Abschalom

Abschalom, am Baum hängend, von Albert Weisgerber
Abschaloms Gastmahl von Niccolò de Simone, um 1650.

Abschalom (hebräisch אַבְשָׁלוֹם, auch Absalom, Abischalom) war einer der jüngeren Söhne des biblischen Königs David und ein Halbbruder Salomos.

Name und Herkunft

Der hebräische Name אַבְשָׁלוֹם (’avšālôm) bedeutet „Der Vater (das heißt: Gott) ist Heil“ bzw. „šālôm ist Vater“.[1] Nach biblischer Überlieferung (siehe 2 Sam 3,3  und 1 Chr 3,2 ) war Abschalom der dritte Sohn König Davids. Die Mutter Maacha war eine Tochter Talmais, König des aramäischen Fürstentums Geschur (2 Sam 3,3 ).

Aufstand des Abschalom

Obwohl er von seinem Vater sehr geliebt wurde, versucht er diesen zu stürzen. Die Umstände werden in biblischen Erzählungen von 2 Sam 15–18  geschildert:

Abschaloms Halbbruder Amnon vergewaltigte seine Halbschwester Tamar (2 Sam 13,1–22 ). David jedoch unternahm nichts weiter, als Amnon des Hofes in Jerusalem zu verweisen. Abschalom übte Rache, indem er Amnon töten ließ (2 Sam 13,23–33 ); anschließend floh er vor David (2 Sam 13,34–37 ). Erst nach etwa fünf Jahren wagte er es, wieder vor seinen Vater zu treten (2 Sam 13,38–39 ). Seine Absicht ging dahin, selbst die Herrschaft zu übernehmen. Denn er war zu der Überzeugung gelangt, David sei ein schwacher König, Israel brauche aber eine starke Führung. Mit Hilfe seines Beraters Ahitofel konnte er unter den Fußsoldaten und Ältesten Freunde gewinnen und auf der anderen Seite des Jordan ein kleines Heer mobilisieren (2 Sam 15,1–12 ). David musste aus Jerusalem fliehen (2 Sam 15,13–37 ).

Über Spitzel, darunter auch der junge Priester Huschai, erreichte David, dass Abschalom aus der Stadt gelockt wurde. Im Wald von Efraim kam es zur Schlacht (2 Sam 18,6 ). Auf der Flucht vor den Soldaten seines Vaters blieb Abschalom mit seinem langen Haupthaar – dem Kennzeichen, das die biblische Erzählung mit ihm verbindet – in der Krone eines Baumes hängen (2 Sam 18,9 ). Joab, dem Hauptmann Davids, blieb nichts anderes zu tun, als ihn zu töten: „Da nahm Joab drei Spieße in seine Hand, und stieß sie Abschalom ins Herz, da er noch lebte an der Eiche“ (2 Sam 18,14 ). Dies tat er, obwohl David seine Soldaten vor dem Kampf aufgefordert hatte, Abschalom zu verschonen (2 Sam 18,5 ).

Die Nachricht vom Tod Abschaloms wird David auf einfühlsame Weise von einem Kuschiter überbracht:

32Der König fragte den Kuschiter: Geht es dem Jungen, Abschalom, gut? Der Kuschiter antwortete: Wie dem jungen Mann möge es allen Feinden meines Herrn, des Königs, ergehen, allen, die sich in böser Absicht gegen dich erhoben haben.
19,1Da zuckte der König zusammen, stieg in den oberen Raum des Tores hinauf und weinte („Davids Wehklage“). Während er hinaufging, rief er (immer wieder): Mein Sohn Abschalom, mein Sohn, mein Sohn Abschalom! Wäre ich doch an deiner Stelle gestorben, Abschalom, mein Sohn, mein Sohn! 2Man meldete Joab [seinem General]: Der König weint und trauert um Abschalom. 3So wurde der Tag der Rettung für das ganze Volk zu einem Trauertag; denn die Leute hörten an diesem Tag: Der König ist voll Schmerz wegen seines Sohnes.“

2. Samuel 18,32  – 19,3

Die Ambivalenz in der biblischen Darstellung

Abschaloms Charakter

Die biblische Darstellung fällt wegen der Komplexität auf, mit der Person und Charakter des Abschalom geschildert werden. Vom Ausgangspunkt des Konfliktes aus, der Parteinahme für Tamar, fällt ein positives Licht auf ihn. Dem steht die unverkennbar negative Beurteilung entgegen, mit der die Ausführung des Racheplanes berichtet wird.[2]

Weitere Züge seines Wesens werden vom biblischen Erzähler verurteilt; er erscheint als gewalttätig, rücksichtslos und hinterhältig.[2] Auch das Aufstandsmotiv selbst findet keine Billigung (siehe 2 Sam 13,23 ; 13,32 ; 15,5 ).

Abschaloms Übergriff gegen die Nebenfrauen Davids

Abschalom vergeht sich auf den Rat Ahitofels hin an Davids zehn Nebenfrauen (16,22 ), die dieser zurückgelassen hatte, um für den Palast zu sorgen. Ahitofel begründet diesen schweren Übergriff gegen wehrlose Personen mit den Worten: "So wird ganz Israel erfahren, dass du dich bei deinem Vater verhasst gemacht hast, und alle, die zu dir halten, werden ermutigt." (16,21 ) Die öffentlich, in einem Zelt auf dem Dach des Palastes, vollzogenen Sexualakte sollen David, dem die Frauen bisher "gehörten", gleichsam als entmachtet darstellen.

Damit geht gleichzeitig die frühere Prophezeiung der Propheten Natan an David in Erfüllung, wie er für den Ehebruch mit Batseba (11,4 ) bestraft werden würde (12,11-12 ). Wegen Abschaloms Tat muss David nach seiner Rückkehr seine Nebenfrauen aus dem Harem ausschließen und weiteren Sexualkontakt mit ihnen vermeiden; er lässt sie aber in einem bewachten Haus leben und versorgt sie (20,3 ).

Betrug Huschais

Die Erzählung hebt zwar hervor, dass Abschalom einem Betrug von Davids Doppelagenten Huschai zum Opfer fällt. Die textkritische Beurteilung des Abschnittes 2 Sam 17,5–14  ist allerdings umstritten (möglicherweise handelt es sich um eine nachträgliche Ergänzung). Die Passage betont gleichzeitig, dass Abschaloms Scheitern Gottes Wille war (2 Sam 17,14 ).

Wehklage Davids und Rüge Joabs

Den Schlusspunkt bildet die ausführliche „Wehklage Davids“ um seinen Sohn (2 Sam 19 ). Bereits vorher hatte Joab einen Mitkämpfer, der die Botschaft überbringen wollte, mit den Worten zurückgewiesen: „Du bringest heute keine gute Botschaft. Einen andern Tag sollst du Botschaft bringen, und heute nicht; denn des Königs Sohn ist tot“ (2 Sam 18,20 ).

Joab rügt David für seine unbändige Trauer um Abschalom angesichts dessen, dass seine Soldaten soeben im Kampf gegen Abschalom ihr Leben riskiert hatten, und warnt vor deren Abfall von ihm. Daraufhin bricht der König seine Totenklage ab und zeigt sich seinen Kämpfern (2 Sam 19,8-9 ).

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Stefan Seiler: Absalom – 1. Name. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff., abgerufen am 5. August 2018.
  2. a b Stefan Seiler: Absalom – 2.2. Tendenz der Darstellung Absaloms. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff., abgerufen am 5. August 2018.

Literatur und Quellen

Commons: Abschalom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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