Frederick Douglass

Frederick Douglass
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Frederick Douglass um 1850
Von Douglass existieren 160 Fotografien[1], diese wurde um 1879 aufgenommen

Frederick Douglass (* 1818 im Talbot County, Maryland[2]; † 20. Februar 1895 in Washington, D.C.; gebürtig Frederick Augustus Washington Bailey) war ein Sklave und späterer Abolitionist und Schriftsteller. Er gilt als einflussreichster Afroamerikaner des 19. Jahrhunderts.[3]

Leben

Frederick Douglass wurde in die Sklaverei geboren. Er durfte zu seiner Mutter, Harriet Bailey, kaum Kontakt haben.[4] Sie starb, als er etwa sieben Jahre alt war. Er lebte bei seiner Großmutter mütterlicherseits, Betty Bailey. Douglass erlangte nie Gewissheit darüber, wer sein Vater war. Er erwähnt allerdings in seiner ersten Autobiographie das Gerücht, dass es der Besitzer seiner Mutter war (und damit auch sein eigener Besitzer). 1825 wurde er als Haussklave zu Hugh Auld, einem angeheirateten Verwandten seines Besitzers, nach Baltimore geschickt. Aulds Gattin, seine Herrin, beschreibt er als eine „freundliche und warmherzige Frau“, die ihn „in der Einfachheit ihres Herzens“ so behandelte, „wie nach ihrem Verständnis menschliche Wesen einander behandeln sollten.“[5] Bis sein Herr es unterband, lehrte sie ihn Lesen und Schreiben. Douglass erreichte dieses Ziel später, indem er in Baltimore Kontakte zu weißen Kindern knüpfte und sich von ihnen unterrichten ließ.

Nachdem ein erster Fluchtversuch gescheitert war, lieh er sich 1838 den Schutzbrief eines Seemanns. Mit diesem gelang ihm die Flucht in die Freiheit; er ging nach New York. Dort änderte er seinen Namen (wie bei entkommenen Sklaven üblich) in Frederick Douglass. Am 15. September 1838, elf Tage nach seiner Ankunft in New York, heiratete er Anna Murray, die er in Baltimore kennengelernt hatte und nach New York nachkommen ließ. Das Paar hatte fünf Kinder, die älteste Tochter war Rosetta Douglass. Nachdem Anna im August 1882 gestorben war, heiratete er im Januar 1884 die weiße, um zwanzig Jahre jüngere Suffragette Helen Pitts, was in der Öffentlichkeit sehr kontrovers aufgenommen wurde.

Douglass starb 1895 im Alter von 77 Jahren.[6]

Douglass’ Wirken als Abolitionist

Nach Anfrage sprach Frederick Douglass 1840 auf einer Versammlung der Abolitionisten in Nantucket, Massachusetts, über seine Erfahrungen in der Sklaverei. Hiermit legte er den Grundstein für seine folgenden Auftritte als hauptberuflicher Redner gegen die Sklaverei. Ebenso wurde er als Schriftsteller tätig und veröffentlichte 1845 sein erstes Buch Narrative of the Life of Frederick Douglass, an American Slave, das binnen vier Monaten 5000-mal verkauft wurde und bis Ende 1847 in neun Ausgaben erschien.[1] Neben einer Anzahl Essays, gedruckter Briefe und Reden erschienen 1855 und 1881 weitere Autobiografien, letztere 1892 nochmals in überarbeiteter Form.[1]

1845 reiste Douglass nach Großbritannien und Irland, wo er zusammen mit dem Abolitionisten William Lloyd Garrison Vorträge über die Sklaverei hielt, englische Freunde Geld sammelten und ihn aus der Sklaverei „freikauften“.[7] Während dieser Reise organisierte er zusammen mit schottischen Abolitionisten eine Kampagne gegen die Free Church of Scotland wegen deren Entscheidung, Gelder von Sklavenhaltern anzunehmen. Das dadurch entstandene öffentliche Aufsehen zwang auch die 1846 in London stattfindende Gründungskonferenz der Evangelical Alliance, das Thema Sklaverei aufzugreifen, was in einer tiefgreifenden Spaltung der Konferenz mündete. Daraufhin kritisierte Douglass in einer in London vor der Anti-Slavery League gehaltenen Rede (“Slavery in the Pulpit of the Evangelical Alliance”), dass zwar Sklavenhalter zur Konferenz der Evangelical Alliance eingeladen wurden, aber keine Quäker, die sich stark im Kampf gegen die Sklaverei engagiert hätten. Er wies auch auf die Beziehung zwischen Sklaverei und Christentum in den USA hin und beklagte, dass die Kirchen die stärksten Verbündeten des Sklavereisystems im Süden der USA seien.[8][9]

In den folgenden Jahren nahm er unter anderem 1848 als einziger afroamerikanischer Mann an der Versammlung für die Gleichberechtigung der Frauen in Seneca Falls[10] teil und warb 1863 schwarze Soldaten für die Armee der Nordstaaten.

Nach dem Aufstandsversuch John Browns bei Harpers Ferry im Oktober 1859 wurde Douglass der Mitwisserschaft verdächtigt und musste untertauchen. Seine deutsche Übersetzerin Ottilie Assing versteckte ihn in dem von ihr bewohnten Boardinghouse in Hoboken und verhalf ihm zur Flucht, warnte seine Familie durch ein verschlüsseltes Telegramm und besorgte konspirative Post über einen deutschen Mittelsmann.[11] Für seine Verdienste um den Abolitionismus vermachte Assing, die zeitlebens mit ihm eng befreundet und Mitarbeiterin seiner Zeitung The New National Era war, Frederick Douglass für die Zeit seines Lebens die Kapitalzinsen ihres Vermögens.[12]

1864 erhielt Douglass eine zweite Audienz bei Abraham Lincoln, wobei er sich für die Gleichberechtigung der schwarzen Soldaten in der Armee einsetzte. 1870 war er der Hauptredner bei den Feierlichkeiten zur Ratifizierung des 15. Verfassungszusatzes. 1872 wurde er in Abwesenheit von der Equal Rights Party[13] als Vizepräsidentschaftskandidat an der Seite von Victoria Woodhull bei den Präsidentschaftswahlen nominiert;[14] allerdings waren die Stimmen für die erste kandidierende Frau wegen Nichterreichens des nötigen Alters ungültig. Als Vollendung seines Einsatzes für die Gleichberechtigung wurde er 1891 von Präsident Benjamin Harrison als Nachfolger von John E. W. Thompson zum Gesandten und Generalkonsul in der Republik Haiti ernannt.[15]

Anna Murray-Douglass, die Ehefrau von Douglass über vierundvierzig Jahre

Ehrungen

  • 1950 wurde die Frederick Douglass Memorial Bridge in Washington D.C. fertiggestellt.
  • Sein Haus in Anacostia (Washington, D.C.) ist Teil des National Park Systems.
  • 1965 wurde eine Briefmarke der US Post mit Douglass’ Bild in der Serie Große Amerikaner herausgebracht.
  • 2013 wurde im Washingtoner Kapitol (in der Emancipation Hall des Besucherzentrums) eine Douglass-Statue aufgestellt. Die Emancipation Hall war 2007 zum Gedenken an die Sklavenarbeiter errichtet worden, die das Kapitol bauten.[16]

Darstellung in der Kunst

  • Im Spielfilm Glory wird Frederick Douglass von Raymond St. Jacques dargestellt.
  • In George MacDonald Frasers Flashman and the Angel of the Lord taucht Douglass auf.
  • In der Historienserie Copper – Justice is brutal wird er in einer Folge als historische Person von Eamonn Walker dargestellt. In besagter Folge hält er eine Rede zum Abolitionismus (S02xE02).
  • In der dritten Episode der ersten Staffel von Fackeln im Sturm verkörperte Robert Guillaume Frederick Douglass während einer abolitionistischen Veranstaltung.
  • Frederick Douglass ist einer der Protagonisten in Colum McCanns Roman TransAtlantik (2013).
  • In der TV-Mini-Serie The Good Lord Bird nach dem Roman von James McBride über John Browns Leben wird Frederick Douglass durch Daveed Diggs verkörpert.
  • Eine Reproduktion des Fotos vom Wandgemälde Frederic Douglass (circa 1879) des schottischen Straßenkünstlers Ross Blair (Edinburgh) wurde anlässlich des G7-Gipfels 2021 von Boris Johnson an Joe Biden verschenkt. Das Foto wurde von der US- und UK-Bürgerin Melissa Highton gemacht, in der englischsprachigen Wikipedia publiziert und von dort übernommen.[17]

Werke

  • Narrative of the Life of Frederick Douglass, an American Slave. Written by himself. Boston, 1845. Documenting the American South, bei University of North Carolina at Chapel Hill
    • Das Leben des Frederick Douglass als Sklave in Amerika von ihm selber erzählt. Übersetzung Dietlinde Haug. Lamuv Verlag, Göttingen 1991, ISBN 978-3-88977-272-5
    • Mein Leben als amerikanischer Sklave. Übersetzung Hans-Christian Oeser. Nachwort Hannah Spahn. Ditzingen: Reclam, 2022
  • The Heroic Slave. Autographs for Freedom. 1853
  • My bondage and my freedom Publisher: Miller, Orton & Mulligan, 1855 – ISBN 1-4043-7168-0. (Autobiographie von 1855, englisch, archive.org oder docsouth.unc.edu).
    • Sclaverei und Freiheit. Autobiographie. Aus dem Englischen übertragen von Ottilie Assing. Hoffmann und Campe, Hamburg 1860 (Digitalisat); (Digitalisat).
    • Ein Stern weist nach Norden : Lebenserinnerungen. Übersetzung Hans Herrfurth. Nachwort Karl-Heinz Wirzberger. Ost-Berlin : Rütten & Loening, 1965
  • Life and times of Frederick Douglass, written by himself. Publisher: De Wolfe & Fiske Co., Boston 1892 – ISBN 1-4179-4795-0 (Autobiographie von 1892, englisch, archive.org, docsouth.unc.edu).
  • John Brown. An address by Frederick Douglass, at the fourteenth anniversary of Storer College, Harper’s Ferry, West Virginia, May 30, 1881. Morning Star job printing house, Dover N.H. 1881 (archive.org).

Literatur

  • Booker T. Washington: Frederick Douglass. Chronology Seite 11 ff. Publisher: G. W. Jacobs & Company, Philadelphia 1907 (archive.org).
  • Philip Sheldon Foner: Frederick Douglass: a biography. Citadel, New York 1964.
  • Robert S. Levine: The lives of Frederick Douglass. Harvard University Press, Cambridge 2016, ISBN 978-0-674-05581-0.
  • Linda Diane Barnes: Frederick Douglass. Reformer and statesman. Routledge, New York 2013, ISBN 978-0-415-89111-0.
  • Nathan Irvin Huggins: Slave and citizen: the life of Frederick Douglass. Little Brown, Boston 1980, ISBN 0-316-38000-8.
  • Benjamin Quarles: Frederick Douglass. DaCapo, New York 1997, ISBN 0-306-80790-4.
  • William S. McFeely: Frederick Douglass. Norton, New York 1991, ISBN 0-393-02823-2.
  • Shirley Graham Du Bois: There was once a slave: the historic story of Frederick Douglass. Messner, New York 1947.
  • Maria Diedrich: Love Across Color Lines. Ottilie Assing & Frederick Douglass. Hill and Wang, New York 1999, ISBN 0-8090-1613-3 (englisch).
  • David W. Blight: Frederick Douglass: Prophet of Freedom. Simon & Schuster, New York 2018, ISBN 978-1-4165-9031-6.
  • Hendrikje Schauer, Marcel Lepper: Brontë, Douglass, Marx und Stone. Parallele Leben. Berlin / Weimar 2018, ISBN 978-3-9819406-0-2. (mit Chronologie, Register).
  • Timothy Sandefur: Frederick Douglass: Self-made man. Cato Institute 2018, ISBN 978-1-944424-85-5.
  • Douglas T. Miller: Frederick Douglass and the fight for freedom. Facts on File, New York 1988, ISBN 0-8160-1617-8.
  • Nicolas Buccola: The political thought of Frederick Douglass: in pursuit of American liberty. New York University 2012, ISBN 978-1-4798-6749-3.

Weblinks

Wikisource: Frederick Douglass – Quellen und Volltexte
Commons: Frederick Douglass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Frederick Douglass – Zitate (englisch)

Einzelnachweise

  1. a b c Hannah Spahn, Nachwort, 2022
  2. Zur Frage, wann Douglass geboren wurde, s. Annika Neklason: The Mystery Behind Frederick Douglass’s Birthday in: The Atlantic (Onlineausgabe), 17. Februar 2018.
  3. Jörg Nagler: Abraham Lincoln. Amerikas großer Präsident. Eine Biographie. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58747-4, S. 321.
  4. Autobiographie, S. 2 (Digitalisat)
  5. zitiert aus: Frederick Douglass: Das Leben des Frederick Douglass, Lamuv Verlag, Göttingen 1991, S. 86.
  6. nytimes.com: Frederick Douglass’s Original New York Times Obituary From 1895.
  7. siehe “Frederick Douglass Timeline” auf der “Frederick Douglass Home Page”, Library of Congress 25. Aug. 2004
  8. Frederick Douglass, “Slavery in the Pulpit of the Evangelical Alliance: An Address Delivered in London, England, on September 14, 1846.” London Inquirer, September 19, 1846 and London Patriot, September 17, 1846. Blassingame, John (et al., eds.). The Frederick Douglass Papers: Series One--Speeches, Debates, and Interviews. New Haven: Yale University Press, 1979. Vol. I, S. 407. (Memento vom 29. September 2012 im Internet Archive)
  9. Hannah Rose "Frederick Douglass and the Evangelical Alliance" 17.Feb 2012
  10. Brief Frederick Douglass an Elizabeth McClintock – Zusage seiner Teilnahme
  11. [Anonym:] Erinnerungen. In: Der deutsche Correspondent Jg. 65, Nr. 92, 2. April 1905 (Web-Ressource); vgl. David W. Blight: Frederick Douglass. Prophet of Freedom, Simon & Schuster, New York 2018, S. 305 ff.
  12. Ottilie Assing’s Testament. In: Der Deutsche Correspondent Jg. 45, Nr. 24, 28. Januar 1885 (Web-Ressource).
  13. siehe: Equal Rights Party in der englischsprachigen Wikipedia.
  14. Antje Schrupp: „Vote for Victoria!“: Das wilde Leben von Amerikas erster Präsidentschaftskandidatin Victoria Woodhull (1838–1927). Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach am Taunus 2016, ISBN 978-3-89741-393-1, S. 109
  15. Douglass, F.: Das Leben des Frederick Douglass, Lamuv Verlag, Göttingen 1991.
  16. Marina Villeneuve: Statue of Frederick Douglass dedicated at U.S. Capitol. In: Los Angeles Times. 19. Juni 2013 ([1]).
  17. Geschenke beim G7-Gipfel: "Boris-Bike" für Johnson, "Wikipedia-Bild" für Biden STERN Online vom 12. Juni 2021

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