Edmund Käbisch

Edmund Käbisch (* 9. Januar 1944 in Waldenburg) ist ein deutscher Pfarrer. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen mit der Landeskirche Sachsens und der Staatssicherheit in der DDR setzt er sich vor allem in der Arbeit mit Jugendlichen für die Aufarbeitung der Diktatur in der DDR ein.

Leben

Edmund Käbisch verbrachte, nachdem die Familie 1946 aus Schlesien vertrieben wurde, seine Kindheit in und um Kamenz. Er hat vier Geschwister. Sein Vater war nach dem Krieg selbständig, seine Mutter war gelernte Verkäuferin. Er ist verheiratet mit Renate Käbisch, geborene Heber und hat drei Söhne.

In Kamenz besuchte er die Grund-, Mittel und Abendoberschule. Nach einer Lehre als Elektromonteur kam er zum Theologiestudium nach Leipzig an die Karl-Marx-Universität.

Wirken

Käbisch wurde 1970 Pfarrer in Quesitz bei Leipzig. 1979 promovierte er an der Universität Leipzig mit einer Arbeit über Das Gebet in Jugendgottesdiensten. 1981 wurde Käbisch zum zweiten Pfarrer am Dom St. Marien in Zwickau gewählt. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit der Kirchenleitung wegen seines Engagements für „Problembürger“ wurde er mit den Mitteln des Kirchenrechts gemaßregelt und gegen ihn, nach eigener Aussage, ein „Predigtverbot“ verhängt.[1] 62 inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit waren auf ihn angesetzt, um ihn einzuschüchtern und auszuhorchen. Bei der Staatssicherheit wurden diese Maßnahmen der „Zersetzung“ im Rahmen des Operativen Vorgangs (OV) „Kontrahent“ eingesetzt.[2]

1999 wurde Käbisch in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Hintergrund waren Konflikte mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Sachsen um die von Käbisch betriebene Forschung zur Verstrickung der Kirche in der DDR mit dem Ministerium für Staatssicherheit.[3][4] Bis 2007 war er noch Religionslehrer und Patientenfürsprecher. Er ist heute im Verein D.A.V.I.D. e.V. – Gegen Mobbing in der evangelischen Kirche tätig.[5]

Käbisch setzte sich für die Würdigung der Malerin Tatjana Lietz ein, die 1998 Ehrenbürgerin ihrer Wahlheimat Zwickau wurde. Zu ihrer Beerdigung am 16. März 2001 hielt er die Trauerrede.[6]

Im Rahmen der Arbeit mit Jugendlichen betreute er deren Ausstellung „Christliches Handeln in der DDR“.[7] Dabei wurde Edmund Käbisch überregional bekannt, weil der auch Käbisch bespitzelnde ehemalige inoffizielle Stasimitarbeiter Holm Singer (IM „Schubert“), den die Stasi 1980 angeworben hatte, um evangelische Jugendgruppen zu infiltrieren,[8] im März 2008 vor dem Landgericht Zwickau eine einstweilige Verfügung wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts (Nennung des Klarnamens) erwirkte.[9] Die Ausstellung musste daraufhin vorläufig abgebrochen werden.[10] Ende März 2010 entschied das Gericht, dass Käbisch den Klarnamen von „IM Schubert“ öffentlich machen darf. „Die Tätigkeit des IM, der sein früheres Tun mehrfach zugegeben habe“, sagte der zuständige Richter, „sei von historischem Interesse“ (Aktenzeichen 1 O 1275/08).[11][12][13]

Seit vielen Jahren engagiert sich Käbisch im Zwickauer Bündnis für Demokratie und Toleranz.[14]

Werke

  • 2002: Mein Alltag als evangelischer Pfarrer in Zwickau. In: Der Schein der Normalität. Alltag und Herrschaft in der SED-Diktatur. Herausgegeben von C. Vollnhals und J. Weber, Olzog-Verlag, München 2002, ISBN 3-7892-8077-1.[15]
  • 2007: Das Fanal von Falkenstein. Eine Studie über die Zersetzung der Kirche durch die Stasi nach der Selbstverbrennung des Pfarrers Rolf Günther. La Colombe, Moers 2007, ISBN 3-929351-27-7.[16]
  • 2010: Akteure der friedlichen Revolution. (Mit David Käbisch). Didaktische Impulse und Materialien für den Geschichts-, Ethik- und Religionsunterricht aus der Region Zwickau, mit einem Geleitwort von Joachim Gauck, La Colombe, Moers 2010, ISBN 978-3-929351-32-3.[17]
  • 2011: Zumutbare Wahrheiten. Erfahrungen mit der Aufarbeitung der beiden deutschen Diktaturen in der Landeskirche Sachsens. (Mit Dr. Martin Böttger). La Colombe, Moers 2011, ISBN 978-3-929351-34-7.[18]
  • 2011: Politisch Verfolgte in der DDR. Materialien und Kopiervorlagen für den Geschichts-, Ethik- und Religionsunterricht aus der Region Zwickau. La Colombe, Moers 2011, ISBN 978-3-929351-36-1.[19]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Zumutbare Wahrheiten von Frank Dörfelt im Wochenspiegel, Zeitung für Westsachsen, Ausgabe Zwickau, 27. April 2011, S. 4
  2. Welt.de: Der Rebell von Reichenbach.
  3. Wenn die Kirche die Vergangenheit verdrängt | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 25. Januar 2001, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 13. September 2018]).
  4. Was macht eigentlich Pfarrer Käbisch? In: Cicero Online. (cicero.de [abgerufen am 13. September 2018]).
  5. david-gegen-mobbing.de
  6. Auszüge seiner Ausarbeitungen über T. Lietz sind im Buch von Chr. Siegel: Die Bilderwelt der Tatjana Lietz. Chemnitzer Verlag, 2002, ISBN 3-928678-79-5 erschienen.
  7. Bei dr-kaebisch.de: Ausstellung Christliches Handeln in der DDR
  8. The Irish Times, 23. April 2008, Derek Scally: German court ruling inconclusive as former Stasi spies fight for privacy.
  9. Die Welt, 21. April 2008, Uwe Müller: Der späte Triumph der Stasi-Täter
  10. Bericht im Spiegel zum Abbruch der Ausstellung.
  11. LVZ, 24. März 2010, Tino Moritz: Ex-Pfarrer darf Klarnamen von Stasi-IM nennen.
  12. Bei dr-kaebisch: Schubert
  13. Bei MD-Zeitung: Bericht Klarnamen
  14. Bei dr-kaebisch: Demokratiebündnisseite – die Webseite des Zwickauer-Demokratie-Buendnis.de – und die Wikipediaseite.
  15. Käbisch 2002 – Pfarrer in Zwickau, 43 S., Buch: 450 S., Vorwort von H. Oberreuter, ausführliche Einleitung der Herausgeber.
  16. Käbisch 2007 – Buchinfo zum Fanal von Falkenstein bei dr-kaebisch.de – Verlagswebseite: Colombe.de in Moers.
  17. Käbisch 2010 – Portal über Akteure der Friedlichen Revolution in der Region Zwickau.
  18. Käbisch 2011a – Zumutbare Wahrheiten bei dr-kaebisch.de
  19. Käbisch 2011b – Politisch Verfolgte bei dr-kaebisch.de