Weltärztebund

Der Weltärztebund (World Medical Association, WMA) ist ein Zusammenschluss nationaler Ärzteverbände. Er wurde 1947 gegründet und repräsentiert 112 nationale Berufsvereinigungen (Stand: August 2016)[1]. Auch einzelne Ärzte können als assoziierte Mitglieder beitreten. Der Weltärztebund versucht, einen hohen ethischen Standard im Gesundheitswesen zu fördern sowie Ärzten in Form von Deklarationen und Stellungnahmen ethische Leitlinien an die Hand zu geben. Deutsches Mitglied ist die Bundesärztekammer in Berlin.[2]

Jährliche Generalversammlung

Beschlussorgan der Organisation ist die jährliche Generalversammlung, in die Vertreter der nationalen Berufsvereinigungen sowie der assoziierten Mitglieder entsandt werden. Bekannte Beschlüsse sind das 1948 verfasste Genfer Ärztegelöbnis und die Deklaration von Helsinki aus dem Jahre 1964. Diese Kerndeklarationen zu ethischen Grundsätzen ärztlichen Handelns wurden auf verschiedenen Generalversammlungen um Stellungnahmen zu Menschenversuchen, Organtransplantation, In-vitro-Fertilisation, Gentherapie, Gentechnologie und Sterbehilfe fortgeschrieben und ergänzt. Die Sammlung der Erklärungen und Deklarationen des Weltärztebundes umfasst weitere ethische und soziale Themen aus dem ärztlichen Berufsfeld, z. B. zur Definition des Todeszeitpunkts, zum Schwangerschaftsabbruch, zum Verbot der Mitwirkung an körperlichen Bestrafungen, die Erklärung zum Gebrauch und Missbrauch psychotroper Medikamente, Erklärungen zum Risiko des Tabakkonsums, zu Problemen der Umwelt und Demographie und einzelne Resolutionen zu Menschenrechtsverletzungen in verschiedenen Ländern.

Die 66. Generalversammlung fand 2015 in Moskau statt. Im Oktober 2016 tagte die 67. Generalversammlung in Taipeh.[3] 2022 tagte die Generalversammlung in Berlin.[4]

Geschichte

Im Juli 1945 fand in London ein informelles Treffen von Ärzten aus verschiedenen Ländern statt. Sie berieten über eine Nachfolgeorganisation zur L'Association Professionelle Internationale des Médecins. Diese war 1926 gegründet worden, hatte aber ihre Arbeit mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs eingestellt. Am 18. September 1947 trafen sich Vertreter 27 nationaler Ärzteorganisationen zur ersten Generalversammlung der World Medical Association in Frankreich. Das Sekretariat, das ursprünglich seinen Sitz in New York hatte, zog 1974 nach Ferney-Voltaire in Frankreich um.

Die westdeutschen Ärzte waren seit 1951 durch die Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern im Weltärztebund vertreten, nachdem dieser Zusammenschluss auf der Basis der Dokumentation Doctors of Infamy. The story of the Nazi medical crimes (1947/1949) beziehungsweise Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Medizinische und Eugenische Irrwege unter Diktatur, Bürokratie und Krieg (1949) und einer Rede von Hans Neuffer 1950 in Kopenhagen in den Weltärztebund aufgenommen worden war.[5][6]

Leitung

Der ehemalige Präsident des nigerianischen Ärzteverbandes, Dr. Osahon Enabulele, hat die Präsidentschaft des WMA für die Amtszeit 2022/2023 übernommen. Für die Amtszeit 2023/2024 wurde die Notfallmedizinerin und Expertin für Global Health, Dr. Lujain Alqodmani vom kuwaitischen Ärzteverband im Oktober 2022 als Präsidentin gewählt.[7] Zuvor war Heidi Stensmyren die Präsidentin des Weltärztebundes.[8]

Frank Ulrich Montgomery wurde auf der Sitzung des Rates des Weltärztebundes am 25. April 2019 in Santiago de Chile für zwei Jahre zum Ratsvorsitzenden („Chair of Council“) gewählt.[9] Im April 2021 wurde er für zwei weitere Jahre wiedergewählt.[10]

Otmar Kloiber ist Generalsekretär des Weltärztebundes und führt damit die operationellen Einheiten des Weltärztebundes.[11]

WMA-Generalsekretäre

  • 1947–1961: Louis H. Bauer, USA
  • 1961: Heinz Lord, Deutschland
  • 1961–1965: Harry S. Gear, Südafrika
  • 1965–1973: Alberto Z. Romualdez, Philippinen
  • 1973–1976: William Refshauge, Australien
  • 1976–1993: André Wynen, Belgien
  • 1994–1997: Ian T. Field, Großbritannien
  • 1997–2004: Delon Human, Südafrika
  • seit 2005: Otmar Kloiber, Deutschland[12]

Weblinks

Einzelnachweise, Anmerkungen

  1. WMA Members' List. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 18. August 2016; abgerufen am 18. August 2016.
  2. Der Weltärztebund (World Medical Association/WMA). Abgerufen am 10. Oktober 2022.
  3. WMA General Assembly, Chicago 2017. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.wma.net. 12. April 2017, archiviert vom Original am 11. Juni 2016; abgerufen am 11. Juni 2016 (englisch).
  4. WMA-Generalversammlung in Berlin. Abgerufen am 10. Oktober 2022.
  5. Jürgen Peter: Das umstrittene Schicksal der Dokumentation „Wissenschaft ohne Menschlichkeit“ (1949), Kapitel 3.3, in: Der Nürnberger Ärzteprozess im Spiegel seiner Aufarbeitung anhand der drei Dokumentensammlungen von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke, Lit-Verlag, Münster 1994; 2. Auflage 1998, 3., überarbeitete Auflage, 2013, ISBN 978-3-8258-2112-8, S. 68–71.
  6. Margarete Mitscherlich-Nielsen, „Wissenschaft ohne Menschlichkeit – Medizin und Antisemitismus“, in: psychosozial, 22 (1999), Heft IV (Nr. 78), S. 21–30.
  7. WMA-Generalversammlung in Berlin beendet. Abgerufen am 10. Oktober 2022.
  8. https://www.wma.net/who-we-are/leaders/
  9. https://www.wma.net/news-post/world-medical-association-council-meeting-15/. Pressemitteilung der World Medical Association vom 29. April 2019. Abgerufen am 27.Dez.2021.
  10. https://www.wma.net/news-post/world-medical-association-chairman-re-elected-for-second-term/. Pressemitteilung der World Medical Association vom 23. April 2021. Abgerufen am 27.Dez.2021.
  11. https://www.wma.net/wp-content/uploads/2017/02/Otmar-Kloiber_CV.pdf. Biografie Dr. Kloiber. Website des Weltärztebundes. Abgerufen am 27. Dez. 2021.
  12. Officials. In: www.wma.net. Abgerufen am 11. Juni 2016 (englisch).