Pädaudiologie

Die Pädaudiologie (von griechisch pais, Kind) ist sowohl als Wissenschaft von Hörstörungen (des Hörens) und der auditiven Wahrnehmung im Kindesalter ein Teilgebiet der Audiologie (der Wissenschaft des Hörens) als auch ein Fach der klinischen Medizin, das sich mit der Diagnostik und Therapie kindlicher Hörstörungen befasst.

Die Situation in Deutschland

Der Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie

Um nach einem absolvierten Medizinstudium als Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie (vorübergehend von 2004 bis 2018 „Facharzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen“) tätig zu werden, bedarf es einer fünfjährigen Weiterbildungszeit.[1]

Zur Zeit des Teilgebietes musste man Facharzt für HNO mit 4-jähriger Weiterbildungszeit sein, um dann 2 weitere Jahre im Teilgebiet ausgebildet zu werden. Nach Einführung des Facharztes 1992 durften diese Ärzte aufgrund einer Übergangsregelung auf Antrag bei ihrer Ärztekammer zusätzlich die eigenständige Facharztbezeichnung führen. Die Weiterbildungszeit wurde 1992, einheitlich für alle Fachgebiete, auf 5 Jahre festgelegt, umfasste 2 Jahre gemeinsame Basis-Weiterbildung mit den HNO-Ärzten und 3 Jahre fachspezifische Weiterbildung. Hintergrund dieser Aufteilung war eine beschlossene Zusammenführung einiger Fächer mit Facharztbezeichnungen unter einem, gemeinsamen Dach, hier als Gebiet Hals-Nasen-Ohrenheilkunde mit den Fachärzten für HNO und den Fachärzten für Stimm-, Sprach- und kindlichen Hörstörungen.[2] Auf Beschluss des Deutschen Ärztetages 2018 wurde die eingeführte deutschsprachige Facharztbezeichnung, die sich nie richtig hat durchsetzen können, rückgängig gemacht und das gemeinsame Gebiet HNO aufgelöst. Seitdem ist in der Weiterbildungsordnung ein eigenständiger Facharzt verankert.

Es wurde im Rahmen der EU-Harmonisierung der ärztlichen Weiterbildung versucht, eine europaweite Angleichung der Weiterbildung im Fach Phoniatrie-Pädaudiologie innerhalb der Fachgesellschaften zu entwerfen und ein einheitliches Weiterbildungskonzept seitens der UEP vorgelegt.[3]

Fachgesellschaften

Bei der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP) handelt es sich um den Zusammenschluss vorwiegend wissenschaftlich tätiger Fachärzte für Phoniatrie-Pädaudiologie incl. vielfach Ordinarien deutscher Hochschulen. Mitglied kann jeder Arzt für Phoniatrie-Pädaudiologie werden, der Bürgen aus dem Kreise der Mitglieder benennen kann. Für Ärzte in der Weiterbildung gibt es die Juniormitgliedschaft, die nach bestandener Facharztprüfung auf Antrag in eine Vollmitgliedschaft umgewandelt werden kann. Als vorwiegende Aufgabe der Gesellschaft darf die Erhaltung eines hohen wissenschaftlichen Standards des Fachs angesehen werden.

Dem Vorstand gehört auch ein Mitglied des Deutschen Berufsverbandes der Fachärzte für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V. an. Dabei handelt es sich um den Zusammenschluss vorwiegend praktisch tätiger Ärzte. Mitglied kann jeder Facharzt werden, er sollte möglichst eine Praxis betreiben. Als vorwiegende Aufgabe des Berufsverbandes darf die Erhaltung der freiberuflichen Tätigkeit der Fachärzte angesehen werden sowie u. a. die Wahrnehmung von Rechten gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung und den Kassenärztlichen Vereinigungen.

Behandlungsleitlinien

Folgende Leitlinien im Bereich Pädaudiologie sind in Federführung der DGPP bisher erstellt worden:

Eine Mitarbeit erfolgte bei folgenden Leitlinien:

sowie Mitarbeit bei folgender, angemeldeter Leitlinie:

Statistiken

Die Ärztestatistik der Bundesärztekammer zum 31. Dezember 2021 listet insgesamt 171 Fachärzte auf, davon waren 103 in niedergelassener und 90 als ohne ärztliche Tätigkeit registriert.[4] Im Juli 2021 waren in der DGPP 315 Mitglieder gezählt.

Die Situation in Österreich

Ein eigenständiges Sonderfach Phoniatrie gibt es in Österreich nicht, es zählt als "Spezialisierung" des Quellfachgebiets Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

Die Facharztausbildung HNO umfasst nach der ÄAO 2015 72 Monate mit Abschlussprüfung.[5] Anschließend erfolgt die Ausbildung in der Spezialisierung Phoniatrie-Pädaudiologie über weitere 2 Jahre mit eigenständiger Prüfung zum Abschluss der Weiterbildung.[6]

Standesorganisationen

Die Sektion Phoniatrie ist eine Teilorganisation der Österreichischen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Sie verfolgt standespolitische Ziele, vertritt die Interessen der Phoniatrie gegenüber anderen ärztlichen Organisationen und Behörden, setzt sich für die weitere Entwicklung der Phoniatrie und Pädaudiologie einschließlich der Fortbildung von Ärzten auf diesem Gebiet ein und stellt sich gegebenenfalls bei Fachfragen beratend zur Verfügung. Darüber hinaus vertritt sie das spezialisierte Fachgebiet der Phoniatrie wissenschaftlich innerhalb der Österreichischen HNO-Gesellschaft. Die Mitglieder der Sektion Phoniatrie müssen Fachärzte(-innen) für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten mit dem Zusatzfach Stimm- und Sprachkrankheiten (Phoniatrie) und zugleich Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie sein.[7]

Vorsitzende der Sektion ist Doris-Maria Denk-Linnert aus Wien.

Im September 2016 umfasste die Sektion Phoniatrie 45 Mitglieder.

Die Situation in der Schweiz

Eine 2-jährige Weiterbildung im Schwerpunkt Phoniatrie kann nach Abschluss der kompletten Weiterbildung über 5 Jahre im Fach Oto-Rhino-Laryngologie erfolgen.[8][9] 2020 stehen Ausbildungsstätten an Kliniken in Basel, Bern, Lausanne, Luzern, St. Gallen und Zürich zur Verfügung.[10]

Standesorganisation

Bei der Schweizerischen Gesellschaft für Phoniatrie (SGP) (Präsident Jörg E. Bohlender, Zürich) sind 34 Fachärzte als ordentliche Mitglieder registriert (Stand 2020).

Internationale Verbände

Als Verband gibt es international die Intl. Association of Logopedics and Phoniatrics (IALP),[11] auf europäischer Ebene die Union of European Phoniatrics (UEP).[12]

Literatur

  • Jürgen Wendler,Wolfgang Seidner, Ulrich Eysholdt: Lehrbuch der Phoniatrie und Pädaudiologie. 4. Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-13-102294-9.
  • Christian von Deuster: Pädaudiologie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1087.
  • Markus Vieten: Berufsplaner Arzt oder was man mit einem Medizinstudium alles anfangen kann. 5. Auflage. Thieme, Stuttgart-New York 2005, ISBN 3-13-116105-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. https://www.bundesaerztekammer.de/themen/aerzte/aus-fort-und-weiterbildung/aerztliche-weiterbildung/muster-weiterbildungsordnung Muster-Weiterbildungsordnung der BÄK Stand: 11/2018
  2. Musterweiterbildungsordnung 1992
  3. https://uep.phoniatrics.eu/european-academy-of-phoniatrics-eap/logbook-phoniatrics-uems-2010/ Logbuch Phoniatrie
  4. Archivierte Kopie (Memento desOriginals vom 6. Juni 2022 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundesaerztekammer.de Übersichtsseite der BÄK zur Ärztestatistik 2021
  5. [1]
  6. Verordnung übder Spezialisierungen - Anlage 2 (PDF)
  7. https://www.hno.at/hno-gesellschaft/sektion-phoniatrie/
  8. Internetseite der SIWF
  9. Internetseit der SGORL
  10. Phoniatrie-Pädaudiologie-Mitteilungen der DGPP 2020
  11. Homepage der IALP
  12. Homepage der UEP