des neuen Bachelor-Professional möglich.[3] Bestehende IHK-Abschlussbezeichnungen dürfen lediglich mit dem Zusatz CCI (Chamber of Commerce and Industry) für Industrie und Handelskammer, getragen werden.

Geschichte

2003 versuchte der NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau mit Unterstützung der Kammerorganisationen (DIHK, ZdH), Teilen der Gewerkschaften (IG Metall), der Wirtschaftsministerkonferenz und Fachverbänden (IMV) die Bezeichnung oder Übersetzungshilfe Bachelor Professional für den Fachwirt zu etablieren. Begründung war, dass die Bezeichnungen Meister, Fachwirt usw. in der Welt der internationalen Wirtschaft nicht geläufig seien. Das Vorhaben traf auf massiven Widerspruch der Hochschulen, der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und scheiterte anfangs nicht zuletzt an dem Gegenargument, dass im Ausland Berufsausbildung und ein Bachelor klar unterschieden werden und die Bezeichnung daher grob irreführend sei. (Dem Fachwirt vergleichbare Abschlüsse sind zudem auch im Ausland bekannt, und zwar als higher professional certification oder higher professional qualification.) Trotz des § 132a Abs. 2 StGB, um den sich die Diskussion letztlich dreht, verbreitete sich die Übersetzungshilfe jedoch auf Karrierenetzwerken im Internet sehr stark und wurde dort weithin unbehelligt wie ein akademischer Grad geführt. Auch die IHKen schufen Fakten und verwendeten als öffentlich-rechtliche Einrichtungen die Bezeichnung für ihre Abschlüsse ganz offen, wodurch über den § 17 StGB die eine Strafverfolgung für das Führen der Übersetzungshilfe bereits de facto ausschied. Zudem war es nicht mehr zu vermitteln, warum für berufsbegleitende und duale Studiengänge trotz großer Ähnlichkeit die Abschlussbezeichnung vergeben werden durfte, für die Aufstiegsfortbildungen aber nicht.

Ende 2018 erklärte das Bildungsministerium schließlich, den „Berufsbachelor“-Abschluss bis 2020 offiziell etablieren zu wollen,[4] und zwar 2020 im Rahmen der Reform des Berufsbildungsgesetzes und doch unter der ursprünglichen Abschlussbezeichnung „Bachelor Professional“.[5] Die Hochschulrektorenkonferenz sowie der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) meldeten jedoch Proteste an und warnten vor den Konsequenzen, da eine Verwechslungsgefahr zu den international anerkannten akademischen Abschlüssen Bachelor und Master bestände.[6][7] Auch der Bundesrat lehnte den Vorstoß zunächst ab, Bezeichnungen einzuführen, die ähnlich wie die Hochschulabschlüsse lauten, und zwar in allen diskutierten Varianten.[8] Trotz bis zuletzt lauter Proteste der Hochschulen beschloss der Bundesrat schließlich Ende November doch die Einführung der Abschlüsse „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ zum 1. Januar 2020[9]

Zuordnung

Fortbildungen, welche dem Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR)/EQR-Niveau 6 zugeordnet werden, bekommen die Abschlussbezeichnung Bachelor Professional, welche dem DQR/EQR-Niveau 7 zugeordnet werden, erhalten die Abschlussbezeichnung Master Professional.

Rechtliche Grundlage

Die einzelnen Abschlussbezeichnungen werden in Ausbildungsordnungen des Bundes festgelegt. Die rechtliche Grundlage für den Bachelor Professional ist § 53c BBiG, für den Master Professional § 53d BBiG.

Übersicht aller Abschlussbezeichnungen

Bestehende AbschlussbezeichnungenÜbersetzung der bestehenden Abschlussbezeichnung in Englisch[10]Neue Abschlussbezeichnungen nach neuer Ausbildungsordnung[2]
Geprüfte/-r Bankfachwirt/-inBachelor Professional of Banking (CCI)
Geprüfte/-r Betriebswirt/-inMaster Professional of Business Management (CCI)Master Professional in Business Management
Geprüfte/-r Bilanzbuchhalter/-inBachelor Professional of Accounting (CCI)Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung
Geprüfte/-r Fachwirt/-in für Büro- und ProjektorganisationBachelor Professional for Office and Project Organisation (CCI)
Geprüfte/-r Fachwirt/-in für EinkaufBachelor Professional of Purchasing (CCI)Bachelor Professional in Procurement
Geprüfte/-r Fachwirt/-in für MarketingBachelor Professional of Marketing (CCI)
Geprüfte/-r Fachwirt/-in für FinanzberatungBachelor Professional Financial Advisor (CCI)
Geprüfte/-r Fachwirt/-in für Versicherungen und FinanzenBachelor Professional of Insurance and Finance (CCI)
Geprüfte/-r Fachwirt/-in Güterverkehr & LogistikBachelor Professional of Goods Traffic and Logistics (CCI)
Geprüfte/-r Fachwirt/-in im Gesundheits- und SozialwesenBachelor Professional of Health and Social Services (CCI)
Geprüfte/-r Floristmeister/-inBachelor Professional of Floristry Management (CCI)
Geprüfte/-r Handelsfachwirt/-inBachelor Professional of Trade and Commerce (CCI)
Geprüfte/-r Immobilienfachwirt/-inBachelor Professional of Real Estate Management (CCI)
Geprüfte/-r Industriefachwirt/-inBachelor Professional of Management for Industry (CCI)
Geprüfte/-r Industriemeister/-in Fachrichtung ChemieBachelor Professional of Chemical Production and Management (CCI)
Geprüfte/-r Industriemeister/-in Fachrichtung ElektrotechnikBachelor Professional of Electrical Technology and Management (CCI)
Geprüfte/-r Industriemeister/-in Fachrichtung Kunststoff und KautschukBachelor Professional of Plastics and Rubber Production and Management (CCI)
Geprüfte/-r Industriemeister/-in Fachrichtung MechatronikBachelor Professional of Mechatronics (CCI)
Geprüfte/-r Industriemeister/-in Fachrichtung MetallBachelor Professional of Metal Production and Management (CCI)
Geprüfte/-r Industriemeister/-in Fachrichtung PharmazieBachelor Professional of Pharmaceutical Production and Management (CCI)
Geprüfte/-r Industriemeister/-in Fachrichtung PrintmedienBachelor Professional of Print Media Technology and Management (CCI)Bachelor Professional in Print
Geprüfte/-r Industriemeister/-in Fachrichtung TextilwirtschaftBachelor Professional of Textile Production and Management (CCI)
Geprüfte/-r IT-Berater/-inBachelor Professional of IT Business Consulting (CCI)
Geprüfte/-r IT-Entwickler/-inBachelor Professional of IT Systems Management (CCI)
Geprüfte/-r IT-Ökonom/-inBachelor Professional of IT Marketing Management (CCI)
Geprüfte/-r IT-Projektleiter/-inBachelor Professional of IT Business Management (CCI)
Geprüfte/-r Logistikmeister/-inBachelor Professional of Logistics (CCI)
Geprüfte/-r Medienfachwirt? (unbekannt)Bachelor Professional in Media
Geprüfte/-r Meister/-in für KraftverkehrBachelor Professional of Transport Management (CCI)
Geprüfte/-r Meister/-in für Veranstaltungstechnik? (unbekannt)Bachelor Professional für Veranstaltungstechnik
Geprüfte/-r Personalfachkaufmann/-frauBachelor Professional of Human Resources Management (CCI)
Geprüfte/-r Taucher/-inBachelor Professional of Diving (CCI)
Geprüfte/-r Technische/-r Betriebswirt/-inMaster Professional of Technical Management (CCI)
Geprüfte/-r Technische/-r Fachwirt/-inBachelor Professional of Technical Management (CCI)
Geprüfte/-r Verkehrsfachwirt/-inBachelor Professional of Transport Management (CCI)
Geprüfte/-r Wirtschaftsfachwirt/inBachelor Professional of Business (CCI)
Geprüfte/-r Wirtschaftsinformatiker/-inMaster Professional of IT Business Engineering (CCI)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Bundesrat beschließt „Berufsbachelor“. 29. November 2019, abgerufen am 16. Juni 2021.
  2. a b "Bachelor Professional" und „Master Professional“. Abgerufen am 16. Juni 2021.
  3. Anna-Maja Leupold: Sind alle Handwerksmeister jetzt Bachelor Professional? In: handwerk.de. 19. Januar 2021, abgerufen am 14. August 2021.
  4. Miriam Olbrisch: Ausbildung: Karliczek will die Ausbildung in Deutschland komplett verändern – Job & Karriere. In: Spiegel Online. 8. November 2018, abgerufen am 17. April 2020.
  5. Bundesregierung: Berufsbilungsgesetz Referententwurf. (PDF) In: bmbf.de. Bundesregierung, 13. Mai 2019, abgerufen am 27. Mai 2019.
  6. HRK und VDI kritisieren erneut „Berufsbachelor“. 15. Oktober 2019, abgerufen am 16. Juni 2021.
  7. https://www.forschung-und-lehre.de/politik/hrk-warnt-bmbf-vor-berufsbachelor-1773/
  8. https://www.forschung-und-lehre.de/recht/bundesrat-lehnt-berufsbachelor-und-berufsmaster-ab-1908/
  9. https://www.sueddeutsche.de/bildung/bachelor-professional-bundesrat-1.4703152
  10. Übersetzungshilfen von IHK-Fortbildungsprüfungen. (PDF) IHK Nord Westfahen, abgerufen am 20. Juni 2021.