Alençon

Alençon
Alençon (Frankreich)
StaatFrankreich
RegionNormandie
Département (Nr.)Orne (Präfektur) (61)
ArrondissementAlençon
KantonAlençon-1 (Hauptort)
Alençon-2 (Hauptort)
GemeindeverbandAlençon
Koordinaten48° 26′ N, 0° 6′ O
Höhe127–152 m
Fläche10,68 km²
Einwohner25.744 (1. Januar 2020)
Bevölkerungsdichte2.410 Einw./km²
Postleitzahl61000
INSEE-Code
Websitealencon.fr

Rathaus der Stadt

Alençon ist die Hauptstadt und mit 25.744 Einwohnern (Stand 1. Januar 2020) auch die größte Stadt im Département Orne in der Region Normandie in Frankreich. Alençon ist eine mit dem Regionalen Naturpark Normandie-Maine assoziierte Zugangsgemeinde.[1]

Einige französische Könige trugen den Titel Herzog von Alençon, da dieser Titel nach 1549 dem drittgeborenen Sohn des Königs gegeben wurde.

Geografie

Die Briante in Alençon

Alençon liegt in Nordfrankreich am Südrand des Départements Orne in der nach der Stadt benannten Landschaft Campagne d’Alençon, etwa 90 Kilometer südöstlich von Caen, dem Hauptort der Region Basse-Normandie, und 48 Kilometer nördlich von Le Mans auf einer mittleren Höhe von 140 Metern über dem Meeresspiegel. Die Mairie steht auf einer Höhe von 136 Metern. Nachbargemeinden von Alençon sind Damigny im Nordwesten, Saint-Paterne - Le Chevain im Osten und Südosten sowie Saint-Germain-du-Corbéis im Südwesten. Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von 1068 Hektar. Alençon liegt an der Sarthe und der Briante, einem Nebenfluss der Sarthe.[2]

Die Gemeinde ist einer Klimazone des Typs Cfb (nach Köppen und Geiger) zugeordnet: Warmgemäßigtes Regenklima (C), vollfeucht (f), wärmster Monat unter 22 °C, mindestens vier Monate über 10 °C (b). Es herrscht Seeklima mit gemäßigtem Sommer.[1]

Geschichte

Spitze aus Alençon aus dem 18. Jahrhundert, hier wurden die Techniken point d’Argentan und point d’Alençon gemischt.

In gallo-römischer Zeit war Alençon nur eine Furt über die Sarthe. Als befestigter Marktflecken wird Alençon im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadt wuchs, wurde zur Grafschaft ernannt und zu Beginn des 15. Jahrhunderts zum Herzogtum. Im 16. Jahrhundert beeinflusste Margarete von Navarra das Leben der Stadt. Sie förderte die Reformation und einige Einwohner bekannten sich früh zum Calvinismus.

1665 wurde eine königliche Spitzenmanufaktur gegründet, deren point d’Alençon, wie die besondere Machart der Spitze genannt wurde, geheim gehalten wurde. Im Jahr 2010 wurde der point d’Alençon in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.[3]

1793 erhielt Alençon im Zuge der Französischen Revolution (1789–1799) den Status einer Gemeinde und 1801 durch die Verwaltungsreform in der Regierungszeit Napoleon Bonapartes (1769–1821) das Recht auf kommunale Selbstverwaltung.[4]

Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) war Alençon von der deutschen Wehrmacht besetzt (siehe auch Flugplatz Alençon-Valframbert). Am 12. August 1944 wurde die Stadt von der 2e division blindée unter Generalmajor Leclerc befreit.

Von enormer wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt wurde die Gründung (1955) und das Wachstum des weltweit exportierenden Unternehmens Moulinex in Alençon.

Bevölkerungsentwicklung[4]
Jahr196219681975198219901999200920182020
Einwohner25.58431.65633.68031.60829.98828.93527.32525.77525.744

Die höchste Bevölkerungszahl hatte die Stadt im Jahr 1975.

Politik

Alençon ist Sitz des Kommunalverbands Communauté urbaine d’Alençon,[5] der Präfektur des Départements, der Unterpräfektur des Arrondissements sowie Hauptort von drei Kantonen.

Partnerstädte

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die gotische Basilika Notre-Dame d’Alençon steht im Stadtzentrum. Honoré Balzac siedelt seinen Roman „Die alte Jungfer“ aus dem Werkzyklus „Nebenbuhler“ in Alençon an und vermittelt damit einen Eindruck von einer französischen Provinzstadt um 1830, einer Zeit, in der sich Republikaner und Royalisten verfeindet gegenüberstehen.

Im ehemaligen Jesuitenkolleg ist heute das Musée des Beaux-Arts et de la Dentelle untergebracht.

Wirtschaft und Infrastruktur

Bahnhof von Alençon

Alençon ist ein Standort von Textil- und Elektroindustrie.

Es gibt drei Lycées, sechs Berufsschulen, sechs Collèges sowie mehrere private und öffentliche Grundschulen in Alençon. Die Stadt verfügt über einen Bahnhof und einen touristisch und sportlich genutzten Flugplatz Alençon-Valframbert.[1]

Lokale Produkte

Auf dem Gemeindegebiet gelten kontrollierte Herkunftsbezeichnungen (AOC) für Maine-Anjou-Rindfleisch sowie geschützte geographische Angaben (IGP) für Rindfleisch der Bezeichnung Bœuf du Maine, Schweinefleisch (Porc de Normandie), Geflügel (Volailles du Maine, de Loué und de Normandie), Hühnereier (Œufs de Loué) und Cidre de Normandie oder normand.[1]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Geburtshaus der Therese von Lisieux
  • Pierre Allix (1641–1717), reformierter Geistlicher
  • Marthe de Roucoulle (1659–1741), Erzieherin Friedrichs des Großen
  • Léonard Bourdon (1754–1807), Politiker, Präsident der Nationalversammlung von 1789
  • Jacques Julien Houton de Labillardière (1755–1834), Naturforscher und Reisender
  • Jacques-René Hébert (1757–1794), Publizist, radikaler Revolutionär und Kirchengegner, hingerichtet
  • Marie Anne Lenormand (1772–1843), Wahrsagerin
  • Pauline Martin (1861–1951), Karmeliterin
  • Léonie Martin (1863–1941), Salesianerin
  • Celine Martin (1869–1959), Karmeliterin
  • Therese von Lisieux (1873–1897), Karmeliterin, 1925 heiliggesprochen
  • Louise Hervieu (1878–1954), Malerin und Schriftstellerin[6][7]
  • Robert Olleris (1890–1957), Offizier
  • André Couder (1897–1979), Astronom, Erfinder des Coudron-Teleskops
  • Guy Renaudin (1918–2002), Bahnradsportler
  • Daniel Balavoine (1952–1986), Sänger
  • Anne Consigny (* 1963), Schauspielerin
  • Laurence Leboucher (* 1972), Radrennfahrerin
  • Abraham Poincheval (* 1972), Performancekünstler
  • Lorànt Deutsch (* 1975), Schauspieler und Schriftsteller
  • Benoît Tréluyer (* 1976), Rennfahrer
  • Jonathan Cochet (* 1977), Rennfahrer
  • Anthony Geslin (* 1980), Radrennfahrer
  • Arnold Mvuemba (* 1985), Fußballspieler
  • Agnès Raharolahy (* 1992), Leichtathletin
  • Marc Fournier (* 1994), Radsportler
  • Rémy Vita (* 2001), Fußballspieler

Persönlichkeiten, die hier gewirkt haben

  • Pierre Caroli (um 1480–um 1550), Theologieprofessor und Reformator, war 1530–1534 Pfarrer in Alençon
  • Margarete von Navarra (1492–1549), die ältere Schwester des französischen Königs Franz I. heiratete den Herzog von Alençon Karl IV. und wohnte von 1509 bis 1514 und 1519 bis 1525 in Alençon.[8]

Weblinks

Commons: Alençon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d La ville d’Alençon. In: Annuaire-Mairie.fr. Abgerufen am 5. März 2013 (französisch).
  2. la Sarthe bei SANDRE (französisch)
  3. Craftsmanship of Alençon needle lace-making. In: unesco.org. UNESCO, abgerufen am 5. März 2013 (englisch).
  4. a b Alençon – notice communal. In: cassini.ehess.fr. Abgerufen am 5. März 2013 (französisch).
  5. Communauté urbaine d’Alençon. (Nicht mehr online verfügbar.) In: communaute-urbaine-alencon.fr. Joaquin Pueyo, Catherine Bescond, archiviert vom Original am 23. Februar 2013; abgerufen am 5. März 2013 (französisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.communaute-urbaine-alencon.fr
  6. Louise Hervieu. In: Base Joconde. Ministère de la culture, abgerufen am 9. August 2010 (französisch).
  7. Isabelle Cernetic, Marie-Sophie de Sairigné, Collectif, Charlotte Rousselle, Céline Dutheil: Le Petit Futé Normandie. 12. Auflage. Petit Futé, 2009, ISBN 978-2-7469-2391-1, S. 358 (französisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Yves Lecouturier: Célèbres de Normandie. Orep Editions, 2007, ISBN 978-2-915762-13-6, S. 45 (französisch).

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Gare d'Alençon (France, Normandie)
1911 Britannica - Lace 24.jpg
Fig. 24.--Portion of a Flounce of Needlepoint Lace, French, early 18th century, "Point de France." The honeycomb ground is considered to be a peculiarity of "Point d'Argentan": some of the fillings are made in the manner of the "Point d'Alençon" réseau. Illustration from 1911 Encyclopædia Britannica, article Lace.
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