Marwan I.

Marwān ibn al-Hakam (arabisch مروان بن الحكم, DMG Marwān b. al-Ḥakam, * 623; † 7. Mai 685), auch Marwan I., war der vierte Kalif der Umayyaden (684–685). Er war ein Enkel von Abū l-ʿĀs und gehörte damit zu demselben Zweig der Umayyaden-Familie wie der dritte Kalif Uthman ibn Affan (644–656).

Politische Rolle unter früheren Kalifen

Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde Marwān zum Sekretär ʿUthmāns, 648 nahm er an einem Feldzug gegen Ifrīqiya teil. Der große Einfluss Marwāns auf den Kalifen als dessen Sekretär und die Tatsache, dass ein Fünftel der Beute der Nordafrika-Eroberung an ihn floss, gehörten zu den wichtigsten Anschuldigungen, die gegen ʿUthmān erhoben wurden und schließlich 656 zu seiner Ermordung führten.[1] Nach diesem Ereignis stellte sich Marwān zunächst auf die Seite von Aischa, huldigte aber nach der Kamelschlacht überraschend ʿAlī ibn Abī Tālib. Unter Muʿāwiya I. diente er zunächst als Statthalter von Bahrain und dann zwei Phasen lang (661–668 und 674–677) als Statthalter von Medina.[2]

Aktivitäten während der umayyadischen Thronfolgekrise

Als 683 der umayyadische Kalif Yazid I. starb, rief sich ʿAbdallāh ibn az-Zubair, der Sohn von az-Zubair ibn al-ʿAuwām, in Mekka zum Kalifen aus und vertrieb die Umayyaden aus dem Hidschāz, darunter auch Marwān und seine Söhne, die nach Syrien flüchten mussten. Nach dem Tod von Yazīds Nachfolger Muʿāwiya II. ein Jahr später erhielt Ibn az-Zubair immer mehr Unterstützung. Auch mehrere Stammesfürsten der Qais in Syrien und Palästina stellten sich auf seine Seite, darunter Zufar ibn al-Hārith im Militärbezirk von Qinnasrīn[3] und ad-Dahhāk ibn Qais al-Fihrī, den Ibn az-Zubair zu seinem Statthalter in Damaskus erklärte. Marwān, der nicht mehr daran glaubte, dass die Umayyaden ihre Macht erhalten könnten, machte sich auf den Weg in den Hedschas, um ebenfalls Ibn az-Zubair zu huldigen und von ihm ein Sicherheitsversprechen für die Umayyaden zu erhalten. In Adhriʿāt, dem heutigen Darʿā, begegnete er aber dem früheren umayyadischen Statthalter des Irak, ʿUbaidullāh ibn Ziyād. Dieser drängte ihn, sich selbst um das Kalifat zu bewerben, da er als Sayyid aus der Nachkommenschaft des ʿAbd Manāf ibn Qusaiy mehr Anspruch darauf habe als Ibn az-Zubair. Er kehrte daraufhin wieder um und richtete sich zunächst in Palmyra ein.[4] Auf dem wenige Wochen später stattfindenden Kongress von al-Dschābiya wurde er dann zum Kalifen erhoben.

Nach der Erhebung zum Kalifen

Unmittelbar nach seiner Erhebung zum Kalifen machte sich Marwan I. an die Bekämpfung seiner Gegner. In der Schlacht bei Mardsch Rāhit im August 684 schlug er zunächst ad-Dahhāk und seine Anhänger. Im Anschluss an diese Schlacht setzte er ʿUbaidullāh ibn Ziyād gegen Zufar in Marsch, der sich mit seinen qaisitischen Anhängern in Qarqīsiyāʾ an der Mündung des Chabur in den Euphrat verschanzt hatte. Die Widerstandskraft Zufars erwies sich jedoch als unerwartet stark, so dass ʿUbaidullāh unverrichteter Dinge wieder abziehen musste.[5] Der größte Erfolg Marwāns war die Rückgewinnung der Kontrolle über Ägypten. Ein Angriff der Umayyaden auf Medina scheiterte aber. Auch die meisten Angehörigen des Stammesverbands der Qais im Dschund von Qinnasrīn blieben ihm feindlich gesinnt. Allein ʿUmair ibn al-Hubāb, einer der Anführer der Banū Sulaim, huldigte ihm.[6] Kurz vor seinem Tod am 7. Mai 685 an der Pest teilte Marwān das Reich unter seinen beiden Söhnen auf: der ältere von ihnen, ʿAbd al-Malik erhielt Syrien, der jüngere, ʿAbd al-Azīz, Ägypten.

Literatur

  • C. E. Bosworth: Art. „Marwān I b. al-Ḥakam“ in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. VI, S. 621b-623a.
  • Gernot Rotter: Die Umayyaden und der zweite Bürgerkrieg. (680–692). (Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, 45, 3) Steiner, Wiesbaden 1982, ISBN 3-515-02913-3.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Rotter 17.
  2. Vgl. Bosworth 621b.
  3. Vgl. 135f.
  4. Vgl. Rotter 140.
  5. Vgl. Rotter 187.
  6. Vgl. Rotter 152.
VorgängerAmtNachfolger
Muʿāwiya II.Kalif der Umayyaden
684–685
Abd al-Malik